Leiharbeiterstiftung: Finanzierung offen

27. Jänner 2009, 11:52
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Arbeitskräfteüberlasser und Beschäftiger sollen mitzahlen - Im Dezember waren 32.700 Leiharbeiter arbeitslos

Graz - Leiharbeiter sind meist die ersten, die abgebaut werden, wenn ein Unternehmen Einsparungen vornehmen will. Sie werden zum Arbeitskräfteüberlasser, der sie vermittelt hat, zurückgeschickt. Hat dieser ebenfalls keinen neuen Job für sie, werden sie meistens gekündigt.

32.700 Leiharbeiter arbeitslos

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Leiharbeiter in Österreich stieg im vergangenen Dezember um fast 27 Prozent auf 32.700 Betroffene. Damit war rund die Hälfte aller Leiharbeiter von Arbeitslosigkeit betroffen.

Allein auf die Krise zurückzuführen seien rund 12.000 bis 15.000 Job suchende Leiharbeiter, so der Zuständige in der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), Thomas Grammelhofer.

Stiftungsmodell

Derzeit wird ein Stiftungsmodell für rund 2.000 Leiharbeiter berechnet, bestätigt Grammelhofer einen Bericht des "Kurier". Insgesamt würde die Stiftung 7 Mio. Euro kosten. Rund 3 Mio. Euro könnten vom Arbeitsmarktservice (AMS) sowie von Bund und Ländern kommen. Die verbleibenden 4 Mio. Euro sollten die Arbeitgeber zahlen. "Wir wollen, dass die Wirtschaftskammer (WKÖ) den Betrag vorstreckt und sich diesen dann von den Fachverbänden zurückholt", so Grammelhofer.

Die Leiharbeiter-Stiftung würde zu den größten Arbeitsstiftungen in Österreich zählen, die hierzulande eine lange Tradition haben. Mit Hilfe von Förderungen durch das betroffene Unternehmen, das AMS und die öffentliche Hand werden den von Kündigung betroffenen Beschäftigten Schulungen in Qualifizierungsprogrammen angeboten. Die Arbeitnehmer können drei beziehungsweise vier Jahre in der Stiftung bleiben.

Derzeit rund 170 Stiftungen

Das vom ehemaligen SP-Sozialminister Alfred Dallinger entworfene Modell sollte ursprünglich von Kündigungen bedrohten Mitarbeitern der Verstaatlichten Industrie durch Schulungen einen Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. Eine der größten Stiftungen war die anlässlich des österreichischen EU-Beitritts eingerichtete "Aufleb" für die Nahrungsmittelindustrie mit mehr als 7.000 Teilnehmern. Die Semperit-Stiftung war für rund 1.000 Teilnehmer ausgelegt.

Fertiges Konzept

Eine Stiftung für Leiharbeiter scheitere an einigen Verleih-Firmen, die nichts zur Finanzierung beitragen wollten, kritisierte der Präsident der steirischen Arbeiterkammer, Walter Rotschädl, am Dienstag. Mit Jahresende 2008 waren allein in der Steiermark 6.200 Leiharbeiter - von insgesamt rund 10.000 - arbeitslos gemeldet.

Das Konzept für eine bundesweite Stiftung sei fix und fertig, führte Rotschädl in einer Aussendung aus: "Alle anderen Player - Arbeitsmarktservice (AMS), Länder, Beschäftigerunternehmen - ziehen mit, nur die Verleiher zieren sich". Die Lage sei brisant: Der Anteil der in der Überlassungsbranche tätigen Dienstnehmer an der Gesamtarbeitslosigkeit habe sich in der Steiermark binnen Jahresfrist von 10 auf 14 Prozent erhöht.

Vor diesem Hintergrund fehle ihm jegliches Verständnis für die Hinhaltetaktik der Verleiher-Firmen, so der steirische AK-Präsident: "Die Leiharbeiterinnen und -arbeiter sind immer die ersten, die es in Krisen trifft. Darüber hinaus haben sie selten die Gelegenheit, sich zu qualifizieren."

Derzeit sitzen rund 6.000 Menschen in ca. 170 Arbeitsstiftungen. Größere Stiftungen gibt es derzeit unter anderem bei Magna Steyr in Graz und beim St. Pöltner Viskosegarnhersteller Glanzstoff, der Ende 2008 geschlossen wurde. Mit Jahresbeginn wurde eine Stiftung beim Strumpfhersteller Ergee in Schrems gestartet. (APA)

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