Immer öfter Grund für Invaliditätspension

26. Jänner 2009, 11:32
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Psychische Erkrankungen belasten Österreicher und Pensionsversicherung - Invaliditäts-Pensionisten sterben früher und erhalten geringere Leistung

Wien - Die psychisch bedingten Erkrankungen werden in Österreich immer mehr zum Problem, auch für die Sozialversicherung. Der Anteil jener Personen, die wegen psychiatrischer Probleme in die Invaliditätspension gehen müssen, hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch erhöht. Das geht aus dem heute veröffentlichten Sozialbericht des Sozialministeriums hervor. Weiterer interessanter Aspekt der Studie: Das Antrittsalter zur Invaliditätspension ist deutlich gesunken.

Mit 53 Jahren

1970 gingen die Österreicher im Schnitt noch mit rund 57 Jahren in die Invaliditätspension. Nunmehr ist man schon mit 53 so weit. Bei den normalen Alterspensionen sank das Antrittsalter im gleichen Zeitraum nur um zwei Jahre, also um die Hälfte. Dabei auffällig ist, dass vor allem Frauen die I-Pension nun früher beanspruchen. Während bei den Männern das Antrittsalter von 57 auf 54 sank, ging es bei Frauen von 57 auf 51 zurück. Die Studienautoren des Sozialministeriums vermuten, dass dies die Folge der stark gestiegenen Zugänge wegen psychiatrischer Erkrankungen ist.

Im Jahr 1995 gingen noch 47 Prozent aller Invaliditätspensionisten wegen Rückenleiden und ähnlichem in Pension. Dieser Anteil sank bis 2007 auf 33 Prozent. Dramatisch ist hingegen die Entwicklung wegen psychischer Erkrankungen. Sie stiegen im selben Zeitraum von elf auf 29 Prozent. Bei Frauen (38,2 Prozent) sind seelische Leiden mittlerweile die häufigste Ursache für die Zuerkennung einer Invaliditätspension. Vor zwölf Jahren lag der Anteil dieser Erkrankungen bei den Neuzuerkennungen noch bei lediglich 14 Prozent. Bei anderen Leiden wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen die Zahlen eine recht stabile Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt.

Früherer Tod

Angesichts ihrer Krankheitsgeschichte überrascht es auch wenig, dass I-Pensionisten früher sterben als Bezieher einer normalen Alterspension. Die Lebenserwartung ist bei Frauen um rund drei Jahre geringer, bei Männern um vier Jahre.

Stark angestiegen ist in den letzten vier Jahrzehnten die Zahl der Invaliditätsleistungen - von knapp 288.000 im Jahr 1970 auf rund 441.000 im Jahr 2007. Allerdings sank der Anteil der I-Pensionen an den Direktpensionen - bei Männern ein wenig von 36,8 auf 35,4 Prozent, bei den Frauen deutlich von 33,6 auf 21,1 Prozent. Der Anstieg in absoluten Zahlen hängt unter anderem damit zusammen, dass heute viel mehr Menschen, vor allem Frauen, beruflich tätig sind als in den 70er Jahren.

Finanziell ist die Invaliditätspension nicht sonderlich attraktiv. Die Netto-Ersatzrate - also die Relation zum letzten Aktivbezug - lag 2006 bei Männern bei 75 Prozent, bei Alterspensionen dagegen bei 86 Prozent. Bei Frauen steigt man mit der I-Pension mit 68 Prozent Netto-Ersatzrate ebenfalls schlechter aus als Alterspensionistinnen mit 80 Prozent. Grund für diese Unterschiede sind das unterschiedliche Zugangsalter und aufgrund von Krankheit öfter unterbrochene Erwerbsverläufe bei I-Rentnern.

Direkt aus der Arbeitslosen

Invaliditätspensionisten kommen auch überdurchschnittlich oft aus der Arbeitslosigkeit in die Pension. Bei den Männern haben mehr als 40 Prozent direkt vor dem Pensionsantritt eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung erhalten, bei den Frauen 34 Prozent. Im Vergleich dazu: Bei den Alterspensionisten kommen gerade einmal 14 Prozent aus der Arbeitslosigkeit in den Ruhestand, bei den Alterspensionistinnen nur 17 Prozent.

Dabei ist es gar nicht so leicht, eine I-Pension zuerkannt zu bekommen. Im Jahr 2007 erhielten 19.700 Männer und 11.100 Frauen Anspruch auf eine derartige Pension, die Anerkennungsquote lag bei 51 bzw. 59 Prozent. Gegen einen negativen Bescheid zu klagen kann sich aber durchaus auszahlen. 27 Prozent der Kläger waren laut Daten für das Jahr 2006 vor dem Arbeits- und Sozialgericht erfolgreich.

Am Häufigsten haben übrigens Bauern eine I-Pension nötig. Der Anteil an den gesamten Pensionsneuzugängen beträgt hier 66 Prozent. Bei Arbeitern sind es im Vergleich nur 44 Prozent und bei den Angestellten lediglich 32 Prozent. (APA)

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