Finanzkrise trifft auch American Express

27. Jänner 2009, 14:16
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Deutlicher Gewinneinbruch im vierten Quartal - Kartenkunden geben weniger aus - Höhere Ausfälle erwartet

New York - Die Finanzkrise erfasst auch die Kreditkartenunternehmen: Trotz seiner als wohlhabender eingeschätzten Klientel hat American Express im vierten Quartal einen drastischen Gewinneinbruch von 79 Prozent verbuchen müssen. Die Hauptgründe dafür sind die gesunkene Konsumneigung der Kunden sowie Restrukturierungskosten in dreistelliger Millionenhöhe, wie das Unternehmen am Montagabend in New York mitteilte.

Im laufenden Jahr erwartet American Express weiter sinkende Ausgaben der Verbraucher, zugleich aber zunehmend Fälle von Zahlungsunfähigkeit und Kreditverlusten. Ende 2008 sank der Gewinn des Unternehmens das fünfte Vierteljahr in Folge auf nunmehr 172 Mio. Dollar (132,4 Mio. Euro) nach 831 Mio. im Vorjahreszeitraum. Negativ schlugen unter anderem Kosten von 273 Mio. Dollar für den schon im Oktober angekündigten Abbau von 7.000 Arbeitsplätten zu Buche. Der Umsatz ging um 11 Prozent auf 6,51 Mrd. Dollar zurück.

Enttäuschung

"Wir sind ganz klar enttäuscht über das Ergebnis", sagte American-Express-Chef Kenneth Chenault. Allerdings stehe sein Unternehmen hinsichtlich der Ausgabenrückgänge bei den Kunden vergleichsweise besser da als die Konkurrenz. Anleger sahen es ähnlich: Die Aktie stieg im nachbörslichen Handel um 3,2 Prozent.

Unterschiedlich entwickelte sich das Geschäft von American Express nach Regionen betrachtet: In den USA sank der Gewinn um fast 43 Prozent auf 4 Mio. Dollar, der Umsatz ging um 13 Prozent zurück, die durchschnittliche Ausgabe je Kreditkarte sank ebenfalls um 13 Prozent. Dagegen sank der Gewinn aus dem Geschäft außerhalb der USA nur um 8 Prozent auf 36 Mio. Dollar; die durchschnittliche Ausgabe je Karte ging um 2 Prozent zurück.

Für das Gesamtjahr 2008 meldete American Express einen Umsatzanstieg um 3 Prozent auf 28,37 Mrd. Dollar. Der Gewinn allerdings sank um 34 Prozent auf 2,63 Mrd. Dollar.

American Express hatte sich Ende vergangenen Jahres im Schnellverfahren in eine Bank umgewandelt. Das ermöglicht dem Unternehmen, die in der Finanzkrise schwieriger gewordene Refinanzierung teilweise durch Einlagen von Kunden abzudecken. Zudem verschaffte die von der US-Zentralbank Fed ausdrücklich unter Notfallbedingungen genehmigte Umwandlung der neuen Bank Zugang zu Mitteln aus dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungsfonds der US-Regierung. Im Jänner stützte das US-Finanzministerium die Kreditkartenfirma durch Übernahme von Vorzugsaktien für 3,4 Mrd. Dollar. (APA/AP)

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