Humanitäre Katastrophe droht im Kampfgebiet

29. Jänner 2009, 09:52
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Regierung will "Auswirkungen auf Zivilbevölkerung" bei Offensive gegen Tamilen "geringhalten"

Colombo - Im Kampfgebiet im Nordosten Sri Lankas droht nach Angaben von Helfern eine humanitäre Katastrophe: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte am Mittwoch vor einer "furchtbaren humanitären Lage" mit zahlreichen Opfern. Nach IKRK-Angaben sind rund 250.000 wehrlose Zivilisten ohne Zufluchtsorte in einem etwa 250 Quadratkilometer großen Gebiet eingeschlossen, das von den Tamilen-Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kontrolliert wird und von der Armee eingekesselt worden ist.

Das IKRK appellierte an die Tamilen-Rebellen und an die Armee, den Zivilisten sicheren Abzug zu ermöglichen. Menschen gerieten dort ins Kreuzfeuer. Krankenhäuser sowie Krankenwagen seien beschossen und Helfer verletzt worden.

Die Regierung von Sri Lanka sagte zu, beim Vormarsch gegen die tamilischen Rebellen die Zivilbevölkerung nicht anzugreifen. Die Truppen würden die dort eingerichtete Sicherheitszone respektieren, "um die Auswirkungen des Konflikts auf die tamilische Zivilbevölkerung möglichst gering zu halten", sagte Präsident Mahinda Rajapaksa am Mittwoch nach einem Krisentreffen mit dem indischen Außenminister Pranab Mukherjee.

Der indische Chefdiplomat war am Dienstagabend nach Sri Lanka geeilt, nachdem sich die Hinweise auf den Tod zahlreicher Bewohner verdichtet hatten. "Wir sind besorgt über die Zivilbevölkerung", sagte Mukherjee vor Journalisten in der srilankischen Hauptstadt Colombo. Der Konflikt wird in Indien aufmerksam beobachtet, da vor allem im Süden des Landes rund 56 Millionen Tamilen leben.

In den vergangenen Tagen gab es wiederholt Berichte, wonach die Artillerie der Regierungstruppen die für die Zivilbevölkerung eingerichtete "Sicherheitszone" angegriffen hat. Dabei wurde offenbar eine unbekannte Zahl von Bewohnern getötet. UNO-Sprecher Gordon Weiss sagte, seine Mitarbeiter hätten "Dutzende von Toten und Verwundeten" in der "Sicherheitszone" gesehen. Die Armee wies das zurück und teilte mit, die LTTE feuere ihrerseits aus den "Sicherheitszonen" Granaten auf Stellungen der Soldaten ab. Der Leiter der Gesundheitsbehörde in der Region, Thurairajah Varatharajah, dementierte eigene Angaben, wonach bei den Kämpfen mehr als 300 Zivilpersonen getötet und über 1.000 weitere verletzt worden seien.

Die Armee spricht von der letzten Phase der Offensive gegen die Rebellen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Colombo setzten die Truppen ihren Vormarsch auf LTTE-Gebiet weiter fort und eroberten am Mittwoch nach schweren Gefechten eine wichtige Verbindungsstraße im Distrikt Mullaitivu. Zahlreiche Rebellen seien getötet worden, hieß es.

Die LTTE, die einst weite Teile des Nordens und Ostens Sri Lankas kontrollierte und seit 25 Jahren für einen unabhängigen Tamilen-Staat kämpft, hat nur noch ein kleines Gebiet im Distrikt Mullaitivu in ihrer Gewalt. Die Regierung Sri Lankas schätzt, dass sich noch etwa 150.000 Zivilisten in dem letzten von der LTTE kontrollierten Gebiet im Nordosten der Insel aufhalten und hat "Sicherheitszonen" im Rebellengebiet ausgewiesen. Zivilisten wurden aufgefordert, sich dorthin zu begeben.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom Mittwoch haben in diesen Zonen bisher 6.000 Zivilisten Zuflucht gesucht. Ministeriumssprecher Keheliya Rakbukwella sagte, die Rebellen hätten am Dienstag 300 Patienten die Verlegung in ein sicheres Gebiet verweigert. Colombo wirft den Rebellen vor, die Zivilisten am Abzug zu hindern und sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet berichtete dagegen, 300.000 Zivilisten im Rebellengebiet seien vom Hunger bedroht, weil die Regierung Helfern der Vereinten Nationen den Zugang verweigere. Viele Zivilisten würden lieber verhungern, als sich in die Hände der Armee zu begeben.   (APA/dpa/AP)

 

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    Ein verletztes Kind wird im Spital von Vavuniya versorgt.

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