Der Sparefroh kommt im Internet auf seine Kosten

27. Jänner 2009, 11:07
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In Krisenzeiten schauen die Menschen vermehrt auf ihr Geld im Börserl. Die neue Preissensibilität gehe mit Umweltdenken einher, glauben die großen Schnäppchenanbieter im Internet.

Wird Geiz wieder geil? Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die mit ihr einhergehende Rezession in ganz Europa (und den USA) hat die Welt seit Monaten fest im Griff. Immer mehr Menschen beginnen über ihre Ausgaben und Einsparmöglichkeiten intensiv nachzudenken. Im Internet finden sich zahlreiche Hilfestellungen und Tipps für Sparwillige.

Plattformen wie Geizhals.at, My Hammer.at oder Knauserer.at haben sich bereits Ende der 1990er-Jahre auf Spar-Ratschläge im Internet spezialisiert.

Gegen "Konsumterror"

Während sich Geizhals.at vor allem auf Preisvergleiche bei Computern, Software, Video, TV, Spielen konzentriert, bietet My Hammer.at besonders Häuselbauern und Handwerkern Hilfestellung für kostengünstige Arbeiten. Knau serer.at hingegen gibt auf seiner Homepage Sparanleitungen von A bis Z, die von der Herstellung eigener Cremes bis zu Heiz-, Koch- und Wasserspartipps reichen. Dabei wendet sich das Team von Knauserer gegen den "Konsumterror" überhaupt und plädiert für sparsameres Leben und Konsumreduktion, wie es in der Eigendefinition heißt. Im Vordergrund steht, die "ressourcenverschwendenden Gewohnheiten" der Konsumenten zu ändern. Die etwas unübersichtliche Homepage (geknausert bei der Erstellung?) gibt unter anderem Alltagstipps aller Art, die von Einsendern geliefert werden, weiter.

Roland Walli, Boss von My Hammer Österreich, sieht Wirtschaftskrise und Umdenken in Umweltfragen Hand in Hand gehen: "Umwelt- und Spargedanke befruchten sich gegenseitig. Wenn die Leute müssen, tun's sie auch. Es ist plötzlich schick, Energie zu sparen." Seine Plattform verzeichnet rund 70.000 Besucher im Monat.

Der Jänner ist traditionell der stärkste Monat. Das sei aber nicht unbedingt dem Spareffekt zuzuschreiben, sondern dem Jahresbeginn: "Die Leute haben generell den Vorsatz, jetzt Projekte anzugehen." Künftig will Walli zusätzlich auch verstärkt im Dienstleistungssektor auftreten und Nachhilfe, Babysitting, Partyservice, Reinigung anbieten. Finanziert wird My Hammer durch Händlerprovisionen, die je nach Auftragsgröße zwischen zwei und vier Prozent des Wertes betragen. Das Thema "Geiz ist geil" ist "abgedroschen", findet Walli: "Das große Thema ist die Umwelt. Da wird sich viel tun."

Bei Geizhals sieht man sich - vorläufig - als Gewinner der Krise: Von Dezember 2007 bis 2008 sind die Zugriffe um 23 Prozent von 1,8 Millionen auf 2,3 Mio. gestiegen. "Die Käufer sind von der Wirtschaftskrise verunsichert, das führt zu mehr Preissensibilität", sagt Unternehmenssprecherin Vera Pesata. "Das Sparthema ist in den Köpfen der Menschen verstärkt da, auch wenn sie die Krise noch gar nicht spüren." Geizhals finanziert sich über Clicks, die der Händler zahlt, und ein wenig Werbung. Für heuer hofft Pesata, wenn sie die Krise nicht umschiffen könne, so doch mit "einer leichten Delle davonzukommen." Schließlich sei ihre Branche eher auf Luxus-güter spezialisiert, "einen neuen Flachbildschirm braucht nicht jeder unbedingt".

Alles werde auch stark von der weiteren allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abhängen, so Pesata. "Wenn es so kommt, dass die Arbeitslosigkeit steigt oder jeder um seinen Job zittert, wird auch eine Branche wie unsere leiden." Bei den Knauserern gibt man sich derweilen pragmatisch. Der ultimative Spartipp lautet dort: "Kaufen Sie heute zur Abwechslung einmal nichts." (Barbara Forstner/ DER STANDARD Printausgabe, 27. Jänner 2009)

  • Schotten sollen das Sparen angeblich im Blut haben. Wer nicht zu ihnen gehört, hat im Internet eine Fundgrube an Spartipps.
    foto: istockphoto.com

    Schotten sollen das Sparen angeblich im Blut haben. Wer nicht zu ihnen gehört, hat im Internet eine Fundgrube an Spartipps.

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