Burschenschafter-Ball

Rätsel um Rektoren im Ehrenkomitee

26. Jänner 2009, 15:06

Haben fünf Rektoren den Ehrenschutz für den Korporationsball übernommen? Ja, sagt der Organisator - Nein, sagen zumindest drei Rektoren, zwei haben "automatisch angenommen"

Einmal mehr sorgt der Wiener Korporationsball, auch als Burschenschafter-Ball bekannt, für Aufregung. Studierendenvertreter kritisieren, dass Rektoren 2008 den Ehrenschutz übernommen haben. So steht es zumindest im Programm des vergangenen Balls. Und sie befürchten, dass auch beim diesjährigen Ball, der am kommenden Freitag statt findet, wieder Rektoren im Ehrenkomitee zu finden sind.

Alle fünf genannten Rektoren betonen gegenüber derStandard.at, die Einladung nicht bewusst oder gar nicht angenommen zu haben und distanzieren sich klar von rechtsextremen Gedankengut, das die ÖH Uni Wien mit der Veranstaltung in Verbindung bringt. Die anderen wollen auch dieses Jahr mit der Veranstaltung nichts zu tun haben. Bereits im vergangenem Jahr versuchte die GRAS (Grüne und Alternative Studierende) zu verhindern, dass der Ball in der Hofburg statt findet - erfolglos.

"Tümmelplatz Rechtsextremer"

Der Ball wurde 1952 vom Wiener Korporationsring (WKR), ein Zusammenschluss von Burschenschaften und Studentenverbindungen, ins Leben gerufen, dem unter anderem die Burschenschaft Olympia angehört. Diese wird vom DÖW als rechtsextrem eingestuft und ist derzeit wegen ihres bekannten Mitglieds, den dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf im Gespräch.

In einem offenen Brief, der an alle Rektoren ging, bittet die ÖH Uni Wien darum, "den Ball als Tummelplatz nationaler und internationaler Rechtsextremer in keiner Weise zu unterstützen und insbesondere für diese Veranstaltung keinen Ehrenschutz zu übernehmen." Namentlich genannt werden im Programm des Vorjahres Peter Skalicky (TU Wien), Wolf Dietrich Freiherr von Fircks (Veterinärmedizinische Universität), Stephan Schmidt-Wulffen (Akademie der bildenden Künste Wien), Hans Sünkel (TU Graz) und Reinhart von Gutzeit (Universität Mozarteum Salzburg).


"Automatisch angenommen"

Aus dem Büro von Peter Skalicky heißt es auf Anfrage von derStandard.at, der Rektor habe den Ball vergangenes Jahr weder besucht noch die Einladung für das akademische Ehrenkomitee angenommen. Er könne sich an das Schreiben des Koporationsrings erinnern, habe jedoch nicht darauf reagiert. Den Ball selbst habe er vor Jahren einmal besucht, dabei aber gemerkt, "dass das nichts für ihn ist." Außerdem sei Skalicky in keiner Studentenverbindung.

Ähnlich äußert sich Vet-Med-Rektor Wolf-Dietrich Freiherr von Fircks zu dem Vorwurf: "Anfangs habe ich alle Einladungen zu solchen Veranstaltungen angenommen", gesteht er gegenüber derStandard.at. Dann habe er jedoch angefangen, "inhaltlich zu differenzieren, und diese Veranstaltung passt nicht zum Charakter unserer Universität", so Fircks. Auch er sei kein Mitglied einer Verbindung und werde den Ball auch nicht besuchen. 

"Wir haben einen Automatismus, mit dem wir alle Einladungen annehmen", heißt es von Seiten des Mozarteums. Künftig werde man jedoch überprüfen, um welche Veranstaltungen es sich wirklich handelt, meint eine Sprecherin des Rektors Reinhart von Gutzeit. Denn der Korporationsball passe nicht in das Bild der Uni, distanziert man sich von den Vorwürfen.

Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der Bildenden Künste betont: "Natürlich habe ich den Ball nicht besucht!" Seine Uni sei eine "politisch sehr engagierte und eine sehr kritische". Wer sich das Lehrangebot ansehe, merke, "dass dieses Haus nicht mit nationalistischen und rechtskonservativen Gruppierungen in Verbindung zu bringen ist." Wie es zum Ehrenschutz kommen konnte, der seiner persönlichen politischen Überzeugung "vollkommen widerspricht", lasse sich nicht nachvollziehen.

