Der Retter des gordischen Balls

26. Jänner 2009, 18:48
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Die Pattstellung im Kampf Raiff­eisen gegen Raiffeisen um einen neuen ÖFB-Präsidenten könnte sich demnächst dank Gerhard Skoff in Wohlgefallen auflösen

Wien - Im Stimmengewirr unterm Giebelkreuz um einen am 28. Februar in der außerordentlichen ÖFB-Hauptversammlung zu wählenden Präsidenten hat sich Gerhard Skoff zu Wort gemeldet. Da er von 1996 bis 1999 Präsident der Bundesliga war und seit 31. Dezember pensionierter Direktor der Casinos Austria ist, weiß er als Funktionär und Sponsorvertreter, wovon er redet.

Die Unfähigkeit der ÖFB-Funktionäre ist, auch wenn sie nie unterschätzt werden darf, bisher nicht der Grund, warum noch kein Kandidat für den Präsidenten steht (am 2. Februar soll er stehen). Das Match des oberösterreichischen Landesverbandschefs Leo Windtner und des Ex-Rapidlers Günter Kaltenbrunner ging im Wahlausschuss am 21. Jänner offenbar 5:5 aus. Für den von Raiffeisen Oberösterreich favorisierten Windtner stimmten dem Hörensagen nach Oberösterreich, Niederösterreich (!!), Tirol, Vorarlberg und die Bundesliga. Der von Raiffeisen Niederösterreich-Wien bevorzugte Kaltenbrunner (er durfte erstmals mit Christian Konrad Sauschädel essen) fand die Zustimmung von Wien, Burgenland, Kärnten, Salzburg und der Steiermark.

Ein Rätsel

Die ÖFB-Wahlmänner wollen verständlicherweise weder dem mächtigen Banker Ludwig Scharinger (Raiffeisen OÖ) noch dem großen Christian Konrad (Raiffeisen NÖ-W) eine Niederlage zumuten. Falls das Abstimmungsergebnis korrekt kolportiert wurde, nimmt das Land NÖ wunder. Der dortige Verbandspräsident Johann Gartner soll nämlich ein politisch strebsamer Mann sein. Für eine einschlägige Karriere aber ist er auf das Wohlwollen Erwin Prölls angewiesen. Warum er dann für Windtner und nicht für Prölls und Konrads Kind Kaltenbrunner stimmte? Da die derzeitige Lage einem gordischen Ball gleicht, muss sie wohl per Volley geklärt werden: Ein neuer Kandidat muss her.

Skoff arbeitete als Präsident der Bundesliga. Kurz vor dem 14. Februar 1999 zog er seine Kandidatur zur Wiederwahl zurück. Dank besonderer Umstände. Der Autoteilebauer Frank Stronach wachelte nämlich mit Schecks für (eigentlich unverkäufliche) TV-Lizenzen vor den Augen der chronisch klammen Klubchefs. Prompt wurde Stronach gewählt. Skoff, der unter anderem die Nachwuchs-Akademien und Training für Schiris eingeführt hatte, zog sich zurück.

Stronach regierte als Mäzen der Wiener Austria und Präse der Bundesliga rund sieben finanziell fette und erfolgsmäßig magere Jahre lang. Skoff (67) beendete mit 31. Dezember eine viele Jahre dauernde Arbeit als Direktor bei den Casinos Austria. Ihm haftet der Stallgeruch des Giebelkreuz-Ordens an, ohne noch (wie der ÖFB-Flüchtling Friedrich Stickler) von ihm abhängig zu sein. Er kennt den Fußball, die Sportpolitik und das Geschäft mit Sponsoren. Angesichts der Wirtschaftskrise (sogar die Beach-Volleyballer vom Wörthersee suchen Sponsoren) ein ÖFB-Strohhalm.

Und vielleicht rettet er ja auch den ÖFB vor der Peinlichkeit, zu eventuellen Avancen von Wolfgang Schüssel Ja oder Nein zu sagen. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.1. 2009)

 

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    Wird Gerhard Skoff der neue ÖFB-Chef?

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