Widersprüche um Unfall auf der A22

28. Jänner 2009, 10:53
  • Die Nebel rund um die Nachtübung des Bundesheeres haben sich noch nicht gelichtet - Zeugen gaben an, der Rauch sei zur A22 gezogen
    der standardb /robert newald

    Die Nebel rund um die Nachtübung des Bundesheeres haben sich noch nicht gelichtet - Zeugen gaben an, der Rauch sei zur A22 gezogen

Die Zündung der Nebelhandgranaten erfolgte in zu geringem Abstand zur Autobahn

Wien - Nach der Massenkarambolage auf der Donauuferautobahn (A22) bei Korneuburg, bei der vergangenen Donnerstagabend eine Frau in ihrem Auto verbrannte und sieben Menschen verletzt worden waren, gingen am Dienstag die Untersuchungen weiter.

Wie berichtet, ermittelt eine Untersuchungskommission des Bundesheeres, ob Nebelgranaten, die während einer Nachtübung rund 260 Meter von der A22 entfernt gezündet worden waren, mit schuld an dem Crash waren. Augenzeugen sowie Grundwehrdiener, die an der Übung teilgenommen hatten, berichteten, dass der Rauch direkt in Richtung A22 gezogen sei.

Ungereimtheiten

Die Zündung der Nebelhandgranaten erfolgte jedenfalls in einem zu geringen Abstand zur A22 - dies bestätigte Dienstagabend ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Nach Angaben der Kommission fand die Zündung in einem Abstand von rund 260 Metern statt. Nach der gültigen Benützungsordnung müsste aber eine Entfernung von 300 Metern eingehalten werden.

Bundesheeroffiziere sehen in der Darstellung des Unfalls auf der Autobahn nahe des kleinen militärischen Übungsplatzes Hofau mehrere Ungereimtheiten. So erklärte ein Truppenoffizier dem Standard, dass die bei der Übung eingesetzten Nebelgranaten nur kleinräumige Wirkung auf 50 bis 100 Meter entwickeln könnten - nicht aber auf 260 Meter. Dennoch wären sie nicht eingesetzt worden, wenn es Anzeichen gegeben hätte, dass der Wind in Richtung Autobahn weht. Dies sei nicht der Fall gewesen, wie auch der Flugwetterdienst bestätigt habe: Von dort seien Winde aus nordwestlicher Richtung gemeldet worden.

Ganz auszuschließen sei es aber nicht, dass der Wind lokal anders geströmt sei. Was die vom Standard befragten Offiziere ausschließen, ist ein Einsatz von wesentlich stärker wirkenden "Nebeltöpfen", die mehr künstlichen Rauch entwickeln. "Das ist ein anderes Kaliber"; aber diese Munitionsart sei am Donnerstag definitiv nicht verwendet worden.

Im Bundesheer ist man weiterhin der Ansicht, dass es keinerlei Fehlleistungen der beteiligten Soldaten gegeben hat. Allerdings wird eine Stellungnahme des zuständigen Kommandanten vermisst: Üblicherweise müsste dieser die bekannten Fakten erläutern und auf die Untersuchungen verweisen.

Die Rekruten - alle hatten tags zuvor einen Erste Hilfe-Kurs absolviert, weiters waren ein Krankepfleger und ein Heeressanitäter unter ihnen - hatten berichtet, dass ihnen verboten worden sei, Hilfe zu leisten. Nach dem Crash sei der Kommandant zur Unfallstelle gegangen, schildert Oberst Karl Kihszl. "Da bereits genügend Einsatzfahrzeuge eingetroffen waren, hat er entschieden, dass die Rekruten nicht benötigt würden."