Im Büro von Hans Sünkel, Rektor der TU Graz, erinnert man sich, die Einladung für den Ehrenschutz bewusst zugesagt zu haben - allerdings auch nur, weil man jede Einladung annehme. Als Konsequenz überlegt die Leitung laut einer Sprecherin, generell keinen Ehrenschutz für Veranstaltungen mehr zu übernehmen: "Der für die Prüfung
der Veranstaltungen notwendige Aufwand scheint dafür einfach zu hoch."

Organisator: "Alle haben bestätigt"

Dass die Namen der Rektoren ohne Zusage in das Programm 2008 eingetragen wurden, wie es nach dem Rundruf den Anschein macht, bestreitet Korporationsball-Organisator Udo Guggenbichler: "Wir haben von allen, die wir im Ehrenkomitee aufgelistet haben, auch tatsächlich eine Zusage bekommen."

Die angesprochenen Rektoren haben sich mittlerweile auch der Studierendenvertretung gegenüber offiziell vom Korporationsball und rechtem Gedankengut distanziert. Dass man jedes Jahr einen neuen Aufhänger für den Protest gegen den WKR verwendet - vergangenes Jahr die Hofburg, heuer die Rektoren - rechtfertigt eine GRAS-Sprecherin damit, "dass es viele Gründe gibt, warum diese Veranstaltung abzulehnen ist. Und wir machen jedes Jahr erneut damit aufmerksam." So veranstaltet der "Aktionskreis gegen den WKR" am Freitag wieder eine Demonstration, die um 17 Uhr beim Westbahnhof startet. (Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at, 26. Jänner 2009)

Kommentar posten
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dieweise
02
zarte Bande am rechten Rande...

ach so, der Sünkel hat "bewusst" zugesagt - der
ist ja CVer am rechten Rand ohne Berührungsängste zu Burschis wie Graf.
Und der Graf hat sich jüngst für die ÖAW erwärmt.
1 + 1 = 2 : der nächste ÖAW-Präsi heisst
Sünkel !
Und der nächste Wissenschaftsminister Graf !?

AnnaWintour
21
Vor allem ist es ein Ball...

...und wenn man es schon unbedingt als politische Veranstaltung sehen will, dann darf ich anmerken, dass derartige Bälle in Österreich lange Tradition haben (Nelkenbälle, Kornblumenbälle...). Und ich kenne so gut wie keine Fälle, in denen gegen einen Nelkenball demonstriert wurde.
Allerdings ist das so und so die falsche Sichtweise, da im WKR neben Burschenschaften auch unpolitische Studentenverbindungen organisiert sind, wie z.B. Corps, die ein Toleranzprinzip in ihren Statuten haben.
Außerdem: Der Ball war auch heuer wieder eine sehr schöne Veranstaltung, elegant und ohne politische Statements, die auf einem Ball ja wohl auch nichts verloren haben.

Chick3
02
Freiherr von Fircks

Ich dachte, Adelstitel sind in Österreich abgeschafft?

Saurer Apfel
12
31.1.2009, 16:08
inzwischen ist der ball vorbei

und keiner berichtet über die neun festnahmen bei der demo? will da wer was totschweigen? über ein paar lumpige einladungen wird ausführlichst berichtet und in über (inzwischen) 270 postings diskutiert. über den rest kann man sich in anderen blättern informieren.

Redaktion derStandard.at/Politik
02
31.1.2009, 17:34
Bericht über die Demo hier

http://derstandard.at/?id=1233309296958

liebenfels
31
30.1.2009, 13:25
Ich freue mich auf heut' abend, dieser Ball ist jedes Jahr

ein schönes Ereignis, da kann demonstrieren wer will. Die Polizei, weiß solche Chaoten in die Schranken zu weisen.

ding
 
02
31.1.2009, 15:27
ist es nicht

der wkr-ball ist nicht schön. er ist eine schmach für liberale männer und frauen.

roland-p
03
12.2.2009, 15:40

Besser gesagt: Eine Schmach für die Demokratie.

Die Hofburg ist ja auch ein symbolischer Ort.

