Fit für den Job mithilfe der Kunst

26. Jänner 2009, 20:22
posten

Das Vorarlberger Kunstprojekt "ARTquer" bereitet schwerbehinderte Jugendliche auf den Arbeitsmarkt vor

Feldkirch - "Ich bin Georg, Künstlername Wolf", stellt sich Georg vor. "Das ist der Florian, und um ihn nicht zu vergessen, dort draußen sitzt noch der Reini, der malt." Eine ausladende Handbewegung: "Das ist die Werkstatt, das Atelier, und die Erika, die kennt man." Genug der formvollendeten Höflichkeiten, Georg will keine Zeit verlieren, den Gästen von der Zeitung sein jüngstes Werk präsentieren, zeigen, wie er daran arbeitet.

Der "Vampirkrieger" nimmt einen Großteil des Werkstatt-Ateliers ein. Der junge Mann hämmert und sägt wie ein Profi, setzt den Bohrer an, zwickt Nägel zurecht, zögert, wird ein bisschen unwirsch: "Erika, geht nicht!!" Die Werkstattleiterin gibt Tipps, regt zum Nachdenken, Ausprobieren an. Die Lösung findet Georg selbst.

Wilde Wesen aus Georgs Fantasie nehmen in der Werkstatt Gestalt an, bekommen monströse Namen. Fürchten müsse sich niemand, versichert "Wolf", "sind nicht wirklich von Gefahr". Die wilden Kerle können Reinhard nicht aus der Ruhe bringen: Er malt penibel an seinen plakativ-bunten Engeln. Georgs Wunsch, bei der Lampen- und Möbeldesignerin Erika Lutz im Rahmen des Integrationsprojektes "Spagat" zu schnuppern, war der Beginn eines österreichweit einzigartigen Projektes. Mit "ARTquer" entstand ein neues Angebot für schwerbehinderte junge Menschen, die sich in den Arbeitsmarkt integrieren möchten.

Faktor Kreativität

Das Institut für Sozialdienste erweiterte das Arbeitsvermittlungs- und Begleitungsprojekt "Spagat" um den Faktor Kreativität. Spagat-Leiterin Birgit Werle: "Die Jugendlichen sind zwei Tage pro Woche im Atelier. Hier bekommen sie die Gelegenheit für arbeitsplatznahes Lernen." Dazu gehöre Teamfähigkeit, Vorbereitung auf den Umgang mit Materialien, selbstständiges Arbeiten. Werle: "Sie entdecken neue Fähigkeiten, erfahren aber auch ihre Grenzen."

Florian hat seinen Arbeitsplatz gefunden. "Ich arbeite jetzt in einer Schlosserei", erzählt der 20-Jährige strahlend. Damit dort das genaue Arbeiten leichter von der Hand geht, übt Erika Lutz mit ihm das Messen und Rechnen ganz nebenbei. Die gelernte Kindergartenpädagogin und Tischlerin hat für ihre Atelier-Mitarbeiter, was an vielen Arbeitsplätzen rar ist: Zeit und Geduld. Sie leitet an, gibt dem Arbeitstag Strukturen, lässt aber den nötigen Freiraum. "Hier können die Jugendlichen eine neue Welt kennenlernen, ihre Kreativität entdecken." Und: "Wer kreativ ist, findet auch am Arbeitsplatz kreative Möglichkeiten der Problemlösung."

ARTquer-Kurse dauern ein Jahr und werden als Qualifizierungsmaßnahme über die Behindertenhilfe des Landes finanziert. (Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 27.1.2009)

Share if you care.