Außerdem seien diese medizinisch nicht ausreichend ausgebildet. Dem widerspricht Anton Gaal, der Vorsitzende der Bundesheerbeschwerdekommission. "Man braucht sich nur die Straßenverkehrsordnung anzuschauen, und weiß, dass man zur Hilfeleistung verpflichtet ist." Im ORF kündigte er überdies Konsequenzen an, falls es ein Redevorbot für die jungen Soldaten gegeben haben sollte. Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) versicherte, dass die Zeugen unbesorgt aussagen könnten; es drohten keine Konsequenzen wegen unterlassener Hilfeleistung. "Wir wollen klar untersucht wissen, wer Schuld trägt, dann wird es Konsequenzen geben."

Vorläufig werde es aber keine Konsequenzen geben - was feinhörige Offiziere hellhörig werden lässt: Allein aus der Erklärung, dass derzeit niemand suspendiert werde, lasse sich schließen, dass nur noch auf belastendes Material gewartet werde, um diesen Schritt doch zu setzen. Bei der Frau, die in ihrem Auto verbrannte, dürfte es sich um eine 30-jährige Tschechin handeln.  (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.1.2009)

 

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260m vs. 110m

Ein fader Beigeschmack bleibt über. Am 28. Jänner wurde eine Entfernung von ca. 260m zur Autobahn veröffentlicht. Nach dem "Thema"-Bericht am 02. Februar veränderte sich der Abstand plötzlich auf ca. 110m. Man könnte jetzt in den Raum stellen, ohne den "Thema"-Bericht wäre die wahre Distanz verschleiert worden??!!?!????? Es ist nicht das erste Mal, dass "Thema" das beschämende Versagen von österreichischen Behörden aufdeckt. Paradebeispiel ist der Fall Raven Vollrath, bei dem erst nach intensiven ORF-Recherchen die Wahrheit ans Tageslich kam. Die Kripo Tirol wollte weismachen, dass das Opfer leicht bekleidet mit einer Matratze 2 km in den Wald marschiert ist und sich bei ca. minus 10° schlafen gelegt hat und erfroren ist. Ohne Worte!!!!!!!!

unterstehen angestellte des heeres - wenn sie im einsatz sind - dem österreichischen gesetz oder gibt es da auf gesetzlicher ebene eine trennung?

Wo ist die Staatsanwaltschaft???

Diese hat schon bei bloßem Verdacht der Unterlassenen Hilfeleistung von wem auch immer tätig zu werden! Wie kann Darabos eine Straffreiheit garantieren dazu hat er keine Befugnis da er nicht über dem Gesetz steht! Einflußnahme auf die Staatsanwaltschaft??
Das Bundesheer genießt keine Ausnahmen in Friedenszeiten vom Strafgesetzbuch!

Achso Bundesheermitglieder sind ja Ausgebildet um zu töten das hab ich jetzt ganz vergessen!

Das ist aber eher feige von den Heeresverantwortlichen, die Verantwortung so abzuschieben.

also: 250 m luftlinie, uneinsichtig, schallgeschützt. der kommandierende kriegt trotzdem mit, daß was los ist und geht hin. die rettung ist schon da. demnach muß schon ein bißchen zeit vergangen, denn auch die schnellste rettung braucht dann mindestens 5 minuten, behaupte ich mal. das hieße: er kriegt den unfall mit - dann war er aber ziemlich langsam in der reaktion, zögerlich. warum? oder er kriegt die rettungsaktion mit. warum verläßt er dann die truppe. um zu gaffen?

oder mulmiges gefühl und schlechtes gewissen?

Und wo ist

"Team Österreich" wenns gebraucht werden???

. Nach dem Crash sei der Kommandant zur Unfallstelle gegangen, schildert Oberst Karl Kihszl.

"Da bereits genügend Einsatzfahrzeuge eingetroffen waren, hat er entschieden, dass die Rekruten nicht benötigt würden."


Leute, lasst Euch nicht ver.. Hier wird eine neue Meyerling Saga erschaffen. "Nach dem Crash, nachdem er ein Pfeiferl rauchte, ging er zur Unfallstelle, und siehe-da -
ein Rot-Kreuz-Wagen war schon da.

