"Im BZÖ wird Solidarität groß geschrieben"

27. Jänner 2009, 15:35
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Ewald Stadler findet das Klima im BZÖ "fair und entspannt" - Zur FPÖ gebe es einen "Niveau-Unterschied"

Ewald Stadler (BZÖ) will zu Themen, die das Kärntner BZÖ angehen (Der Kauf des Autowrack Haiders, die Witze Dörflers) keinen Kommentar abgeben: "Ich werde regionale Sachthemen sicher nicht kommentieren", sagte er im derStandard.at - Interview. Dafür sprach er mit Saskia Jungnikl über seine Vermutung, die FPÖ finanziere ihre Wahlkämpfe mit Hilfe der georgischen Mafia und über seine Anwaltslaufbahn, die noch warten muss.

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derStandard.at: Werden Sie bei der EU-Wahl BZÖ-Spitzenkandidat sein?

Stadler: Das ist noch nicht entschieden - und ich lasse es auch für mich offen. Es gilt abzuwägen, ob es andere günstige Konstellationen gibt. Die Frage ist ja, wie man die Wähler an die Urne bringt. Und da muss man gut überlegen, wer da geeignet wäre.

derStandard.at: Sie haben mal gesagt, bei der FPÖ geht die georgische Mafia ein und aus. Wie haben Sie das gemeint?

Stadler: Wie ich im Parlament bereits mehrfach angesprochen habe, geht es dabei um einen guten Bekannten des Abgeordneten Peter Fichtenbauer - und seinen ehemaliger Geschäftsfreund in der Trigon Bank, die 2001 in Konkurs ging. Dieser Levan Pirveli ist jemand, der in Georgien steckbrieflich gesucht wird und mit der dortigen Mafia in engem Kontakt steht.

derStandard.at: Können Sie das beweisen?

Stadler: Ja, das ist alles beweisbar. Und es stellt sich die Frage, woher die FPÖ auf einmal soviel Geld hat: Geld für bundesweite Kampagnen. Bei den Schulden der FPÖ können die Ausgaben der letzten Nationalratswahl nicht nur aus der öffentlichen Parteiförderung stammen.

derStandard.at: Der interimistische BZÖ-Chef Herbert Scheibner überlegt sich die Kandidatur zum Parteichef. Unterstützen Sie ihn dabei?

Stadler: Ja. Genauso, wie ich jeden anderen Kandidaten unterstützen werde: besonders wenn er aus der Landesgruppe Kärnten kommt. Hier im BZÖ wird Solidarität nämlich groß geschrieben. Es herrscht ein faires und entspanntes Klima, das ich zwar aus der FPÖ unter Jörg Haider kenne, nicht aber unter Heinz-Christian Strache. Da gibt es einen Niveau-Unterschied. Unter Haider gab es nicht diese paranoiden Seilschaften. Bei Strache muss die reine Wotan-Lehre vertreten und er angebetet werden.

derStandard.at: Was sagen Sie zu den Vorwürfen die Mitarbeiter Martin Grafs betreffen?

Stadler: Ich verstehe nicht, warum sich Graf für diese Mitarbeiter auf die Schienen legt. Ich hab ihn damals zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt und nicht seine späteren Mitarbeiter.

derStandard.at: Nach den vergangenen Nationalratswahlen wurde bekannt, dass auch Sie als Spitzenkandidat im Rennen waren - dann wurde es Jörg Haider. Würde Sie das jetzt reizen?

Stadler: Nein, das hat es schon damals nicht. Ich hab gesagt, findets jemanden, der wirklich zieht. Und in vielen Gesprächen haben wir Haider davon überzeugt, dass er das machen soll.

derStandard.at: Bedauern Sie es, die Anwaltskarriere vorerst auf Eis gelegt zu haben?

Stadler: Ja, das bedaure ich sehr. Ich bin mit einigen Kanzleien im Gespräch, die mich fragen: Was ist mit Ihrer EU-Kandidatur? Bis das nicht Anfang, Mitte Februar entschieden ist, wird meine Anwaltslaufbahn noch warten.

derStandard.at: In der FPÖ haben Sie sich immer stark für klerikale Themen eingesetzt - Wie sieht das jetzt aus?

Stadler: Genauso. Noch mit Haider habe ich vereinbart, dass ich in der Akademie einen eigenen Mitarbeiter zu diesem Thema kriege, was auch geschehen ist. Momentan beschäftige ich mich mit der Frage, ob der Kirchenbeitrag noch gerechtfertigt ist. Er ist schließlich zur Seelsorge da und nicht für Pfarrer, die sich als Schlepper betätigen, wie der Herr Friedl für die Familie Zogaj. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 27.1.2008)

Zur Person

Ewald Stadler ist stellvertretender Klubchef und Justizsprecher des BZÖ - und vielleicht Spitzenkandidat bei der EU-Wahl im Juni 2009.

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    "Unter Haider gab es nicht diese paranoiden Seilschaften. Bei Strache muss die reine Wotan-Lehre vertreten und er angebetet werden."

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