"Hauptschul-Abschluss reicht nicht mehr"

27. Jänner 2009, 12:20
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Ministerin Schmied betont Stellenwert von Bildung - Wifo-Chef Aiginger: "Investitionen in Bildung bringen zehnfachen Ertrag"

Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kämpft für mehr Investitionen in Bildung. Es gebe zwar keine Probleme bei ihren Budgetverhandlungen mit dem Finanzministerium, "weil diese noch gar nicht begonnen haben", sagte Schmied bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Dennoch wappnet sich die Ministerin mit Argumenten: Gemeinsam mit dem Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Karl Aiginger, präsentierte sie eine Studie über die Bedeutung der Bildung in der Wirtschaftskrise, weil man "den Stellenwert der Bildung nicht oft genug untermauern kann", so Schmied.

Bildung steigert Wirtschaftswachstum

Für Aiginger ist angesichts der Wirtschaftskrise "Gegensteuern mit aller Kraft" angesagt. Das bedeute aber nicht nur geldpolitisches Gegensteuern, sondern auch strategisches Handeln. "Wer sich in der Krise besser positioniert, kann auch danach seinen Weg erfolgreich fortsetzen", sagte der Wifo-Chef und plädierte für eine Hebung der Qualifikation auf allen Ebenen, vom Kindergarten bis zur Universität. Investitionen in Bildung bringen laut Aiginger einen "zehnfachen Ertrag": So erhöhe Bildung das individuelle Einkommen und reduziere die Arbeitslosigkeit, steigere das Wirtschaftswachstum, sei Voraussetzung für die Nutzung von Forschungsergebnissen, gleiche Einkommensunterschiede aus und verbessere die Integration.

Studienautorin Julia Bock-Schappelwein untermauerte dies mit Zahlen: So lag die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Pflichtschulabschluss 2008 bei durchschnittlich 14 Prozent, bei Hochschul-Absolventen bei 1,9 Prozent. Seit 1995 ist die Zahl der Beschäftigten mit Hochschul-Abschluss um rund 80 Prozent gestiegen, jene der Beschäftigten mit Pflichtschulabschluss um ein Fünftel gesunken. Wer nur einen Pflichtschulabschluss hat, verdient in Österreich um 34 Prozent weniger als Personen mit Sekundarabschluss (Matura, Lehre) und Uni-Absolventen verdienen um 57 Prozent mehr als Personen mit Sekundarabschluss.

Investitionen "helfen doppelt"

Für Schmied zeigt das deutlich: "Der Hauptschul-Abschluss reicht nicht mehr aus, um sein Leben bestreiten zu können." Sie appellierte daher an alle, auf "gute Bildung und Ausbildung der Jugend zu achten". Auch jede Bundesregierung, die an morgen denke, müsse heute in die Bildung investieren. Denn solche Investitionen "helfen doppelt": einerseits kurzfristig durch direkte konjunkturpolitische Effekte wie Arbeitsplätze für Lehrer oder in der Bauwirtschaft bei Investitionen in die Infrastruktur, andererseits durch langfristige strategische Effekte, die den Wohlstand eines Landes sichern, den Standort stärken und Teil der Innovationsstrategie sein müssten.

In diesem Sinne sieht Schmied auch die von der Regierung geplanten Infrastruktur-Investitionen im Bildungsbereich in Höhe von 1,7 Mrd. Euro bis zum Ende der Legislaturperiode, davon 600 Mio. Euro in den Jahren 2009 und 2010. Zusätzlich würden durch verschiedene bildungspolitische Maßnahmen jährlich zumindest 400 Mio. Euro zusätzlich in Bildung investiert. Schmied ist dabei "sehr zuversichtlich", dass trotz Wirtschaftskrise diese Projekte im Budget finanziert werden. (APA)

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