Was sag ich, "genügend" Wagen waren schon da.
Und das alles bei 260 m Entfernung



Rotstricherl-verteilen-Einsatz

Anscheinend werden Soldaten zum Rotstricherl-verteilen unter berechtigte Postings eingeteilt :-)) .

Dabei sind sie ja im Unterschied zur Erste-Hilfe-Leistung nicht gefährdet ...

Warens schon einmal dort? Ich schon. Bin dort aufgewachsen

Die 260 m sind die Luftlinie zur Autobahn. Die Autobahn ist dort auf einer ungewöhnlich hohen Böschung und von hohen Schallschutzwänden gesäumt. Man sieht nicht, was auf der Autobahn vorgeht. Will man auf die Autobahn, dann muss man sich eine Fluchttür suchen oder den Umweg über eine nahe Tankstelle nehmen. Wenn sich dann vor Ort herausstellt, dass die Unfallstelle schon von Polizei abgesichert wird, dass es einen Toten und mehrere leichtverletzte gibt: Was soll ein Helfer dann dort tun, außer gemeinsam mit den Opfern auf die zivilen Rettungsfahrzeuge zu warten?

Eines wäre jedenfalls verkehrt gewesen: Die Rekruten in ihrem dunklen Tarngewand aufs Geratewohl ausschwärmen zu lassen auf die Autobahn. Da gäbe es jetzt ein paar Tote mehr.

..wenn es stimmt daß es 250 Meter waren.. eine übliche Nebelgranate ist auch auf diese Distanz nicht konsistent.
Doch ihre Ausführungen gehen in eine ganz andere Richtung, sie zeigen daß die Stelle uneinsichtig ist. Der Kommandant muß nichts sehen, wenn er einen Knall vernimmt. Die Rettung noch weniger, sie muß verständigt werden. Wenn nun also der Kommandant trotzdem 260 Meter Landlinie sich ergrimmt zu besteigen, hat er das getan, weil er von der Rettung angerufen wurde? Haben sie meinen Einwand nicht verstanden? Man hörte einen Knall, eine via Handy verständigte Rettung war zuerst da, trotz 260 m Luftlinie

Es heißt, dass zufällig auf der Gegenfahrbahn ein Rettungswagen vorbeikam

Der K adersoldat soll sich auch ins Auto gesetzt haben um rascher zur Unfallstelle zu gelangen.


Sicher, sicher, der Wind hat in die andere Richtung geweht, die Nebelgranaten können gar nicht soviel Rauch produzieren. Ist halt blöd dass es zeugen gibt die exakt das Gegenteil bezeugen können.

Keine Erste Hilfe weil bereits Einsatzkräfte da waren? Einsatzkräfte können gar nicht schneller als 260m entfernte Soldaten am Unfallort sein!

Zu wenig ausgebildet? Eine mangelhafte Erste Hilfe ist viel besser als gar keine.

Man k ann vom Übungsplatz aus die Autobahn nicht einsehen

Ist ein sehr hoher Autobahndamm dort. Teilweise auch eine Schallschutzwand. Niemand der unten in der Au steht kann sagen, was Nebel dort oben macht.

Alle Zeugen reden von schwarzen Qualmwolken

Aller miltärischer Nebel ist weiß. Sieht so aus, als hätte ein Auto gebrannt. Das brennt schwarz.

stimmt nicht. googeln sie mal nebelgranate, sie werden sehen: es gibt ein spektrum von farben. nur weiß ist schlichtweg unrichtig.

Ok, ich nehms teilweise zurück

Geben tut es Nebel in allen Farben. Bei Militärs ist zum einnebeln der weiße gebräuchlich. Das dürfte mit den Inhaltsstoffen zusammenhängen. Denn der muss ja auch elektronisches Durchdringen behindern.
Markierungsmittel gibt es in orange oder rosa. Mit denen kann man aber beim besten Willen nichts einnebeln. Die werden wo hingeworfen, damit ein anderer den eigenen Standort besser erkennt, oder um im Gefecht eine weithin sichtbare Nachricht zu vermitteln.

vertuschen, vertusch, vertu, ver, v.......

