"Quoten für die Wirtschaft bleiben mein Ziel"

26. Jänner 2009, 11:52
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Die Frauenministerin über konkrete Ziele ihrer Amtszeit und positive Entwicklungen

Die neue Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek war am Montag zu Gast im dieStandard.at-Chat. Konkrete Maßnahmen zur Schließung der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen und genaueres zu Kinderbetreuung und Kindergeld wollten die UserInnen von der Ministerin erfahren. "Konkrete und messbare Ziele" steckte sich Heinisch-Hosek im Chat unter anderem damit, mehr Väter zur Karenz zu motivieren und "junge Frauen für technische Berufe zu interessieren". Potentiellen Strache-WählerInnen riet sie mit "Strache musste noch nie ein Versprechen einlösen" ab und auch eine Buch-Empfehlung gab es von der Ministerin:

ModeratorIn: Wir begrüßen herzlich Frau Heinisch-Hosek im Chat! Sie können jetzt ihre Fragen stellen, los geht´s!

Gabriele Heinisch-Hosek: Herzlich willkommen allen Userinnen und Usern. Ich freue mich auf eine interessante Stunde mit Ihnen.

UserInnenfrage per Mail: Sehr geehrte Frau(enministerin) Heinisch-Hosek! Was fällt Ihnen zum ominösen Rücktritt der ersten Unirektorin Österreichs (Ingela Bruner) ein? Fehlten ihr die einschlägigen, derzeit noch (bin Optimist) Männer dominierten Seilschaften im Bokuhintergr

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bedauere sehr, dass die erste und einzige Rektorin an einer österreichischen Universität zurück getreten ist. Persönlich wünsche Ingela Bruner gesundheitlich alles Gute. Mit der Ankündigung von Wissenschaftsminister Hahn, alle Unigremien mit einer 40%-Quote verpflichtend auszustatten, bin ich fürs erste sehr zufrieden.

UserInnenfrage per Mail: Welche KONKRETEN Maßnahmen werden Sie setzen, damit Frauen endlich genauso viel verdienen wie Männer? Welche Maßnahmen treffen Sie zur Minimierung der präkeren Arbeitsituation von der vorwiegend Frauen betroffen sind? Barbara Rother: Haben Sie v

Gabriele Heinisch-Hosek: Ein Bündel an Maßnahmen ist nötig, um die Gehaltsschere zu verringern. Es beginnt bei der Ausbildung von Mädchen und setzt sich fort in guten Karrierechancen von Frauen die bereits im Berufsleben stehen, bis hin zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie and der sich natürlich mehr Väter beteiligen sollten. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind mittlerweile sozial besser abgesichert, trotzdem müssen wir schauen, dass möglichst wenig Frauen in solchen Arbeitsverhältnissen länger beschäftigt sind. Ich möchte gerne, dass mehr Männer sich für diese typischen Frauenberufe interessieren. Aufstiegsmöglichkeiten auch in diesen Berufen sollten selbstverständlich werden.

UserInnenfrage per Mail: Was sind die unterschiede zwischen övp und spö-frauenpolitik?

Gabriele Heinisch-Hosek: Nicht einzelne Unterschiede sind mir wichtig, sondern gemeinsam allen Frauen ein selbstbestimmtes und finanziell unabhängiges Leben zu ermöglichen.

UserInnenfrage per Mail: Wie stehen sie zum bedingungslosen grundeinkommen als frauenpolitische Maßnahme? (Userin frottee)

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich hoffe, dass die bedarfsorientierte Mindestsicherung so bald wie möglich umgesetzt wird, weil sie vor allem Frauen vorübergehend helfen wird, nicht in die Armut abzurutschen.

Rafaela: In Zeiten der Krise hat frau das Gefühl, dass Frauenanliegen erst recht unter "ja, aber jetzt gibt es wichtigeres" abgelegt werden, und im Konjunkturpaket wurde auf die Frauen "vergessen". Müssten Sie als Ministerin da nicht aufschreien und Maßnahme

Gabriele Heinisch-Hosek: Das Konjunkturpaket richtet sich an Männer und Frauen. Die Aufgabe der Frauenministerin ist es, mit allen RessortkollegInnen den nationalen Aktionsplan für Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt umzusetzen.

Beinhart Stabil: Sehr geehrte Frau(enministerin) Heinisch-Hosek! Sie haben die Frage des Users "Alpenwolf" nicht beantwortet. Woran lag es, dass Frau Bruner zurücktreten musste?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ingela Bruner hat ihren Rücktritt angeboten, dieser wurde einstimmig angenommen. Die Gründe dafür kann nur sie beantworten.

Gerlinde Braumiller #2: Wie stehen Sie zu Frauenquoten (in der Wirtschaft, Unis, Aufsichtsräten...)?

