Zumwinkel kommt mit Bewährung davon

26. Jänner 2009, 17:28
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Der ehemalige Chef der Deutschen Post wird zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt – und muss eine Million an Geldbuße zahlen

Berlin - Es war kurz nach halb drei Uhr am Montagnachmittag, als Klaus Zumwinkel aufatmen konnte. Vom Landgericht Bochum wurde der ehemalige Chef der Deutschen Post und Ex-Aufsichtsratschef der Telekom zwar wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldbuße von einer Million Euro verurteilt. Doch der ehemalige deutsche Topmanager entgeht dadurch einer Gefängnisstrafe.

Das Gericht begründete die Bewährungsstrafe damit, dass Zumwinkel zu Beginn des Prozesses ein "voll umfängliches Geständnis" abgelegt habe, das auch "von Reue getragen" war. Mildernd wirkte sich außerdem auch aus, dass der Ex-Post-Chef seine Steuerschulden bereits beglichen hat. Damit folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft, die genau dieses Urteil gefordert hatte. Zumwinkels Verteidiger hingegen hatten eine Strafe "deutlich unter" dieser Forderung verlangt und auf die Verdienste Zumwinkels für die Bundesrepublik verwiesen.

Diese hatten am Morgen des 14. Februar 2008 ein jähes Ende gefunden, als Zumwinkel vor laufenden TV-Kameras von der Polizei abgeführt wurde. Zumwinkel war zu diesem Zeitpunkt nicht nur seit 18 Jahren Vorstandschef der Deutschen Post, sondern auch einer der angesehensten Manager Deutschlands - "Manager des Jahres 2003" etwa und mit dem Bundesverdienstkreuz dekoriert. Er hatte den ehemaligen Staatsbetrieb zu einem weltweit operierenden Logistikunternehmen umgebaut, war dabei selbst jedoch stets bescheiden bis hin zur Langeweile und frei von jeglichen Allüren aufgetreten.

Doch auch das eigene Vermögen mehrte der Postchef in dieser Zeit stetig - sehr diskret und nicht alleine in Deutschland. "Devotion Family Foundation" nannte sich jene Stiftung in Liechtenstein, in der Zumwinkel sein Geld parkte. Zwischen 2001 und 2007 schleuste er so rund 1,2 Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbei.

"Das war der größte Fehler meines Lebens. Ich will hier reinen Tisch machen" , erklärte Zumwinkel dann zu Prozessbeginn am vorigen Donnerstag. Nur zwei Tage lang wurde verhandelt, bis gestern das Urteil fiel. So mancher Prozessbeobachter mutmaßte, den äußerst kurzen Prozessverlauf habe Zumwinkel einer Absprache zu verdanken. Das jedoch wies das Gericht zurück:Zumwinkel werde trotz seiner Prominenz wie jeder Angeklagte auch behandelt.

Datenklau in Liechtenstein

Sein versuchtes Steuersparprogramm in Liechtenstein kam Zumwinkel letztendlich teuer zu stehen. Er musste nicht nur die hinterzogenen Steuern nachzahlen, sondern auch Zinsen und Gebühren, insgesamt 3,9 Millionen Euro. Dazu summiert sich jetzt noch eine Million Euro Geldbuße. Darben muss Zumwinkel dennoch nicht. Er beziffert sein Vermögen auf rund 13 Millionen Euro.

Auf eine gerichtliche Auseinandersetzung, wie die deutschen Steuerfahnder überhaupt auf seine Spur gekommen waren, hatte Zumwinkel verzichtet. Die Informationen stammten aus einem Datenbestand, der der fürstlichen Bank (LGT) gestohlen und später dem Bundesnachrichtendienst (BND) verkauft worden war. (Birgit Baumann, Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.1.2009)

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     Vom Börsenstar zum Steuersünder: Die Karriere von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel (Bildmitte endete abrupt und unschön.

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