Hoffentlich diesmal nicht! Ich erinnere mich an ähnliche "Unfälle" bei Übungen, so z.B. dass einen 18-jährigen Rekruten, der in einem Auto wartete, das Rohr von einem Panzer getötet hat, das durch die Windschutzscheibe kam. Bei der allgemeinen Wurschtigkeit, der Fahrlässigkeit und der eingeredeten Überlegenheit müssen solche Unfälle ja auch passieren. Nur will dann im nachhinein niemand daran Schuld sein.

Ich weiß aus eigener Anschauung wie todernst die Sicherheitsbestimmungen beim Heer genommen werden. Es wird einzelne Ausreißer geben, aber im Großen und Ganzen funktioniert das

Vor allem die Selbstreinigung funktioniert dort sehr gut. Es will halt keiner in der Zeitung stehen.
Mir ist als Kommandant selber einmal etwas passiert, wozu ich Lapsus sage, was andere aber in die Nähe eines Verbrechens rücken. Ich habe im Sommer einen Marsch befohlen, der bei milden Temperaturen begann. Im Laufe des Tages erhöhte sich die Temperatur auf über 30 Grad. Ich ging selbst vorne und empfand das nicht als gar so arg. Es war ja für ausgiebig Wasser gesorgt. Aber es war verboten, weil ab 30 Grad die Ausbildung abzubrechen ist (oder waren es 31, ich weiß es nicht mehr). Der mir vorgesetzte Offizier war wachsam und hat das Unternehmen abgebrochen und alle per MTW (LKW) in die Kaserne bringen lassen.

Die Sicherheitsbestimmungen beim Heer sind so überzogen,

dass einem oft das Lachen kommt. Unfälle sind im Vergleich zu anderen Armeen äußerst selten. Von Vertuschen kann insofern selten die rede sein, weil es in Österreich ja etwas Besonderes gibt: Die Außerordentliche Beschwerde. Jeder Soldat - vom Rekruten bis zum General (ja, auch die nützen das) - kann sich bei einer parlamentarischen Kommission beschweren und kann alle seine Vorgesetzten umgehen. Das ist weltweit einmalig. In dieser parlamentarischen Kommission sitzen kaum Soldaten.

http://noe.orf.at/stories/338329/

Keine unterlassene Hilfeleistung
Der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung hingegen scheint sich zu relativieren. Nach bisherigem Ermittlungsstand, sagte Köhl, sei ein Soldat zur Autobahn gefahren und habe dort bereits Einsatzkräfte gesehen.

Außerdem wäre das Eingreifen der Rekruten bei Dunkelheit ohne Warnwesten fahrlässig gewesen, so Köhl.

tatsache ist, dass die beiden ärzte hilfreich hätten sein können - ein blick auf die (seltsamerweise schlagartig) eingetroffen einsatzkräfte ist zu wenig.

warnwesten wären nicht erforderlich gewesen, weil die unfallstelle schon in den ersten minuten durch nachkommende autos abgesichert wurde. direkt an der unfallstelle fuhren also keine autos mehr!

Was sollen Ärzte machen bei einem Toten und mehreren Leichtverletzten

Händchenhalten?

Es ist eine gute Einrichtung beim Militär, dass zuerst einmal einer rasch die Lage sondiert und danach entscheidet, was zu tun ist. Und nicht die Opferzahl dadurch erhöht wird, dass in wildem Hurra der Ort des Ereignisses "gestürmt" wird.

Na wenn sie dabei waren, haben sie wenigstens Erste hilfe geleistet?

Stand das in der Österreich mit den Ärzten?

Für mich ist ein Medizinstudent noch kein Arzt.

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