Gabriele Heinisch-Hosek: Zum Teil gibt es bereits Quoten, im Bundesgleichbehandlungsgesetz verankert. Quoten für die Privatwirtschaft bleiben mein Ziel, allerdings geht das nicht von heute auf morgen.

Beinhart Stabil: Sehr geehrte Frauenministerin! Sie befürworten die 40% - Quote. Denken Sie nicht, dass es klüger wäre, mehr Konsequenzen für Versagen zu verlangen, was wiederum eine Steigerung der Kompetenzquote bedeuten würde? Was ich sagen will - kommt es nicht v

Gabriele Heinisch-Hosek: Qualifikation ist nicht eine Frage des Geschlechts. Ich möchte nur, dass Frauen die gleichen Chancen bei gleicher Qualifikation auch erhalten.

UserInnenfrage per Mail: Wenn im öffentlichen Dienst eingespart wird, trifft das dann nicht besonders die Frauen? Kürzlich haben Sie erst von einem Aufnahmestopp gesprochen …. (User: Maria Magdalena)

Gabriele Heinisch-Hosek: Die Gehaltsunterschiede im öffentlichen Dienst sind sehr gering. Der Aufnahmestopp bis zum Budget betrifft alle Berufsgruppen, ausgenommen Exekutive und LehrerInnen. Das ist natürlich unabhängig vom Geschlecht zu sehen.

Irene H. #1: Jetzt wird so viel über den Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit geredet und dann heißt es plötzlich, dass Frauenarbeitsplätze krisensicherer sind. Wie beurteilen Sie als Frauenministerin diese Aussage?

Gabriele Heinisch-Hosek: Die Wirtschaftskrise können wir nur gemeinsam bewältigen. Frauen sind schon jetzt oft in schlechter bezahlten Branchen tätig, arbeiten sehr oft Teilzeit.

Gregor Stattner: Es gibt gerade von feministischer Seite die Kritik, dass die Konjunkturpakete primär für Männer sind. Was sagen sie zu diesen Kritikern?

Gabriele Heinisch-Hosek: Die Konjunkturpakete kommen beiden Geschlechtern zu gute. Ich weise nur auf 75 Mio. Euro für Beschäftigungsprojekte hin, dieses Geld soll schwerpunktmäßig Frauen zu gute kommen. Auch das letzte Kindergartenjahr wird kostenlos angeboten und Arbeitsplätze schaffen.

Gregor Stattner: Ihre Partei propagiert ja immer den Papamonat wieso ist ihnen das so wichtig? Bringt das was?

Gabriele Heinisch-Hosek: Dieser Monat unmittelbar nach der Geburt soll Väter motivieren, später in Karenz zu gehen. Mir ist wichtig, dass wir jungen Vätern Lust darauf machen mit ihren Kindern Zeit zu verbringen.

Schwalbe: was sagen Sie sehr jungen frauen, die strache waehlen wollen? was sagen sie sehr jungen maennern?

Gabriele Heinisch-Hosek: Strache musste noch nie ein Versprechen einlösen. Positive Angebote zur Bewältigung der Wirtschaftskrise kommen ausschließlich von den beiden Regierungsparteien, SPÖ und ÖVP.

Sabine Lichter: Eine konkrete Antwort bitte: Nennen Sie ein konkretes, messbares Ziel ihrer Amtszeit. Wie wollen Sie dieses umsetzen?

Gabriele Heinisch-Hosek: Zu meinen Zielen gehören, die Einkommensschere zu verkleinern, mehr Väter für die Karenz zu motivieren, mehr Kinderbetreuungsplätze zu schaffen und mehr junge Frauen für technische Berufe zu interessieren. Umsetzen möchte ich diese Ziele mit dem einkommensabhängigen Kindergeld, dem Papamonat, vermehrten Programmen für Frauen in die Technik und dem nationalen Aktionsplan für Gleichstellung.

Rafaela: zur frage von frau rother: was nützt es, wenn frauen gut ausgebildet sind, wenn die berufe, die sie gerne ausüben wollen schlechter bezahlt sind. ein tag als kindergärtnerin ist sicher auch sehr anstrengend, als "frauenjob" aber schlecht bezahlt. da

Gabriele Heinisch-Hosek: Die Arbeit von Kindergärtnerinnen ist eine sehr wichtige, weil wegbereitende für die Chancengleichheit aller Kinder. Fakt ist, dass in den einzelnen Bundesländern für diese Berufsgruppe unterschiedliche Entlohnungssysteme gelten.

