Kein "Change" an der Wall Street

26. Jänner 2009, 09:52
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

In einer feiertagsbedingt (Martin Luther King Day am Montag) verkürzten Handelswoche konnte die Inauguration von Barack Obama die Talfahrt der US-Börsen vorerst nicht stoppen. Der Dow fiel zwischenzeitlich unter die 8.000er Marke und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2008.

Die gemeldeten Konjunkturdaten enttäuschten erneut. Die Industrieproduktion fiel um 2% (Konsens: -1%), die Kapazitätsauslastung verringerte sich auf 73,6% (Konsens: 74,5%). Die Talfahrt am US-Immobilienmarkt hat sich Ende 2008 noch einmal deutlich beschleunigt. Nach Angaben des Handelsministeriums fiel die Zahl der Wohnbaubeginne im Dezember auf ein Rekordtief von 550.000 (annualisiert -15 %). Wenig Entspannung auch am Arbeitsmarkt: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 589.000. Der Konsens rechnete mit 543.000.

Zentrales Thema blieben die schwer angeschlagenen Finanztitel. Citigroup verliert auf Wochensicht 30%. Als Konsequenz des fünften Quartalsverlustes in Folge werde man das Konzept des Allfinanz-Konzerns aufgeben und sich aufspalten. Auch der Chef des Verwaltungsrates wird ausgetauscht.

Der ehemalige Time Warner CEO Richard Parsons löst Winfried Bischoff ab. Auch die Bank of America knickt 44% ein. Moody's hatte die Bonität für die BoA , aber auch die Tochter Merrill Lynch von "Aa3" auf "A1" zurückgestuft. Auch John Thain, ehemaliger CEO der übernommenen Merrill Lynch, tritt nun mit sofortiger Wirkung zurück. Die Bankenchefs Jamie Dimon (JPMorgan) und Ken Lewis (Bank of America) gaben indes demonstrative Vertrauensbeweise und kauften millionenschwere
Aktienpakete ihrer eigenen Häuser. Höchstwahrscheinlich eine Fortsetzung mangelnder ökonomischen Weitsicht und Vernunft.

GM nur noch auf Platz Zwei

Die General Motors-Aktie verliert 15%. Im Vorjahr hatte man den Titel des weltgrößten Autoherstellers an Toyota verloren. Der weltweite Absatz fiel um 11% auf 8,35 Mio. Fahrzeuge. United Technologies hat die Erwartungen verfehlt, die Gewinnprognose für 2009 wurde jedoch beibehalten. Johnson&Johnson zeigt sich weiterhin krisenresistent. Der Pharma- und Medizintechnikkonzern meldete einen Umsatzrückgang von 4,9%. Teva Pharmaceuticals meldete eine Kooperation mit dem schweizerischen Pharmakonzern Lonza. Man werde im Rahmen eines Joint Ventures ein gemeinsames Biosimilar-Konzept entwickeln.

IBM konnte dem Kunjunkturabschwung scheinbar trotzen: Das EPS lag bei USD 3,25 und damit deutlich höher als die Konsensschätzung von USD 3,03. Der Umsatz fiel um 6,4% auf USD 27 Mrd. Für 2009 erwarte "Big Blue" einen Rekordgewinn in Höhe von USD 9,20/Aktie. Apple legte ein gewohnt positives Zahlenwerk und übertraf die Konsensschätzungen deutlich. Auch der überraschend optimistische Ausblick überzeugte.

Microsoft musste seine Jahresprognose für 2009 deutlich nach unten revidieren. Zudem werde man 5.000 Stellen streichen, dies bedeutet den ersten konzernweiten Abbau der Firmengeschichte. Mit einem Kurs von USD 17,11 schloß die Microsoft-Aktie auf dem tiefsten Stand seit 1998. Auch eBay enttäuschte auf breiter Front. Das Ergebnis im 4. Quartal knickte um knapp ein Drittel ein, eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr konnte/wollte man nicht geben.

Auch Chipproduzenten wurden erneut abgestraft. Ausschlaggebend war die Meldung, wonach die angeschlagene Infineon-Tochter Qimonda nun doch zusätzlichen Finanzierungsbedarf in Höhe von EUR 300 Mio. habe. Intel legte hingegen Zahlen im Rahmen der Erwartungen, die wesentlich pessimistischeren Flüsterschätzungen wurden nicht erreicht. Für Erleichterung sorgte die Bestätigung der Prognosen des laufenden ersten Quartals. Nun werde man bis zu 6.000 Stellen streichen und die Produktion in fünf Werken stoppen. Zudem werde man die Preise für einige Prozessoren um bis zu 50% senken, um damit auf die schwächelnde Nachfrage zu reagieren.

Ernüchternde Zwischenbilanz

Nachdem 94 der S&P 500-Unternehmen Quartalszahlen gelegt haben, lässt sich ein recht ernüchterndes Zwischenressümee der Berichtssaison ziehen. Die positivsten Überraschungen kamen aus dem Sektor des zyklischen Konsums, während Finanztitel die Schätzungen am deutlichsten verfehlten. Für 2009 rechnet man im S&P nun mit einem Gewinnrückgang von 2,3%. Auf dieser Basis ist der S&P mit einem KGV von 15 und einer Dividendenrendite von 3,4% bewertet, was keineswegs als "fundamental günstig" ist.

In der nächsten Handelswoche erwarten wir unter anderem Quartalszahlen von McDonald's, Texas Instruments, American Express, Boeing, Ford und den Ölmultis Chevron und Exxon Mobil. Auch der Case-Shiller Häuserindex, das Verbrauchervertrauen und die Arbeitsmarktdaten sollten für Impulse sorgen. Nachdem sich die US-Börsen mittlerweile im klar überverkauften Terrain befinden und der "Daily Sentiment Index" auf zuletzt lediglich 7% bullishe Marktteilnehmer fiel, wäre es langsam Zeit für eine technische Gegenbewegung. Bis zum Ende der Berichtssaison dürfte jedoch kaum begründete Hoffnung auf einen größeren Rebound bestehen.

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