Ausstrahlung von Gaza-Spendenaufruf verweigert

26. Jänner 2009, 22:54
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BBC lehnte mit Verweis auf die Unabhängigkeit des Senders ab: Studentenprotest in Londoner Zentrale

London - Der öffentlich-rechtliche britische Rundfunk BBC gerät wegen seiner Weigerung, einen Spendenaufruf für notleidende Menschen in Gaza auszustrahlen, zunehmend unter Druck. Im Unterhaus in London stimmten am Montag 112 von 646 Abgeordneten parteiübergreifend gegen die Haltung des Senders und forderten, es den Zuschauern zu überlassen, zwischen Spendenaufruf und Propaganda zu unterscheiden. Am Abend stürmten etwa 15 Studenten in die Lobby der BBC-Zentrale in London, wurden kurz darauf aber von Polizisten hinausbegleitet. Der Sender ITV zeigte indessen den Spendenaufruf des Disasters Emergency Committee (DEC), eines Zusammenschlusses mehrerer großer Wohltätigkeitsorganisationen, darunter Oxfam und das britische Rote Kreuz. Die BBC lehnt dies mit Verweis auf die Unabhängigkeit des Senders ab.

Der Labour-Abgeordnete Richard Burden, der die Abstimmung ins Rollen gebracht hatte, warf der BBC vor, in diesem Fall andere Maßstäbe anzulegen als bei ähnlichen Aufrufen beispielsweise für traumatisierte Kinder im Kongo-Krieg und im Darfur-Konflikt. Vor dem BBC-Gebäude verbrannten Demonstranten ihre Fernseh-Empfangslizenz, aus deren jährlichen Einnahmen die BBC finanziert wird. Ebenso wie ITV zeigten Channel 4 und Five den dreiminütigen Spendenaufruf. "Die Kinder von Gaza leiden, viele ringen ums Überleben", heißt es darin zu Beginn. "Hier geht es nicht um das Richtige oder Falsche dieses Konflikts. Diese Menschen brauchen einfach Ihre Hilfe." Gezeigt werden daraufhin verwahrloste Kinder und zertrümmerte Gebäude.

Die BBC lehnte die Ausstrahlung mit Verweis auf ihre Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit ab. Der britische Gesundheitsminister Ben Bradshaw warf der BBC vor, sich von Israel einschüchtern zu lassen. Die BBC müsse Israel "bisweilen die Stirn bieten", sagte er. Kritik an der BBC-Entscheidung äußerte auch der anglikanische Erzbischof von York, John Sentamu. Es gehe nicht um Objektivität, sondern um Menschlichkeit: "Es handelt sich ja nicht um einen Aufruf der Hamas, die um Waffen bittet, sondern des DEC, das um Hilfe bittet. Indem die BBC die Bitte abgelehnt hat, bezog sie schon Stellung und gab ihre Objektivität auf." Der ehemalige Labour-Minister Tony Benn bezeichnete die Entscheidung als "Verrat" am öffentlichen Auftrag der BBC. (APA/dpa)

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