Aufregung um Gratiszigaretten

27. Jänner 2009, 12:24
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Initiative "Rauchfrei Studieren" kritisiert, dass Gastredner von Austria Tabak Zigaretten als Anschauungsmaterial verteilte

Vergangenen Donnerstag hielt Martin-Ralph Frauendorfer, der Geschäftsführer von Austria Tabak, einen Gast-Vortrag am Juridicum der Universität Wien. Im Rahmen der Vorlesung "Geistiges Eigentum" von Guido Kucsko referierte er über Marken-, Muster- und Urheberrecht - aus Sicht eines Unternehmens. Als "Anschauungsmaterial" hat er dafür auch Zigaretten an die Studierenden verteilt.

"Gratiszigaretten in Umlauf gebracht"

Die Initative "Rauchfrei Studieren" sieht dies in einem offenen Brief als "völlig falsches und kontraproduktives Signal", das "die kostenintensiven Kampagnen zur Raucherentwöhnung ins Lächerliche zieht". Frauendorfer hätte die Lehrveranstaltung zu Werbezwecken für die Tabakindustrie missbraucht und de facto Gratiszigaretten zur freien Entnahme in Umlauf gebracht, heißt es weiter.

Der Lehrveranstaltungsleiter Guido Kuscko relativiert die Vorwürfe in einem offenen Brief: Frauendorfer hätte die Zigarettenpackungen nur deshalb verteilt, um daran zu demonstrieren, dass auch Produktverpackungen patentrechtlich schützbar seien. Das besondere an diesen Packungen sei gewesen, dass diese nicht von oben sondern seitlich zu öffnen seien. Kuscko verteidigt Frauendorfer: "An keiner Stelle seines Vortrags hat er das Rauchen propagiert oder Positives über die Produkteigenschaften dieser Produkte geäußert."

Kommentare zum Rauchen erst nach Ende des Vortrags

Darüber, ob die Zigaretten nun tatsächlich verschenkt worden sind, oder von den Studierenden mitgenommen wurden, herrscht keine Einigkeit. Von Seiten der Uni Wien heißt es auf Anfrage von derStandard.at, dass von den ausgeteilten Packungen wohl nicht alle wieder zurück gegeben wurden. Die Initiative "Rauchfrei Studieren" erklärt hingegen, dass Frauendorfer das "Anschauungsmaterial" nach eigener Aussage nicht wieder mitzunehmen gedachte.

Die Initiative "Rauchfrei Studieren" kritisiert auch Frauendorfers Aussage, dass "vier Zigaretten am Tag wohl nicht schädlich" wären. Kuscko verweist darauf, dass dieser Kommentar erst nach Ende des Referats gefallen sei, als ein Student Frauendorfer zu seinen persönlichen Ansichten zum Thema Rauchen befragt habe.

Kuscko wollte nur Lehrinhalte vermitteln

Kuscko betont, dass es ihm bei dem Entschluss Frauendorfer als Gastredner einzuladen, ausschließlich um die Vermittlung von Lehrinhalten gegangen sei und ihm Werbung für Produkte "insbesondere auch die Werbung für Tabakwaren" fernliege. (edt/derStandard.at, 27.1.2009)

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    "Aufwändige und kostenintensive Kampagnen der Universität werden durch Tabaklobbying in Lehrveranstaltungen geradezu ins Lächerliche gezogen", schreibt die Initiative "Rauchfrei Studieren" in ihrem offenen Brief.

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