Die Jäger und ihr Rezept

13. Februar 2009, 12:19
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Wer für Österreich WM-Medaillen im Biathlon holt, ist geschossen wie gelaufen


Wien - "G'sund bleiben, die Zeitumstellung verkraften und an die Weltcup-Leistungen anschließen." Reinhard Gösweiner hat ein recht einfaches Rezept für österreichisches Gelingen bei der Biathlon-WM vom 13. bis 22. Februar in Pyeongchang, Südkorea. Nach dem Rezept des Oberösterreichers zu verfahren, scheint ratsam, schließlich ist der 36-Jährige nicht unwesentlich daran beteiligt, was da und dort schon österreichisches Biathlon-Wunder genannt wird. Zwei Staffelsiege, einen Einzelerfolg und dazu noch sechs Podestplätze (zwei in der Staffel, vier im Einzel) haben die bewaffneten Langläufer des ÖSV in dieser Weltcupsaison schon zusammengelaufen und -geschossen. Zumindest eine Medaille in Südkorea soll die Ausbeute vergrößern.

Aufgerechnet wird in der seit Saisonbeginn in zwei Gruppen geteilten Nationalmannschaft nicht, aber man könnte schon bemerken, dass zumindest die Einzelerfolge zu einem Gutteil auf das Konto jener Gruppe gehen, die Gösweiner betreut. Der Windischgarstener wurde vom Nachwuchs, wo er seit 1997 wirkte, zum Nationalteam geholt. Er trainiert neben Daniel Mesotitsch und Friedrich Pinter auch Christoph Sumann, der das Massenstart-Rennen in Oberhof gewann. Gösweiner kümmert sich zudem um Dominik Landertinger, dem zuletzt im Massenstart-Rennen zu Antholz nur 0,2 Sekunden auf den Deutschen Christoph Stephan und also seinen allerersten Weltcupsieg fehlten. Der 20-jährige, gebürtige Oberösterreicher, der seit seinem dritten Lebensjahr in Hochfilzen lebt und sich daher als Tiroler fühlt, schmückte davor schon in Ruhpolding zweimal das Podest, war Zweiter im Sprint und Dritter nach der Verfolgung.

Landertinger und Gösweiner gehen ihren sportlichen Weg schon seit Jahren gemeinsam. Als Zehnjähriger entschied sich Ersterer in der Skihauptschule Saalfelden für Langlauf und Biathlon. Neben seiner Ausbildung zum Maschinenbautechniker trainierte er unter Gösweiner im nordischen Zentrum Eisenerz. 2007 wurde er Junioren-Europameister in Sprint und Verfolgung sowie Junioren-Weltmeister mit der Staffel.

Vom Skandal unberührt

Trainer und Athlet blieben vom Turiner Olympiaskandal, in dessen Folge die Spitzenbiathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann lebenslange Sperren ausfassten und das einschlägige ÖSV-Budget ordentlich eingedampft wurde, relativ unberührt. "Im Nachwuchs" , sagt Gösweiner, "wurde nicht gespart. Da war aber immer schon nicht sehr viel Geld vorhanden." Er selbst ist einer der wenigen Biathlon-Betreuer im ÖSV, die nicht vom ÖOC für Olympische Spiele gesperrt sind. An Vancouver 2010 denkt Gösweiner deshalb aber nicht. "Jetzt kommt einmal die WM. Da wollen wir zumindest eine Medaille."

Die Staffel dürfte die beste Chance haben, aber die Bedingungen in Südkorea könnten auch für ein Solo von Landertinger sprechen. Dessen Stärke ist das Laufen, und Gösweiner nennt die WM-Loipen "extrem schwierig" . Zudem sei es am Schießstand immer windig. Dies ist wiederum ist ein Fall für Routiniers wie Sumann oder aber großartige Schützen. Ein solcher ist in der anderen Gruppe der Nationalmannschaft unter Alfred Eder zu finden. Simon Eder, der Sohn des Trainers also, hält gar einen diesbezüglichen Weltrekord. Vor zwei Jahren und in Ruhpolding räumte der heute 25-Jährige im Stehendanschlag alle fünf Scheiben innerhalb von 16 Sekunden ab. Den WM-Flieger bestieg er am vergangenen Samstag in Antholz mit Rang zwei in der Verfolgung.

Neben Iris Waldhuber, die vor allem Erfahrung sammeln soll, entsendet der ÖSV insgesamt sechs Herren zur WM. Halten sie sich an Gösweiners recht einfaches Rezept, ist unbedingt mit metallenen Dekorationen zu rechnen. ( Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 28.1.2009)

 

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    Simon Eder ist ein verflixt schneller Schütze. Der Salzburger hält sogarden Biathlon- Weltrekord.

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