Bei FWF klafft Loch von 70 Millionen Euro

27. Jänner 2009, 16:36
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Kratky: "Ordinarium und Sondermittel müssen dramatisch steigen, um Bewilligungsniveau zu halten"

Wien - Angesichts der "unübersichtlichen Budgetlage" hat der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, die österreichische Wissenschafter-Gemeinschaft am Dienstag im FWF-Newsletter über die Hintergründe der "unbefriedigenden Situation" informiert. Demnach fallen von vier Budgetkomponenten des vergangenen Jahres heuer zwei ganz weg. Würden die anderen beiden Komponenten, das Budget-Ordinarium und die Sondermittel, gleichbleiben, "ergäbe das einen Fehlbetrag von ca. 70 Mio. Euro", so Kratky.

Der FWF sei derzeit von einem "Normalbetrieb meilenweit entfernt". Es sei zwar auch früher nicht unüblich gewesen, dass der Fonds zu Jahresbeginn noch kein verbindliches Budget hatte, "allerdings haben wir dieses Mal keine Anhaltspunkte - nicht einmal die Größenordnung des nächsten Budgets ist für uns abschätzbar", so Kratky. Deshalb habe der FWF erstmals in seiner Geschichte eine Vergabesitzung zur Gänze ausfallen lassen.

Exemplarisch erläutert der FWF-Chef das Budget des Fonds von 2008: Das von Infrastruktur- und Wissenschaftsministerium stammenden Budget-Ordinarium, also das im Bundeshaushalt festgeschriebene FWF-Budget, betrug zusammen 81,4 Mio. Euro, von der Nationalstiftung für Forschung kamen 24,9 Mio. Euro, es gab Forschungs-Sondermittel in Höhe von 27,6 Mio. Euro und die Erhöhung des Vorbelastungsrahmens brachte 45 Mio. Euro, macht in Summe also knapp 179 Mio. Euro.

Unklare Höhe der Sondermittel

In dieser Liste ist laut Kratky das Budget-Ordinarium "der einzige stabile und damit berechenbare Posten, er wird in diesem Jahr voraussichtlich nicht kleiner sein als im letzten Jahr". Von der Nationalstiftung hat der FWF bereits eine schriftliche Absage für 2009 erhalten und der Vorbelastungsrahmen sei "ausgeschöpft". Denn eine weitere Erhöhung würde bei gleichbleibendem Budget-Ordinarium unweigerlich zu massiven Liquiditätsproblemen führen. Weiterhin unklar sei die Höhe der Sondermittel, die Angaben für die Gesamtsumme im Bereich Forschung schwanken zwischen den von der alten Regierung versprochenen 2,3 Mrd. Euro und den 350 Mio. der neuen Regierung.

Aus dem vollständigen Wegfall von Nationalstiftung und Vorbelastungserhöhung errechnet der FWF bei gleichbleibendem Budget-Ordinarium und Sondermittel in gleicher Höhe die Finanzlücke von 70 Mio. Euro. "Ordinarium und/oder Sondermitteln müssen dramatisch steigen, damit wir in diesem Jahr nur das Bewilligungsniveau des Vorjahres halten können", so Kratky.

Der FWF-Chef plädiert an die Wissenschafter, sich "von dieser unübersichtlichen und unbefriedigenden Situation nicht beeindrucken zu lassen und weiterhin beim FWF Anträge zu stellen". Diese würden den Fonds in der Argumentation für die Notwendigkeit der kompetitiven Finanzierung von Forschungsvorhaben stärken.

Kratky bezeichnet die Lage als "unklar, aber keineswegs hoffnungslos". So gebe es auch "gute Neuigkeiten", etwa die "doch sehr passablen" Budgetzahlen für die Unis und die kürzlich beschlossene alleinige Zuständigkeit des Wissenschaftsministeriums für den FWF. (APA)

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