Vereinigung von China und Japan gilt als sicher

26. Jänner 2009, 15:34
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Deutsche Geophysiker entwickeln neues mathematisch-physikalische Modell zur Erklärung der Kontinentaldrift

Potsdam - Kontinente bewegen sich wie Schollen auf dem flüssigen Erdmantel. Theorien zu dieser Erkenntnis sind bereits rund einhundert Jahre alt. Dennoch existieren immer noch einige Mysterien und Rätsel im Zusammenhang mit der Kontinantaldrift. Auf eine der Einflüssgrößen beim Zusammenspiel zwischen kontinentalen Platten und dem Erdmantel sind nun Wissenschafter des Geoforschungszentrums GFZ in Potsdam gekommen: Neue Berechnungen ergaben, dass Kontinente auf den Erdmantel wie eine isolierende Decke wirken und so die Bewegungen des flüssigen Gesteins beeinflussen.

Damit haben die Forscher das erste mathematisch-physikalische Modell zur Beschreibung der Wechselwirkung zwischen konvektiven Bewegungen im Erdmantel und den Kontinenten erstellt. "Unsere Berechnungen sind ein Beitrag dazu, dass die Vorhersage der Kontinentalbewegungen realistischer wird", so Studienautor Mikhail Kaban. Als Ergebnis der Berechnungen wurde eine Weltkarte erstellt, die die Lage der Kontinente in hundert Millionen Jahren zeigt.

Superkontinent kommt

Eine besondere Eigenschaft der Kontinente wurde im Rahmen dieser Forschung ersichtlich. "Ähnlich wie Wärmedecken verursachen die Kontinente einen Hitzestau im Erdmantel", so Kaban. Dieser Hitzestau habe bei den ursprünglichen Superkontinenten ein Auseinanderbrechen bewirkt und damit eine Umstrukturierung des Erdmantels herbeigerufen. Dieses selbstregulierende System sei derzeit im Gang und habe als Endpunkt wieder einen Superkontinenten. "Am heißesten ist die Erde derzeit unter Ostafrika, den westlichen Vereinigten Staaten, unter der Pazifikplatte sowie südlich von Südafrika", so Kaban. Der nächste Kontinent, der aufgrund des Hitzestaus aufgeteilt werde, sei laut Berechnungen jedoch die Antarktis.

Dass die Kontinente wandern, behauptete erstmals vor knapp 100 Jahren Alfred Wegener, der aus ähnlichen Küstenverläufen und aus paläontologisch vergleichbaren Funden in Afrika und Südamerika auf die Existenz eines Urkontinents schloss, dessen Teile sich seit seines Auseinanderbrechens in Bewegung befinden. Forschungen der 50er und 60er Jahre bestätigten Wegeners Theorie und konnten zeigen, dass die enorme Hitze im Erdkern und Erdmantel ein wesentlicher Antriebsmechanismus der Platten ist. Das flüssig gewordene Gestein bewegt sich im Erdmantel in einem Massentransport, der mit der Bewegung heißen Wassers im Kochtopf vergleichbar ist.

Südamerika und Eurasien am schnellsten

Derzeit wandern die meisten Kontinente mit unterschiedlicher Geschwindigkeit südwärts. "Südamerika und Eurasien sind die sich am schnellsten bewegenden Kontinente. Sie verschieben sich mehrere Zentimeter pro Jahr", erklärt Kaban. Bis die derzeitige physische Weltkarte umgezeichnet werden müsse, würden jedoch noch einige Millionen Jahre verstreichen. "Dann wird etwa Japan sich mit Eurasien, also China, vereinigen", so die abschließende Prognose des Potsdamer Geophysikers. (pte/red)

  • Als Afrika und Südamerika noch zusammen waren: In ferner Zukunft werden sich die Kontinente wieder zu einem Superkontinent vereinigen.
    grafik: nasa

    Als Afrika und Südamerika noch zusammen waren: In ferner Zukunft werden sich die Kontinente wieder zu einem Superkontinent vereinigen.

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