Österreich ruft nach Hilfe für die Banken im Osten

27. Jänner 2009, 15:28
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Auf europäischer Ebene will sich die Regierung für Unterstützung einsetzen und auf "Rettungs­schirme" in den Nachbarländern drängen

Wien - Das starke Engagement heimischer Banken in Osteuropa ruft jetzt die Regierung auf den Plan. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) kündigten am Dienstag nach dem Ministerrat eine "Stabilitätsoffensive für Osteuropa" an. Konkret sollen die betroffenen Länder dazu bewegt werden, nationale "Bankenschirme" nach dem Vorbild westeuropäischer Länder einzurichten. Pröll wird deshalb in den nächsten Tagen Gespräche mit den Finanzministern von Rumänien, Bulgarien und der Ukraine aufnehmen.

Gleichzeitig werde eine Allianz der Investorenländer - neben Österreich vor allem Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien - angestrebt, sagte Pröll. Faymann will das Thema am Mittwoch bei einem Treffen mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und am Donnerstag bei einem Besuch seines tschechischen Kollegen Mirek Topolanek, der aktuell EU-Ratsvorsitzender ist, ansprechen.

International koordinierte Hilfe

Darüber hinaus will die Regierungsspitze im Rahmen dieser Allianz internationale Unterstützung durch den Währungsfonds, die EU und andere Institutionen organisieren. Pröll: "Damit wollen wir die Stabilität des Wirtschaftskreislaufes garantieren. Durch die Stabilitätsoffensive helfen wir unseren Nachbarn, unseren Banken und den von Auslandsinvestitionen abhängigen Arbeitsplätzen."

Konkrete Beträge nannte die Regierungsspitze nicht. Zuvor hatten mehrere international tätige Bankinstitute - darunter Raiffeisen International, Erste Bank und die Bank-Austria-Mutter UniCredit - entsprechende Hilfsansuchen an die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission gerichtet.

100-Milliarden-Topf

Im Raiffeisen-Reich soll, wie berichtet, die Errichtung eines Bankenfonds konzipiert worden sein, der 100 Milliarden Euro schwer wäre. Wer dafür aufkommen soll, ist aber noch völlig unklar. Insgesamt haben die österreichischen Banken in der Region rund 230 Milliarden Euro an Krediten vergeben.

Zur Orientierung: Das entspricht 70 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes. Im Verhältnis zur eigenen Wirtschaftsleistung ist Österreich damit mit Abstand am stärksten in den osteuropäischen Märkten vertreten, was der Internationale Währungsfonds (IWF) zuletzt in einem Bericht als enormes Risiko eingestuft hat. Ein Rückzug der Banken hätte sowohl für Österreich als auch die Region fatale Konsequenzen, meinten die Experten des Fonds. Wörtlich ist von einem "Kreditschock" die Rede.

Das Problem sind vor allem die Devisenkredite, die sich für die Konsumenten und Unternehmen in der Region wegen des Währungsverfalls in mehreren Staaten verteuert haben. Es ist nun mit höheren Ausfallsraten bei den Krediten zu rechnen. Jetzt brechen auch die Immobilienmärkte weg, auf denen die heimischen Banken ebenfalls stark engagiert sind. "Ein Großteil der Projekte liegt derzeit auf Eis", heißt es in einer Analyse der CPB Immobilientreuhand. Die Neuvermietungen werden heuer um acht bis 15 Prozent zurückgehen, heißt es. Binnen weniger Monate habe sich die Marktlage grundlegend gewandelt, heißt es in der Analyse der CPB.

"Zusammenklappen des Systems verhindern"

Faymann betonte, dass Österreich in den letzten Jahren sehr stark vom Osteuropa-Engagement profitiert habe. Daher müsse man auch in Zeiten der Rezession die Initiative ergreifen. Laut Pröll geht es nicht nur darum, den Ost-Töchtern der österreichischen Banken zu helfen, sondern ein Zusammenklappen des gesamten Systems zu verhindern.

Angesichts der düsteren Aussichten wurde im Finanzministerium bereits letzte Woche mit Experten des IWF und der Osteuropabank über Finanzhilfen für die Region und Banken beraten. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 28.1.2009)

  • Werner Faymann (rechts) und Josef Pröll springen den heimischen
Banken zur Seite. Sie verhandeln mit Ost- und West-Regierungen über die
Hilfen für die kreditgebenden Institute.
    foto: christian fischer

    Werner Faymann (rechts) und Josef Pröll springen den heimischen Banken zur Seite. Sie verhandeln mit Ost- und West-Regierungen über die Hilfen für die kreditgebenden Institute.

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