Konjunktur als Männersache

26. Jänner 2009, 18:46
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Nicht alle Wirtschaftspakete fördern auch gezielt Frauen

Bregenz/Klagenfurt/Linz - Hunderte Millionen werden von den Bundesländern aufgestellt, um angesichts der Wirtschaftskrise gegenzusteuern. Doch nicht alle Maßnahmenpakete beinhalten auch frauenspezifische Angebote.

In Oberösterreich etwa wurden im Konjunkturpaket 350 Millionen Euro von den vier Landtagsparteien beschlossen. Maßnahmen gegen die steigende Frauenarbeitslosigkeit sind darin nicht enthalten. Es sollen "3500 Arbeitsplätze sowie Klein- und Mittelbetriebe gesichert werden", erklärte Landeshauptmann Josef Pühringer (VP). Eigene Frauenförderpläne hält auch der Regierungspartner, die Grünen, in dem Konjunktur-Paket für nicht notwendig. Man habe sich auf die Brennpunkte wie etwa Autozulieferer oder Metallgewerbe konzentriert, heißt es bei den Grünen. Männerdominierte Branchen, die akut von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen seien, wie Josef Moser, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik in der Arbeiterkammer Oberösterreich, ergänzt.

Die Argumentation, deshalb keine frauenspezifischen Maßnahmen ins Landes-Konjunkturpaket geschnürt zu haben, kann er aber nicht gelten lassen. Denn: Im Dezember 2007 betrug die Arbeitslosenquote bei Männern in Oberösterreich 6,1 Prozent, ein Jahr später 18,2 Prozent. Bei den Frauen stieg sie von 5,4 auf 10,3 Prozent. "Damit liegt die Frauenarbeitslosenquote in Oberösterreich deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 8,2 Prozent", sagt Moser.

Vorarlberg

Anders die Situation in Vorarlberg: Dort wurden vom Arbeitsmarktservice (AMS) Pilotprojekte etabliert, das Budget für bewährte Angebote erweitert. Auf frauenspezifische Maßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS) Vorarlberg wirke sich das Konjunkturpaket positiv aus, sagt Vize-AMS-Geschäftsführer Kurt Sageder. Zur Entlastung der Haushalte und Belebung der Wirtschaft wurden in Vorarlberg 60 Millionen Euro bereitgestellt, für das Jugendbeschäftigungsprogramm zehn Millionen.

Beim AMS wird vor allem die Höherqualifizierung von Frauen für "traditionelle Männerberufe" forciert. Das Bildungsangebot durch FiT (Frauen in Technik und Handwerk) etwa basiert auf individueller Karriereplanung. Ausgeweitet wurde auch das Angebot für Wiedereinsteigerinnen. "Auch hier gehen wir weg von Allerweltskursen hin zu speziellen Bildungsangeboten", erläutert Sageder. Gezielte Förderung bekommen junge Frauen mit Migrationshintergrund, die durch konservative Eltern auf ihrem Bildungsweg blockiert werden.

In Kärnten hat man ebenfalls ein umfangreiches Konjunkturpaket geschnürt. 150 Mio. Euro stehen in einem Konjunkturfonds für die Kärntner Wirtschaft zur Verfügung. Für Frauen gibt es spezielle Weiterqualifizierungsprogramme, da diese sehr stark am Kärntner Produktionssektor vertreten seien, sagt Finanzlandesrat Harald Dobernig (BZÖ). Weil in Kärnten Wahlkampf herrscht, können sich derzeit vor allem Kärntner Mütter freuen. Es gibt Mütter-, Kinder- und Schulstartgeld, Gratiskindergarten und aktuell winkt als ÖVP-Wahlversprechen auch ein "Frauen-Tausender". (jub, ker, stein, DER STANDARD, Print, 27.1.2009)

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