Duell mit einem lebensmüden Vater

26. Jänner 2009, 18:22
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Joshua Sobols neues Stück "Libera Me" im Theater Drachengasse

"Es ist Nacht. Der Vollmond wirft sein fahles Licht auf einen weißen Sandweg inmitten von Orangenhainen. (...) Die Nacht ist lebendig und geschäftig, die Luft geladen mit Geräuschen von Insekten und Nachtvögeln." - Es knistert in den Regieanweisung von Joshua Sobols neuem Stück "Libera Me".

Der Klang ist ein wesentlich bestimmendes Element in der berührenden Vater-Sohn-Geschichte des israelischen Autors, der ein weiteres Mal mit Regisseur Günther Treptow eine deutschsprachige Erstaufführung an das Theater Drachengasse bringt. Geräusche, vor allem aber Tierlaute markieren die auf unbestimmte Weise bedrohliche Umgebung: Ein Schakal heult ("Sein Gejammer ergießt sich"), eine Eule "zerschneidet" die Nacht, ein Esel "schreit", Fledermäuse flattern. Die Produktion, die noch bis 21. Februar zu sehen ist, legt weniger Wert auf diese "Tonspur", sondern auf das körperbetonte Gesprächsduell der beiden Darsteller: Hermann Schmid als lebensmüder Papa und Anselm Lipgens als sein kämpferischer Sohn. Je deutlicher die Suizidabsicht des von einer tiefen Depression gezeichneten Witwers wird, umso entschlossener macht sich der Sohn an die Lebensrettung.

Die zuweilen emotional-energische Spielweise wirkt auf dem dafür vorgesehenen kleinen Plätzchen vor sandheller Kulisse eingeengt. Dafür aber schuf Nikolaus Granbacher einen zum Krankenbett kippbaren Wüstenfelsen! (afze, DER STANDARD/Printausgabe, 27.01.2009)

 

>> Theater Drachengasse, 1010 Wien. 20.00

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