Alleinerzieherinnen besonders armutsgefährdet

26. Jänner 2009, 10:21
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Betreuungspflichten verhindern Erwerbstätigkeit und erhöhen damit Risiko - Österreich liegt mit Quote unter EU-Schnitt

Wien - Etwa die Hälfte der Sozialausgaben in Österreich sind
Leistungen für ältere Menschen - vor allem in Form von Direkt- und
Hinterbliebenenpensionen, Pflegegeldern und sozialen
Betreuungseinrichtungen. Rund ein Viertel entfällt auf die
Gesundheit, ein Zehntel auf Familien, acht Prozent auf
invaliditätsbedingte Leistungen und sechs Prozent auf
Arbeitsmarktleistungen, geht aus dem am Montag präsentieren Sozialbericht
hervor. Die Sozialausgaben Österreichs liegen insgesamt mit fast
einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) über dem
EU-Durchschnitt.

Hohe Armutsgefahr für AlleinerzieherInnen

Rund eine Millionen Menschen in Österreich ist armutsgefährdet,
die Hälfte davon dauerhaft. Am stärksten davon betroffen sind
AlleinerzieherInnen und Pensionistinnen. Eine entscheidende Rolle kommt
daher der Erwerbstätigkeit von Frauen zu. Familien, in denen Frauen
nicht erwerbstätig sind, haben ein mindestens doppelt so hohes
Gefährdungsrisiko wie Familien mit erwerbstätigen Müttern. Ein hohes
Risiko haben auch ältere Menschen durch ihre Abhängigkeit von
Transferleistungen.

Allein wohnen erhöht Armutsrisiko

Im Gegensatz zu Mehrpersonenhaushalten wirkt sich bei alleine
lebenden Menschen ein niedriger Einkommensbezug direkt auf den
Lebensstandard aus. In Einpersonenhaushalten mit Pensionsbezug als
Haupteinkommensquelle ist die Armutsgefährdung der Frauen mit 28
Prozent rund dreimal so hoch wie jene der Männer (neun Prozent). Mit
hochgerechnet rund 123.000 armutsgefährdeten Personen ist etwa jede
zehnte armutsgefährdete Person eine alleinlebende Pensionistin.

Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder und mit einem Kind (acht
Prozent) sowie Mehrpersonenhaushalte mit zwei Kindern (elf Prozent)
sind vergleichsweise gut vor Armutsgefährdung geschützt. Bei drei
oder mehr Kindern im Haushalt beträgt das Gefährdungsrisiko jedoch
bereits 16 Prozent. Eltern und Kinder, die in einem
Ein-Eltern-Haushalt leben, sind zu 27 Prozent von Armutsgefährdung
betroffen.

Faktor Betreuungspflichten

Der Zusammenhang zwischen Alter der Kinder,
Betreuungsnotwendigkeiten im Haushalt und Frauenerwerbstätigkeit
spiegelt sich in der Armutsgefährdung wider: Ist das jüngste Kind im
Kindergarten- bzw. Vorschulalter, beträgt die Armutsgefährdung 16
bzw. 17 Prozent. Wenn das jüngste Kind das schulpflichtige Alter
erreicht hat, verringert sich das Gefährdungsrisiko auf neun Prozent.

Nicht-ÖsterreicherInnen haben niedrigeres Einkommen

Unter Erwerbstätigen sind AusländerInnen durch geringe Bildung und
Einsatz in wenig qualifizierten Jobs besonders benachteiligt. Der
monatliche Bruttolohn der AusländerInnen ist um 400 Euro niedriger als
jener der ÖsterreicherInnen. Erwerbstätige AusländerInnen haben mit 17 Prozent
ein doppelt so hohes Gefährdungsrisiko wie erwerbstätige Österreicher
(acht Prozent). Erhöht wird das Gefährdungsrisiko bei Erwerbstätigen
durch prekäre Beschäftigungsformen. Während ganzjährig
Vollzeiterwerbstätige zu fünf Prozent von Armutsgefährdung betroffen
sind, steigt der Prozentsatz für jene, die ganzjährig einer
Teilzeitbeschäftigung nachgehen, bereits auf elf Prozent. Nicht
durchgehend erwerbstätige Personen sind zu 24 Prozent
armutsgefährdet.

Österreich unter EU-Schnitt

 

In den 27 EU-Mitgliedsstaaten leben etwa 78 Millionen Menschen mit
einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Dies entspricht
rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung, in Österreich liegt die
Armutsgefährdungsquote bei 13 Prozent. Niedriger als in Österreich
ist die Gefährdungsquote vor allem in den Niederlanden und in
Tschechien, wesentlich höher ist sie hingegen in allen südlichen und
baltischen Staaten sowie Ungarn, Polen, Irland und Großbritannien. Am
höchsten ist die Gefährdung in Griechenland und Lettland mit 21 bzw.
23 Prozent.

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