Zukunftsangst im Schlaraffenland

27. Jänner 2009, 17:47
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Der Super Bowl in Tampa folgt auch im American Football unweigerlich der Kater.Die Wirtschaftskrise lässt die Geldquellen schneller als befürchtet versiegen

New York / Wien - Noch im September des Vorjahres schmückte das Forbes Magazine die National Football League (NFL) mit dem Titel "finanziell stärkste Liga der Welt" . Mittlerweile herrscht in der NFL Zentrale an der New Yorker Park Avenue infolge der Wirtschaftskrise ziemlich Verunsicherung. Die Entlassung von rund 150 Verwaltungsmitarbeitern, also gut zehn Prozent der Belegschaft, bezeichnet der seit zweieinhalb Jahren amtierende Liga-Chef Roger Goodell allerdings nur als Vorsichtsmaßnahme. "Leider stehen wir in den USA erst am Beginn der Wirtschaftskrise. Weil wir die meisten unserer Tickets im Frühjahr für den kommenden Winter absetzen, lässt sich das wahre Ausmaß für uns heute noch nicht einschätzen" , sagt der 49-Jährige.

Die NFL ist aufgrund langfristiger Fernsehverträge mit einem Jahreseinkommen von rund 6,5 Milliarden US-Dollar - 4,5 Milliarden davon gehen an die Spieler - einigermaßen abgesichert. Doch ähnlich wie im Fall der National Basketball Association (NBA) muss in diesem Jahr der Ausfall der Werbegelder des mit Abstand wichtigsten Partners kompensiert werden. Die Autoindustrie kämpft ums Überleben und kann sich ihr üppiges Engagement im US-Profisport nicht mehr länger leisten.

Während die NBA zunächst mit dem Abbau von 80 Stellen über die Runden kommen will, ist das Ausmaß der Entlassungen bei der Major League Baseball (MLB) und der Autorennserie Nascar noch ungewiss. Die mit einem wesentlich geringeren Finanzhaushalt operierende National Hockey League (NHL) verhängte einen Einstellungsstopp. Allerdings setzten bereits zwei Klubs der nordamerikanischen Eishockeyliga, die Florida Panthers und die Phoenix Coyotes, einige Mitarbeiter vor die Tür. "Schon in naher Zukunft werden wir die Krise spüren" , sagt NHL-Commissioner Gary Bettman.
Die Arena Football League (AFL) ist von der Krise jetzt schon überwältigt. Die Indoor-Liga, die ernsthaft über eine Expansion nach Europa nachgedacht hatte, sagte ihre gesamte Saison ab.

Nutznießer der Krise sind jene Sportarten, die relativ unabhängig von Sponsoren sind und ihre Tickets günstig abgeben. So verfolgten am 3. Jänner mehr als 18.000 Menschen in der HSBC Arena zu Buffalo, wo Thomas Vanek seine Tore für die Sabres zu erzielen pflegt, das Saison-Eröffnungsspiel der wie die NHL mit Teams aus den USA und Kanada operierenden National Lacrosse League.

Auch die 2003 gescheiterte und jetzt neu installierte Profiliga der Fußballerinnen ist gesichert. "Bei uns kann eine vierköpfige Familie die besten Spielerinnen der Welt für unter 100 Dollar sehen. Das dürfte in den USA ziemlich einmalig sein" , sagt Commissioner Tonya Antonucci. Tatsächlich wechselte die dreimalige brasilianische Weltfußballerin Marta erst vor wenigen Wochen vom schwedischen Meister Umea in die Women League zu Los Angeles Sol. Und Österreichs sechsmaliger Meister SV Neulengbach verlor seine brasilianische Starspielerin Rosana an New Jersey Sky Blue. (sid, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 28.1. 2009)

 

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    Larry Fitzgerald, Wide Receiver der Arizona Cardinals, ist von der Wirtschaftskrise wohl noch nicht bedroht - sicher aber von der Defense der Pittsburgh Steelers am Sonntag in der Super Bowl.

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