Beliebtheit liegt (auch) in den Genen

26. Jänner 2009, 23:00
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Sozialwissenschafter wollen herausgefunden haben, dass auch unsere Stellung in sozialen Netzwerken erblich mitbedingt ist

Cambridge/Washington - Sind Sie bei Partys der beliebte Mittelpunkt des Geschehens, stets von Freunden dicht umringt? Oder stehen Sie eher einsam am Rande des Geschehens? Und wie ist das mit Ihren Freundschaften bei Facebook - im Vergleich zu Ihren Freunden?

Ab sofort gibt es eine wissenschaftlich halbwegs gut abgesicherte Ausrede oder Erklärung dafür, wo auch immer Sie in sozialen Netzwerken stehen - eher im Zentrum oder abseits davon - und wie (un)beliebt Sie sind: Es dürfte auch an Ihren Genen liegen, wie ein US-Forscherteam nun herausgefunden hat.

Soziologie der Erbsubstanz

Dass unsere Gene alles Mögliche unserer Existenzen - von der Intelligenz bis zur Persönlichkeit - mitbestimmen, weiß man aus zahlreichen Untersuchungen bei Tier und Mensch. Die neue Studie von Nicholas Christakis, Soziologie-Professor an der Harvard University, und seiner Kollegen James Fowler und Christopher Dawes von der kalifornischen Universität San Diego geht noch einen Schritt weiter.

Die drei Sozialwissenschafter behaupten nämlich, dass auch unsere Stellung in sozialen Netzwerken und damit auch unsere Beliebtheit bei unseren Mitmenschen zu einem guten Teil von unserer Erbsubstanz mitbestimmt ist.

Wie bei Untersuchungen über den erblichen Einfluss so üblich, haben die drei Forscher eineiige und zweieiige Zwillinge verglichen, diesmal im Hinblick auf ihre jeweiligen sozialen Netzwerke. Dabei wurde nicht nur die Anzahl der Freunde herangezogen, sondern insbesondere auch Informationen darüber, ob sie selbst als Freunde bezeichnet wurden (Indikator für Beliebtheit) und ob ihre Freunde wiederum untereinander befreundet sind (Indikator für zentrale Stellung im Netzwerk).

Bei der Auswertung der Freundschaftsdaten von insgesamt 1100 jugendlichen Zwillingen zeigte sich, dass die Netzwerke der genetisch identischen Jugendlichen weitaus ähnlicher waren. Das wiederum verweist auf den Einfluss der Gene, zumindest bei der Beliebtheit und der Stellung im Netzwerk, wie die Forscher in der neuen Ausgabe des Fachblatts PNAS (online vorab) schreiben. Die Anzahl der Freunde hingegen erwies sich als erblich unbeeinflusst.

"Soziale Netzwerke sind anscheinend ein wichtiger Teil unseres genetischen Erbes", resümiert Koautor James Fowler und stellt auch gleich noch eine Verbindung zu Gesundheitsfragen her: Da auch Krankheitsüberträger sich in sozialen Netzwerken ausbreiten und unsere Resistenz dagegen auch von unseren Genen abhängt, werde man womöglich auf weitere interessante Zusammenhänge stoßen. (Klaus Taschwer/STANDARD,Printausgabe, 27.1.2009)

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    US-Zwillingsstudie legt nahe: Ob wir im Zentrum oder am Rande sozialer Netzwerke stehen, hängt auch von der Erbsubstanz ab.

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