Forscher fürchten "Schubumkehr"

26. Jänner 2009, 18:42
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Spitzenwissenschafter warnen vor Abwanderung jener Kollegen, die in den vergangenen Jahren nach Österreich gelockt wurden

Wien - Wissenschaft kann nicht streiken, weil sie sich damit selbst schaden würde. Das wissen auch Molekularbiologe Josef Pennninger und Quantenphysiker Anton Zeilinger. Was sich die beiden Spitzenforscher aber schon vorstellen können: "Mit einem Transparent in einer Plenarsitzung des Parlaments auftreten." Ein Scherz im Rahmen einer Pressekonferenz, die Penninger und Zeilinger gemeinsam mit dem Biologen Giulio Superti-Furga und dem Quantenphysiker Rainer Blatt am Montag gaben, um Alarm zu schlagen.

"Super-GAU" befürchtet

Die Spitzenforscher befürchten einen Super-GAU für Österreichs Forschung, für den Fall, dass es tatsächlich zu drastischen Kürzungen der Mittel des Bundes komme, was seit Wochen für Aufregung sorgt. Der Wissenschaftsfonds FWF und die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) können heuer ebenso wenig mit Millionen aus der Nationalstiftung rechnen wie die Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Hinzu kommt, dass der FWF durch (ihm aufgetragene) Vorgriffe auf Budgets kommender Jahre im Volumen von 216 bis 226 Millionen Euro aus dem letzten Loch pfeift. Er kann aufgrund der Liquiditätsfalle, in die er nicht zuletzt aufgrund der Vorbelastungen getappt ist, derzeit weder Projektanträge genehmigen noch kollektivvertragliche Gehaltserhöhungen gewähren.

Die ÖAW, die seit Jahren ohne Erfolg Mehrjahresbudgets einfordert, soll dem Vernehmen nach 2009 mit 73 Mio. Euro das Auslangen finden müssen. Zum Vergleich: Avisiert waren 106 Millionen Euro, 90 hatte man 2008 zur Verfügung. Die vier Spitzenforscher fordern nun die Rückkehr zu dem im Sommer festgelegten Forschungspfad, was ein jährliches Plus von acht bis zehn Prozent für die Wissenschaft bedeutete oder 2,3 Milliarden mehr für die gesamte Forschungsförderung bis 2013.

Zum Vergleich: Der vom Finanzministerium als Basis für die Budgetverhandlungen im Februar ausgeschickte Haushaltsvorschlag sieht 950 Millionen Euro vor.

Budgets wie diese kämen einer "aktiven Schubumkehr" gleich, die Arbeit der Wissenschaft sei gefährdet und der Imageschaden wäre beträchtlich. "Ein positive Reputation aufzubauen ist schwierig, es ist allerdings sehr leicht, sie wieder zu zerstören", sagte Superti-Furga. Für Österreich könne es nur dann eine gute Zukunft geben, "wenn wir mit den Köpfen etwas machen", mahnt Zeilinger. Penninger glaubt, dass sich zugewanderte Spitzenforscher andere Institute suchen würden, sie seien nach Österreich gekommen, weil viel investiert worden sei. Blatt kritisierte in diesem Zusammenhang die soeben von der Bundesregierung fixierte "Verschrottungsprämien" für Altautos als lediglich kurzfristigen Lösungsansatz.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn sieht sich durch Aufschrei und Unmut der Spitzenforscher gestärkt. (Peter Illetschko und Luise Ungerboeck/STANDARD,Printausgabe, 27.1.2009)

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    Schade, dass man Geld nicht beamen kann: Die Spitzenforscher Anton Zeilinger, Josef Penninger, Giulio Superti-Furga und Rainer Blatt (v. li.) fordern die Rückkehr zum Forschungspfad.

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