Lücken am Fluss

26. Jänner 2009, 19:15
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Eine ganze Reihe von Stadtplanern zerbricht sich derzeit den Kopf darüber, wie das Donaukanalufer verschönert werden könnte - Das Know-how junger Architekten ist dabei höchstens am Rande gefragt

Der Weg am Donaukanalufer soll in den nächsten Jahren durchlässiger werden - so steht's jedenfalls in der Hochglanzbroschüre "Zukunft Donaukanal". Die problemlose Erreichbarkeit für Fußgänger, Radfahrer, ältere Menschen und Behinderte müsse laufend optimiert werden, heißt es im von der Stadt Wien herausgegeben Heft. "Wir haben das wirklich ernst genommen", sagt Architekt Alexander Hagner vom Büro Gaupenraub. Inzwischen bezweifelt Hagner allerdings, dass die Stadtregierung sämtlichen Wienern den Kanal auf schnellstem Wege näher bringen will.

Vor gut drei Jahren wandte sich der Jung-Architekt erstmals mit der Idee an die Stadt, den Uferweg bei der Urania mit dem Herrmannpark mittels Schwimmbrücke zu verbinden. "Die Idee kam ganz gut an und man bat uns, konkreter zu werden", sagt Hagner. Aus dem Vorschlag wurde eine ausgereifte Studie für eine Brücke namens "missing link", die Hagner der Abteilung Donaukanalkoordination (MA 28) vorstellte.

"Die kam auch im Büro des Planungsstadtrats sehr gut an, danach hörten wir aber nichts mehr", so Hagner. Bis im Herbst 2008 dann plötzlich ein Anruf von der MA 29 (Brückenbau) kam. "Man bot uns an, uns die Studie abzukaufen", sagt Hagner, "was wir sehr begrüßten, weil wir hofften, dass dann vielleicht doch noch was aus dem Projekt wird."

Zwei Tage, nachdem die Mitarbeiter der MA 29 das Modell der Schwimmbrücke in Hagners Büro abholten, fand der Architekt dann plötzlich ein Bild seines Modells in der Krone wieder - plus einem Artikel über die "Naturfreunde-Brücke".

Sponsor gesucht

"Dass wir mit keinem Wort erwähnt wurden, hat uns schon sehr geärgert", sagt Hagner. Die Wiener Naturfreunde - Vorsitzender des Vereins ist übrigens Stadtrat Rudolf Schicker - sammeln bis heute auf ihrer Homepage Unterschriften für eine Brücke bei der Wienflussmündung und verwenden zur Illustration ein Foto des Gaupenraub-Modells.

"Es geht mir nicht darum, wer diese Brücke schlussendlich baut", sagt Hagner, "sondern vielmehr darum, dass ich nicht verstehe, warum sich nicht alle, die sich ein solches Projekt wünschen, auf ein Packel hauen." Nachdem man sich bei Gaupenraub nun jahrelang mit dem Donaukanal beschäftigt habe, sei nicht nachvollziehbar, warum die Stadt Wien nicht weiter auf dieses Know-how zurückgreife.

Laut Donaukanal-Koordinator Bernhard Engleder soll demnächst untersucht werden, wie die Stelle am besten überbrückt werden könnte. "Das Projekt von Gaupenraub ist laut Brückenabteilung so nicht realisierbar." Eine Klappbrücke sei bei Hochwasser sicherer als eine Schwimmbrücke. Architekt Alexander Hagner bezweifelt das - und will weiterhin für sein "missing link" kämpfen. Derzeit sucht er nach einem möglichen Sponsor für das Ein-Millionen-Projekt.

Bei der Donaukanalkoordination überlegt man derweil weiter, ob man einen Wettbewerb ausschreibt oder ausgewählte Büros um ihre Vorschläge bittet. 2012 - dann werden die beiden unterirdischen Abwasserkanäle bei der Urania verbunden, und die Herrmannbar muss deshalb möglicherweise umsiedeln - sollen jedenfalls konkrete Pläne vorliegen. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 27.1.2009)

  • "missing link" von Gaupenraub: Die Stadt Wien kaufte dem Architekturbüro seinen Entwurf für eine Kanalüberbrückung zwischen Urania und Herrmann-park ab. Danach verschwand das Papier allerdings in der Schublade.
    foto: gaupenraub

    "missing link" von Gaupenraub: Die Stadt Wien kaufte dem Architekturbüro seinen Entwurf für eine Kanalüberbrückung zwischen Urania und Herrmann-park ab. Danach verschwand das Papier allerdings in der Schublade.

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