Gösser
40
ich bin selbst ein liberaler Mann, und besuche diesen Ball gerne!

ding
 
05
offensichtlich liberal

der wkr-ball ist aber nicht das zentrum der österr. liberalität, sondern eher der deutschnationalen, mit verklärtem geschichtsbild.

werwolfi
02
28.1.2009, 14:41

ich habe gerade kürzlich wieder gehört, wie es (ex)mitgliedern von diversen verbindungen leichtgemacht wird, etwa schwierige behördenvorgaben, finanzierungen und andere fährnisse des berufs- und privatlebens mit leichtigkeit zu nehmen, bei denen sich der normalbürger häufig schwertut...

solange solche verhaberungen nicht gerade die besten sondern die verseilschaftesten ;o) bevorzugen, wird es genug nachwuchs für alle arten von verhaberungsvereinen geben - überzeugungen hin oder her.

saoTan
33
28.1.2009, 01:24
Gott zum Gruß, Herr Kollege, heute schon distanziert?

Je öfter dieses Wort in den Medien vorkommt, umso mehr verliert es an Bedeutung.

Gleichheit
17
27.1.2009, 19:21
schlimm

gut, dass endlich was gegen die immer größere Akzeptanz der rechts-rechten unternommen wird. Sogar den SPÖ-Organisationen scheint dieses rechte Fest schon zu heikel zu sein, um sich öffentlich dagegen zu positionieren.

Mittlerweile gehen ja sogar schon anonyme Drohungen und Mails mit den Namen, Telefonnumern und Adressen der Organisierenden an tausende Studis, quasi als Aufforderung, sie doch mal "zu besuchen"... sehr bedenklich.

Schreck
01
29.1.2009, 11:32

SJ und Vsstö rufen sehr klar gegen den Ball auf und werden demnach wohl auch bei der Demo vertreten sein.

Kolacek
01
27.1.2009, 20:10
Nachfrage

wen meinen Sie jetzt mit Organisierenden? Die Organisierenden von dem Ball oder von der Demo?

Gleichheit
03
27.1.2009, 20:19

die Organisierenden der Demo erhielten diese Drohungen

Kolacek
01
27.1.2009, 20:27

würd' mich interessieren woher die anonymen Droher dann die adressen tausender Studis her haben, normalerweise hat die nur die ÖH...

Gleichheit
01
27.1.2009, 20:52

es gibt leider genügend mailinglisten und in zeiten von facebook und mailcrawlern ist das rausfinden von mailadressen keine schwierigkeit... leider.

schallimar
01
27.1.2009, 21:26
mich würde das...

...jetzt schon konkret interessieren. es gab mails und drohungen gegen die organisatorInnen der demo?

Peter Putzer
01
27.1.2009, 22:26

Gab es. Eine Reaktion darauf: http://pluspunkt.at/Community... is-am-Ball

schallimar
01
28.1.2009, 22:17
und jetzt...

...hab ich das mail in einem einschlägigen n&%i-internetforum gefunden...
ekelhaft.

schallimar
01
28.1.2009, 20:21
danke peter...

...jetzt kenn ich mich ein bissi mehr aus...

belgma
 
113
27.1.2009, 18:13
foto

jetzt mal ganz ehrlich, schauts euch das foto doch einmal an (oder irgendein anderes von irgendeiner anderen bs veranstaltung).

wie minderbemittelt muss man sein und - vor allem - wie wenig selbstbewusstsein muss man haben, um bei diesem kasperltheater von ruhm und ehre mitzumachen?

auch nix anderes als die anderen pubertierenden mopedburscherln, die nur in der gruppe stark sind und allein ganz verkümmert. aber diese sorte mensch brauchte ja immer schon jemanden, der ihnen einredet, sie wären schon allein aufgrund ihrer herkunft, rasse, bs zugehörigkeit was besseres als die anderen.

eigentlich alles nur armutschgerln, die in einer therapie besser aufgehoben wären als in einer bs. nur leider in zusammenrottungen gefährlich!

roland-p
00
12.2.2009, 15:41

Leider nicht minderbemittelt genug, um deswegen nicht gewählt zu werden!

C.Schmitt
11
29.1.2009, 21:02

herbert wehner würde sagen: das war dumm und arrogant.

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