Hintergrund

"Hungerkünstler"

27. Jänner 2009, 17:58

Der triste Einkommensbericht des Rechnungshofs

Wien - Künstler verdienen äußerst wenig. Zu dieser Erkenntnis gelangte auch der Rechnungshof. Im kürzlich veröffentlichten Einkommensbericht heißt es:

"Wie auch bei den ausschließlich selbständig Erwerbstätigen werden im Schwerpunkt selbständige Arbeit die höchsten Einkommen im Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen erzielt (51.063 Euro). Innerhalb dieser Branche erreichen FachärztInnen das höchste mittlere Jahreseinkommen (110.107Euro), dahinter liegen ZahnärztInnen (95.216 Euro) und AllgemeinmedizinerInnen (74.463 Euro). Bei Personen, die (...) ihre Einkommen aus künstlerischen und schriftstellerischen Tätigkeiten und Darbietungen beziehen, sind die niedrigsten Einkünfte innerhalb dieses Schwerpunktes zu finden. 2005 wurden hier im Mittel 6951 Euro an Jahreseinkommen erreicht (Frauen: 5883 Euro, Männer: 7775 Euro), was deutlich unter der Hälfte des Schwerpunktmittels (19.060 Euro) lag."

Als Reaktion auf den RH-Bericht übte Michael Kress von der Gewerkschaft KMSfB (Kunst, Medien, Sport, freie Berufe) scharfe Kritik an der "krampfhaft zurückhaltenden Kulturförderung durch Bund und Länder außerhalb der Hochkultur und einiger Günstlinge" : Es sei "eine Affenschande für die Kulturnation Österreich, dass Kulturschaffende schlechter bezahlt sind als ein Maurer."

Konkret steht unselbstständigen Kulturschaffenden und Musikern ein Jahresbrutto von 23.528 Euro, selbstständigen Kulturveranstaltern gar nur von 15.482 zur Verfügung. Maurer hingegen kommen auf 26.330 Euro, Tankstellenmitarbeiter auf 26.080 und Büroangestellte auf 26.460 Euro. Kress' Fazit: Diese Regierung macht aus Künstlern Hungerkünstler." (trenk, DER STANDARD/Printausgabe, 28.01.2009)

aeon fluxx
00
29.1.2009, 12:48
kunst

. Die Kunstsparte ist ein ökonomisches System wie jedes andere.
. Nur werden hier sogar rein technisch die Arbeiten schon in einem eigenartigen Verhältnis bezahlt. (ausgen. jene etabl. K.)
. Finanztechnische Aspekte werden hier immer 'vergessen' (Versicherungen, Steuer (40% ab 10 000 euro gewinn)
.. der Künstler ist Kleinunternehmer.
. wieviel würde ein bild bzw. Gestaltungen im öffentlichen Raum auf 'professioneller' Ebene kosten - Arafiker, Architekt?
. z.b Wettbewerb Strandbar Hermann, Gestaltung einer 60x3m Wand.
. Gesamtbudget !!! (Gewinn + Produktion+ Entwurfe) 2000 euro (inkl. mwst - exkl. mwst ?)
wer gestaltet 180m2 mit Prod. kosten für 2000 euro !
kein Architekt oder Grafiker könnte sich das Hobby dieses Auftrages leisten.

Michelle Houellebecq
00
28.1.2009, 13:43
WIES WIRKLICH IST !!! DIE MITTEL FÜR DIE KUNST SIND INNERHALB DES SYSTEMS UNFAIR VERTEILT.

Zum Beispiel Philharmoniker : Die treuen Repräsentanten der Walzerseligkeit und ewigen immerwieder dasgleiche Abo-Konzert Musikmaschinisten verdienen
A) Als Philharmoniker im Verein
B) Für den Dienst in der Staatsoper
C) Als Professoren in der Musikhochschule
D) Bei jeder Menge Einzelkonzerten
Gagen von denen 95 Prozent der Musiker in diesem Land träumen können.Dafür daß sie nichts anderes tun als Tradition zu bedienen, gewiss auf hohem nivea.wo bitte bleiben die Mittel Jenseits von Brahms, Mozart Haydn und sonstiger etablierter Kunstmusik.Wo bleibt das Geld für Jazz, Neue Musik, Elektronik, etc.Dasselbe Spiel in der Bildenden Kunst. Umverteilung von Traditionalismus zu Gegenwartskunst würde den meisten Künstlern das Leben retten

zwonko ivanovic
00
28.1.2009, 13:48
Es ist ...

... eines der Kennzeichen unseres Systems, dass das Geld zuerst von den Steuerzahlern eingetrieben wird, um es dann an "Freunde des Systems", "Günstlinge" nach dem eigenen, dh. Politiker-Gutdünken zu verteilen. Das betrifft nicht nur die Kultur.

zwonko ivanovic
20
28.1.2009, 09:08
Grundsätzlich ...

... finde ich es positiv, wenn Leute in ihrer Freizeit statt vor dem Fernseher zu hängen Bilder malen, ein Instrument spielen, Wurfgedichte verfassen oder auch kleine hässliche Ton-Männchen basteln. Wer keinen Ton-Männchen-Großabnehmer findet und nicht von so etwas leben kann, möge sich bitte einen Brotberuf suchen bzw. diesen erst gar nicht aufgeben.

Tina Tsornigg
12
28.1.2009, 13:16

Die Landwirtschaft kann nicht von ihren Einkünften leben. Die Autoindustrie nicht. Und inzwischen auch die Banken nicht. Welche Brotberufe schweben ihnen für diese Branchen vor?

zwonko ivanovic
10
28.1.2009, 13:31
Sie ...

... sind Sie für Finanzspritzen an jahrelang am Bedarf vorbeiproduzierende Autokonzerne?
Bei der Landwirtschaft ist mir, mit Verlaub, klar, was diese der Allgemeinheit "bringt". Bei den Ton-Männchen nicht. Oder anders gesagt: Warum soll Frau X. ihre Zeit als Putzfrau verschwenden, anstatt eine Förderung für ihre selbstgehäkelten Spitzendeckchen zu bekommen? Sie häkelt auch viel lieber als sie putzt, und die Dinger sind richtig originell und einzigartig. Worin besteht der Unterschied zu einem "Künstler"?

Schwalbe
00
29.1.2009, 15:44

ganz recht! endlich putzen, kochen, waschen und andere 'reproduktive' arbeit, die der allgemeinheit 'was bringt' fördern und nicht weiter dem schwarzmarkt und der familie überlassen. und zur abwechslung die nächsten paar hundert jahre geldverkehr, finanz- und versicherungswesen zur familienangelegenheit erklären oder rigoros auf steueroasen beschränken, was zb. in der karibik 'verdient' wird, muss auch dort gleich wieder verfressen, versoffen & versenkt werden. - warum soll geld zählen was kosten solange häkeln gratis geht?!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.