Dow Chemical verschiebt Kauf von Rohm & Haas

26. Jänner 2009, 17:37
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Milliardenschwere Finanzspritze aus Kuwait blieb aus

Philadelphia  - Der US-Chemiekonzern Dow Chemical hat die milliardenschwere Übernahme seines Konkurrenten Rohm & Haas auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Gründe gab das Unternehmen am Montag die Wirtschaftskrise sowie das Platzen einer milliardenschweren Finanzspritze aus Kuwait an. Ursprünglich sollte das Geschäft im Wert von rund 15 Mrd. Dollar (11,55 Mrd. Euro) an diesem Dienstag abgeschlossen werden. Dow Chemical betonte, weiterhin an Rohm & Haas interessiert zu sein.

Der Konzernumbau bei Dow hatte im Dezember 2008 einen schweren Rückschlag erlitten, als Kuwait sein geplantes Engagement an einem Gemeinschaftsunternehmen wegen der Finanzkrise absagte. Der Ölstaat wollte ursprünglich in das Gemeinschaftsunternehmen rund 7,5 Mrd. Dollar stecken. Mit diesem Geld wollte Dow einen Teil der Übernahme von Rohm & Haas finanzieren. Dow Chemical hatte sich in dem Übernahmepoker gegen BASF durchgesetzt. Die Deutschen wollten die neuesten Vorgänge am Montag nicht kommentieren.

Verstoß gegen Fusionsabkommen

Der Chemieriese verstößt damit gegen das Fusionsabkommen und löste am Montag an den Börsen Spekulationen über ein mögliches Scheitern des Kaufs aus. Wie Dow Chemical mitteilte, ist der Konzern weiterhin an Gesprächen über Möglichkeiten zum Abschluss der rund 15 Mrd. Dollar schweren Übernahme interessiert. Die derzeitigen Ereignisse machten dies aber gegenwärtig unmöglich. Bei einem Verstreichen der Frist droht Dow Chemical eine Strafe von rund 100 Mio. Dollar jeden Monat.

Rohm & Haas teilte mit, weiterhin alle verfügbaren Alternativen zu verfolgen, um die Interessen der Aktionäre zu schützen. Das Unternehmen kündigte zudem eine Klage gegen Dow Chemical wegen Vertragsbruch an. Die Aktien der Firma brachen an der Wall Street um 16 Prozent ein, während die Dividendenpapiere von Dow Chemical um 3,3 Prozent zulegten.

Die Übernahme ist nach dem Platzen eines Gemeinschafts-Unternehmens von Dow Chemical mit Kuwait ins Wanken geraten. Mit den Einnahmen aus dem Geschäft wollte der Konzern eigentlich einen Großteil der Fusion finanzieren. Die EU-Kommission und die US-Kartellbehörden haben bereits grünes Licht für die Transaktion gegeben. Dow Chemical hat für den Konkurrenten 78 Dollar je Aktie geboten. Angesichts der fallenden Börsenkurse hielten allerdings Spekulationen an, dass der Preis neu verhandelt werden könnte. (APA/dpa/Reuters)

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