Wie Netbooks und die Krise Innovationen ankurbeln

26. Jänner 2009, 11:58
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Netbooks, Web-Dienste und freie Software sägen am Thron von Microsoft, Intel und Co - gut so, meinen Wirtschaftsexperten

Während die Aktienkurse fallen, klettern günstige Computer, freie und oft kostenlose Software und Web-basierte Dienste auf der Erfolgsleiter empor. Konsumenten achten in Zeiten der Finanzkrise stärker auf die Preise und zwingen die großen IT-Konzerne dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken.

Platz für Neues

Netbooks profitieren derzeit wohl am meisten von der Finanzkrise. Doch die günstigen Notebooks sind nicht die einzigen Newcomer. Das Festnetz würde längt von günstigen Mobilfunktarifen und VoIP-Diensten abgelost, Hulu und Co machen Kabel-Fernsehen Konkurrenz und freie Programme wie Linux bringen bisherige Platzhirsche wie Microsofts Windows zunehmend in Bedrängnis. So musste Microsoft vergangene Woche den ersten großen Jobabbau der Konzerngeschichte ankündigen. Ähnliches spielt sich bei Intel ab, dessen Einkünfte im vergangenen Quartal um 23 Prozent gesunken sind.

"Schöpferische Zerstörung"

Wirtschaftsexperten zweifeln jedoch daran, dass Konsumenten zu den teuren Produkten zurückkehren werden, wenn die Krise erstmals ausgefochten ist. Denn was für viele große Konzernen eine Schwächung bedeutet, gibt kleineren, innovativen Unternehmen neuen Schwung. Das ruft Erinnerungen an das Platzen der Dotcom-Blase wach. Auch damals mussten gescheiterte Konzerne wie AOL einer neuen Generation von Web-Unternehmen wie Google weichen. Der Rückgang Anfang der 90er wiederum ließ Konzerne wie Microsoft oder Dell aus dem Schatten von IBM treten. Die Wirtschaft profitiere - wie es der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter ausdrückt von der "schöpferischen Zerstörung".

Nachlässig in guten Zeiten

Durch die Rezession würden Unternehmen dazu gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Dieser Meinung ist auch der ehemalige Intel-Chef Craig Barrett. In guten Zeiten werde man schnell etwas nachlässig. In schlechten Zeiten konzentriere man sich mehr darauf, Technologien zu finden, mit denen Tiefpunkte überwunden werden können. Während also die Popularität von Windows sinkt, erfährt Linux mit der zunehmenden Verbreitung auf Netbooks einen Aufschwung. Aber auch Internet-basierte Services, vereint unter dem Begriff Cloud Computing, und Virtualisierung profitieren vom Schwanken der Großen.

Netbooks statt Roll-Royce-Laptops

Der Netbook-Markt ist laut Gartner von 500.000 verkauften Stück im ersten Quartal 2008 auf 4,4 Millionen Geräte im dritten Quartal angewachsen. Nachdem Asus den Markt mit dem Eee PC als erster eroberte mussten auch die großen Konzerne wie HP und Dell nachziehen. Asus ist damit auf Platz 3 hinter HP und Dell gelandet. "Die Tage des Rolls-Royce-Laptops und des High-End-Computer sind vielleicht noch nicht ganz vorbei", meint Analyst Charles King, "aber das Zielpublikum für diesen Produkttyp wird sicherlich kleiner und kleiner." (red)

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