Islamisten erobern Regierungssitz nach äthiopischem Abzug

26. Jänner 2009, 19:36
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Stadt Baidoa von Shabab-Miliz eingenommen - Präsidentenwahl im Ausland

Baidoa/Dschibuti - Wenige Stunden nach dem vollständigen Abzug der äthiopischen Truppen aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Somalia haben sich islamistische Kräfte des provisorischen Regierungssitzes Baidoa bemächtigt. Wie Augenzeugen berichteten, besetzten Kämpfer der radikalen Shabab-Miliz am Montag den Sitz des Übergangsparlaments und den Flughafen der Stadt. Erst am Sonntag hatten sich die letzten äthiopischen Truppen aus Somalia zurückgezogen, die dort Ende 2006 zur Unterstützung der Übergangsregierung einmarschiert waren.

Die Shabab-Miliz wird von den USA als Terrororganisation eingestuft. Die Gruppe hat ein von den Vereinten Nationen vermitteltes Waffenstillstandsabkommen abgelehnt und angekündigt, ihren Kampf auch nach dem äthiopischen Abzug fortzusetzen und die Rumpf-Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) zu vertreiben. In der Hauptstadt Mogadischu hatte ein Selbstmordattentäter am Samstag mit einer Autobombe zahlreiche Menschen mit in den Tod gerissen.

Präsidentenwahl

Zum Zeitpunkt des Angriffs in Baidoa tagte das Übergangsparlament aus Sicherheitsgründen im Nachbarstaat Dschibuti, um einen neuen Präsidenten zu wählen. Der 2006 von der äthiopischen Armee vertriebene und vor wenigen Tagen im Triumph nach Mogadischu zurückgekehrte Islamistenführer Sheikh Sharif Sheikh Ahmed will Präsident werden. Er sei der Kandidat der im Exil in Eritrea gegründeten "Allianz für die Wiederbefreiung Somalias", gab der ehemalige Vorsitzende des Rates der "Union der Islamischen Gerichte" am Montag in Dschibuti bekannt, wo das um islamistische Vertreter erweiterte Übergangsparlament den Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Abdullahi Yusuf Ahmed wählen soll, der inzwischen im Jemen politisches Asyl erhalten hat. Nach dem vollständigen Abzug der äthiopischen Truppen habe die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl, als den Dialog mit den Islamisten zu suchen, hieß es in einem Experten-Bericht der "International Crisis Group" (ICG).

Die von "Warlords" getragene und vom Westen unterstützte somalische Übergangsregierung, die unter äthiopischem Schutz stand, war durch monatelange interne Streitigkeiten über Möglichkeiten einer Verständigung mit ihren islamistischen Gegnern handlungsunfähig. Das ostafrikanische Bürgerkriegsland ist seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs General Mohamed Siad Barre 1991 ohne funktionierende Zentralregierung. (APA/Reuters)

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