Magerkur nach Rekordjahr

26. Jänner 2009, 17:39
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Ab Frühjahr rechnen Experten mit einem Sturzflug bei den Gästenächtigungen

Wien - Die internationale Wirtschaftskrise beginnt nun auch auf Österreichs Tourismusbranche durchzuschlagen. Nach dem Rekordjahr 2008 mit 126,6 Millionen Übernachtungen und einem hervorragenden Dezember-Ergebnis ist der Jänner zäh angelaufen.


Spartenobmann Hans Schenner rechnet im ersten Monat 2009 mit einem Nächtigungsminus von vier Prozent und führt dies auf das Ausbleiben ausländischer Gäste zurück. Für Wirtschaftsforscher Egon Smeral kommt die Nagelprobe im Frühjahr. Derzeit deute vieles auf einen Sturzflug hin, sagte Smeral dem STANDARD.

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Wien - Lange haben Hoteliers und Gastwirte durchaus erfolgreich gegen den aufziehenden Sturm namens Krise angekämpft. Während andere Tourismusnationen den Wirtschaftsabschwung schon im Spätherbst zu spüren bekommen haben, hat der über den Erwartungen gelegene gute Dezember der heimischen Branche zu einem Rekordergebnis mit 126,6 Mio. Nächtigungen 2008 verholfen. Nun beginnen aber Dämme zu brechen.

Im Jänner gibt es bereits einen Knick: "Ende des Monats werden wir voraussichtlich ein Minus von vier Prozent bei den Nächtigungen haben" , sagte der Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, Hans Schenner, am Rande der Tourismusmesse ACTB, dem STANDARD. Der Einbruch sei vor allem auf das Ausbleiben ausländischer Gäste zurückzuführen, insbesondere aus Ländern, deren Währung zum Euro stark abgewertet haben.

Das sei einerseits der Dollar, andererseits das britische Pfund. "Österreich ist dadurch mit einem Schlag um zehn bis 20 Prozent teurer geworden" , sagte Schenner. Der inländische Gast habe den österreichischen Destinationen hingegen die Treue gehalten. "Das geht sich im Jänner plus/minus null aus" , sagte der Spartenobmann. Den Einbruch bei Gästen aus dem Ausland schätzt Schenner hingegen auf rund acht Prozent. Für den Monat Februar, wo in Österreich und einigen umliegenden Ländern Schulferien sind, zeichne sich ein stabiles Ergebnis ab.

"Diese Einschätzung kann ich voll und ganz unterschreiben" , sagte der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral. Grimmig sind die Aussichten aber für März/April. Smeral: "Ab dann könnte es zu einem Sturzflug bei den Nächtigungen kommen."

Der Tourismusexperte verwies auf den deutlichen Abschwung, den der internationale Tourismus seit dem Frühherbst 2008 zu beklagen habe. Im jüngsten EU-Konjunkturtest, bei dem europaweit Beherbergungsbetriebe und Gaststätten nach ihren erwarteten Geschäftsabschlüssen befragt wurden, sei in allen Ländern eine deutliche Eintrübung feststellbar.

Nächtigungsschwund

Smeral geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2009 die Zahl der Nächtigungen in Österreich um zwei bis drei Prozent zurückgehen und der Umsatz in der Branche um real etwa drei Prozent sinken werde. Damit sei Österreich im internationalen Vergleich immer noch gut. Über alle Länder Europas hinweg zeichne sich ein Umsatzminus von durchschnittlich fünf Prozent ab.

In der Schweiz rechnet das Pendant zur Österreich Werbung für 2009 mit einem Rückgang der Nächtigungen um fünf Prozent und der Umsätze um zehn Prozent. Smeral führt dies darauf zurück, dass in der Schweiz der Anteil der Geschäftsreisenden höher als in Österreich sei und sich die Krise in diesem Sektor zuerst bemerkbar mache.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ließ am Montag bei der Tourismusmesse ACTB offen, ob es ein zusätzliches Konjunkturpaket für die Branche geben werde. "Zuerst schauen wir, wie sich die gesetzten Maßnahmen auswirken, dann sehen wir weiter" , sagte Mitterlehner.

Wie berichtet will die Bundesregierung den Haftungsrahmen für die Branche ausdehnen und zusehen, dass auch kleine Betriebe Geld, sogenannte Mikrokredite, bekommen. Die Österreich Werbung bekommt Sondermittel in Höhe von vier Mio. Euro, die Geschäftsführerin Petra Stolba großteils (drei Mio. Euro) in Österreich selbst sowie (eine Mio. Euro) in den Nachbarländern einsetzen will. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.1.2009)

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