Substral gegen den Klimawandel

28. Jänner 2009, 19:47
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Wird das Meer natürlich gedüngt, wachsen Algen, die mehr CO2 aufnehmen können

London/Bremerhaven - Das deutsche Forschungsschiff Polarstern darf sein umstrittenes Experiment nun doch starten. Ab sofort wird seine Besatzung zwischen der Südspitze Südamerikas und der Antarktis eine Meeresregion von rund 20 km im Durchmesser mit Eisensulfat düngen - und beobachten, was passiert.

Dem deutsch-indischen Experiment namens Lohafex ("Loha" ist Hindi und bedeutet Eisen, fex steht für "fertilization experiment") war eine Kontroverse zwischen dem deutschen Wissenschaftsministerium und dem Umweltminister vorangegangen, wie der Standard ausführlich berichtete. Umweltschützer hatten die Sinnhaftigkeit der experimentellen Düngung infrage gestellt und befürchten eine Gefährung der betroffenen Meeresregion.

In den nächsten Wochen soll Lohafex jedenfalls neue Daten darüber liefern, ob Algen tatsächlich mehr CO2 aus der Luft aufnehmen und am Meeresgrund binden können, was den Treibhauseffekt verringern würde.

Dass man über die Folgen dieser möglichen Form des Geo-Engineering noch zu wenig weiß, legt nun - zeitlich ideal abgestimmt - eine neue Studie im britischen Wissenschaftsmagazin Nature (Bd. 457, S. 577) nahe. Eine Forschergruppe um Raymond Pollard vom britischen National Oceanography Centre in Southampton untersuchte nun eine jährlich wiederkehrende riesige Algenblüte, die rund um die Crozetinseln rund 2200 Kilometer südöstlich von der Südspitze Afrikas stattfindet.

Natürliches Düngeexperiment

Hervorgerufen wird der saisonal auftretende Algenteppich von der Größe Irlands durch natürliche Düngung mit Eisen, während das südliche Meer ansonsten eher arm an Eisen und Algen ist. Messungen haben nun ergeben, dass nördlich der Crozetinseln bis zu einer Meerestiefe von 100 Metern der Anteil organischen Materials um das Zwei- bis Dreifache verringert ist. Zugleich ist die Kohlenstoffeinlagerung am Meeresgrund um das Zwei- bis Dreifache erhöht.

Die Forscher weisen aber auch darauf hin, dass man für entsprechendes Geo-Engineering zu wenig wisse. So habe man bei einer anderen natürlichen Eisendüngung eine weitaus höhere Kohlenstoffbindung beobachtet, bei experimentellen künstlichen hingegen weitaus weniger - wohl weil viel Dünger einfach verschüttging. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 28.01.2009)

Link
+ LOHAFEX - Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Nachlese
+ Deutscher Eisbrecher auf Abwegen

  • Die Polarstern lässt ab sofort sechs Tonnen Eisensulfat im Südpolarmeer ab. Umweltschützer protestieren gegen das Experiment.
    foto: alfred-wegener-institut

    Die Polarstern lässt ab sofort sechs Tonnen Eisensulfat im Südpolarmeer ab. Umweltschützer protestieren gegen das Experiment.

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