Herumstochern erlaubt?

Regina Philipp
30. Jänner 2009, 09:45
  • Der Drang die Ohren vom Ohrenschmalz zu befreien ist groß
    foto: photodisc

    Der Drang die Ohren vom Ohrenschmalz zu befreien ist groß

Das Wattestäbchen ist ein beliebtes Hilfsmittel zum Entfernen von Ohrenschmalz

Eine häufige Diagnose in Hals-Nasen-Ohren-Ambulanzen: Cerumen obturans, auch Zeruminalpfropf genannt. Die Symptome der Patienten klingen beängstigend, verglichen mit dem was sich hinter dem plötzlichen einseitigen Hörverlust, mitunter von Schmerzen und Ohrgeräuschen begleitet, tatsächlich verbirgt. In der Regel genügt ein otoskopischer Blick in den äußeren Gehörgang und das Ohrenschmalz offenbart sich als Ursache dieser Schalleitungsstörung. Ein wächserner Pfropf versperrt Schallwellen den direkten Weg zum Trommelfell.

Reinigt und pflegt

Ohrenschmalz (Cerumen) ist ein Gemisch aus dem Sekret der Ceruminaldrüsen und dem Talg der Haarbalgdrüsen im äußeren Gehörgang. Dazu gesellen sich an der Hautoberfläche abgestorbene Hautschuppen, Haare und kleine Schmutzpartikel, deren Abtransport eine wichtige Funktion des braunen Cerumens ist. Das Reinigungsmittel ist zugleich natürliches Pflegemittel der Haut und besitzt außerdem antibakterielle Eigenschaften. Haben will es trotzdem keiner.

Herumstochern kontraproduktiv

Die US-Fachgesellschaft der Otolaryngologen beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Frage, warum viele Menschen so ein großes Bedürfnis besitzen ihre Ohren regelmäßig vom Ohrenschmalz zu befreien. Die Frage nach der Verwendung von Wattestäbchen liefert auch in Österreich meist schon die Antwort für die Verstopfung im Ohr. HNO-Ärzte raten generell vom Gebrauch dieser Reinigungsgeräte ab. Wer in den Ohren herumstochert, um sie zu reinigen, stopft das Ohrenschmalz nämlich nur weiter nach innen. Die Bildung eines abdichtenden Pfropfens wird damit beschleunigt, die Verletzungsgefahr im Ohr ist nebenbei relativ groß.

Allein in den USA werden jährlich ungefähr 8 Millionen Pfröpfe aus Ohren gezogen. Anlass genug um eine Leitlinie zu veröffentlichen, wie man das unliebsame Cerumen aus den Ohren auch richtig entfernt. (Otolayryngology - Head and Neck Surgery, 2008; 139:S1-S21 - Roland PS et al)

Finger weg von Selbsttherapie

Von einer Selbstbehandlung mit Präparaten, die der Aufweichung des akkumulierten Cerumens dienen oder dem manuellen Entfernen mit einer Pinzette, raten Experten jedenfalls ab. Gehörgang und Trommelfellverletzungen sind möglich und eventuell liegt auch eine andere Ursache hinter dem akuten Hörverlust. (phr, DerStandard.at, 30.1.2009)

 

 

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M.E. Unsinn....

denn ich verwendet seit Jahrzehnten Wattestaberln und höre immer noch. Wer das, was er (sie) herausbekommen möchte, hineinstopft, ist selber schuld. LANGSAM drehend tiefer schieben, sollte es wehtun, nicht tiefer schieben, dann das Ergebnis am Staberl begutachten (meist mit verzogenem Mund) - was soll daran gefährlich oder schädlich sein?

Ok...

...das war der widerlichste Bericht, den ich jemals gelesen habe.

Geduld,

warten Sie nur, bald kommt ein Artikel über Smegma bei Frauen und Männern.

Widerlich war ein Unfallbericht eines Bekannten, der für 1 Woche außer Gefecht und einige Monate später mit Hörgerät ausgestattet daherkam.
"Also wir hatten eine Party, ich hab also gesoffen"
"Im Bad hab ich mir dann aus Gewohnheit beim Hinausgehen ein Wattestäbchen geschnappt, um bisschen im Ohr zu pulen"
"kaum bin ich aus dem Bad raus, rempelt mich ein Besoffener an. Ich bin gegen den Türstock geknallt ... das Wattestäbchen mussten se dann raus operieren"

--> Angeblich auch nicht so selten: Leute, die deppert genug sind, sich mit einem Wattestäbchen das Trommelfell zu zerfetzen.

Gott erhalt's, unser Ohrenschmalz.

Ich erinnere mich an Ohrenspülungen mit lauwarmem Wasser aus einer großen Spritze gegen Schulfaulheit und Lernschwäche. Der Ohrentalg soll sogar psychedelische Eigenschaften haben. Angeblich ein alter Kartenspielertrick auf dem Balkan, Leuten herausgeproppte Gehörgangabsonderungen mit dem kleinen Finger in den Schnaps zu schnippen und auf diese Weise auf einen Tripp zu schicken.

Eine halbe Stunde schnorcheln im Meer tuts auch

staubsauger mit adapter und gummischlauch funktioniert prima

Terisch

Also auch der vielbeworbene Meerwasserspray soll nicht benutzt werden ? Als Hörgeräteträger ist es überhaupt unlustig.

Doch.
Der ist genau richtig.

ich beträufle das watte stäbchen zuvor mit (echten) schwedentropfen (nicht schwedenbitter). das löst alles auf und danach hört man wirklich besser, über 4 kHz.
und es reicht bei mir 2 - 3x pro jahr

Nicht stochern, drehen oder schieben

Einfach Nase und Mund zuhalten und dann kräftig pusten. Funzt natürlich auch nur dann, wenn das Ekelige noch relativ locker sitzt. :-)

noch besser, wenn du ein loch im trommelfell hast. ;-)

wie denn nun?

und wie macht man's denn nun richtig???

mit warmen seifenwasser ausspülen

Wenn man Ohrenschmalz mag, ja.

herumstochern erlaubt?

eine bueroklammer aufbiegen, ein ende zu einer art schlinge zusammendruecken, damit laesst sich die verunreinigung im ohr bestens "rausholen"

nein, nein. man borgt sich einen kleinen presslufthammer, an der spitze eine alte klobürste und nach ca. 5min. ist das ohr sauber. ehrlich.

und wenns nicht gleich funktioniert, einfach GANZ FEST hineindrücken, oder wie?

wenns nach dem Artikel geht, dann müsst man jede Woche zum Ohrenarzt oder man schaut aus wie Sau.

Abgesehen vom Optischen, tun ja Ohrhörer voll mit Cerumen keinen Piep bzw Rummms mehr ins Hirn abgeben.

ausserdem verwend ich seit über 20 jahren ohrenstaberl und hab noch nie eine ohrenentzündung gehabt in der zeit und auch noch nie einen "pfropfen" im ohr. ;) waschen soll helfen.

Aber tät' ich neben Ihnen stehen, dann müsst' ich jetzt schreien.

Oder? :)

Und

Inzersdorfer verarbeitets zu Ohrschmalzaufstrich ...

mit zwiebeln

eine feine sache.

Outing

Bin bekennender Stocherer. Ich vermute es macht süchtig, da bei Stochern und Drehen ein geiles Gefühl entsteht.

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