Sabine Lichter: Sie reden einerseits von Höherqualifizierung von Frauen. andererseits werden diese von AMS-Seite in schlechte Kurse "gezwungen", mit dem Ziel, dass sie irgendeinen Job haben, egal, ob sie davon leben können und ob's Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Ihre

Gabriele Heinisch-Hosek: Frauen brauchen jetzt eine Qualifizierungsoffensive. Die Hälfte der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik des AMS wird für Frauen verwendet. Es geht darum, Arbeitsplätze zu erhalten und innovative Beschäftigungsprojekte zu initiieren. 3000 Frauen sollen zu Facharbeitskräften ausgebildet werden. 2000 Frauen wollen wir in technische Berufe umschulen. Über dies stehen Mittel für 2000 Frauen in Pflege- und Gesundheitsberufen zur Verfügung.

UserInnenfrage per Mail: Was sind für Sie die wesentlichsten Themen des Feminismus? Und: Glauben Sie, dass die Menschen genug haben von diesen Themen? (user: only the lonely)

Gabriele Heinisch-Hosek: Die wesentlichsten Themen waren und sind: Frauen ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Jakob Neuberg: Wann kommt die neue Kindergeldvariante?

Gabriele Heinisch-Hosek: Wir planen die Einführung mit 1.1.2010.

Jakob Neuberg: Haben Sie nicht manches Mal das Gefühl, dass sich trotz bestehender Frauenministerien wenig für die Frauen verbessert? Und wenn ja, wie legen Sie ihre Aufgabe an, damit sich frauenpolitisch etwas tut?

Gabriele Heinisch-Hosek: Seit Einführung des Frauenwahlrechts vor 90 Jahren hat sich viel zum positiven verändert: Ich nenne nur die Einführung der Individualbesteuerung, die rechtliche Abschaffung des männlichen Familienoberhauptes, die Fristenregelung, 2 Gleichbehandlungsgesetze und das Gewaltschutzgesetz, als wichtige Beispiele.

ModeratorIn: Sie haben sich für getrennten Unterricht für Mädchen und Buben ausgesprocen, was spricht gegen gendergerechten Unterricht in gemischten Klassen?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich stehe zur Koedukation, allerdings ist es wichtig, Mädchen frühzeitig für die Technik zu interessieren und dieses Interesse zu fördern. Ich kann mir in naturwissenschaftlichen Fächern durchaus vorstellen, dass zeitlich begrenzt in Projektarbeiten getrennt unterrichtet wird.

Gawain: Zahlreiche europäische Länder öffnen die Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare (Schweden, Norwegen, Niederlande, Spanien). Warum werden in Ö (z.B. in rezenten Debatten im Parlament) derart lächerliche "Argumente" dagegen aufgeführt? Wo liegt das

Gabriele Heinisch-Hosek: Es gibt Konsens zwischen den Regierungsparteien, das österreichische Partnerschaftsgesetz umzusetzen. Ich wünsche mir, dass wir heuer zu einem Ergebnis kommen.

Schwalbe: was machen Sie um mit der basis, der 'kleinen frau', der 'frau auf der strasse' als ministerin in kontakt zu bleiben? wie pflegen Sie kontakt zu migrantinnen?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bemühe mich so oft als möglich in Betrieben, in diversen Beratungseinrichtungen für Frauen, aber auch in Kinderbetreuungseinrichtungen unterwegs zu sein. Dies umfasst alle Bevölkerungsgruppen.

ErikDerGroße: Stichwort letztes Kindergartenjahr gratis. Sehen Sie das als Frauenförderung und wann wird es das geben? Wird es das überhaupt überall geben?

Gabriele Heinisch-Hosek: Das verpflichtende letzte Kindergartenjahr wird es in ganz Österreich geben. Auf der einen Seite entlastet es Familien, auf der anderen Seite schafft es Arbeitsplätze. Geplant ist Herbst 2009 und hängt von den Verhandlungen mit den Bundesländern ab.

Anita Gaugenhof: Haben Sie ein politisches Vorbild?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich habe viele Vorbilder in der Politik, Männer wie Frauen.

Saurer Zivi: Sg Fr BM, gab es bereits Momente, wo Sie lieber ein Mann gewesen wären? Wenn ja, warum?

Gabriele Heinisch-Hosek: Nein, nie.

Schwalbe: etwas persoenliches, ihr lieblingsbuch, non fiction? oder eine literatur- od filmempfehlung an die jungen frauen, die ... Sie wissen schin .. z zt rechtradikal waehlen wuerden?

Gabriele Heinisch-Hosek: Die neue F-Klasse von Thea Dorn und Kerstin Ehmer.

Zitronengras: Frau Ministerin, würden Sie sich 1) als Emanze? bzw 2) als Feministin bezeichnen?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bin eine Frauenpolitikerin die sich für die Rechte von Frauen einsetzt und dafür kämpft, dass Frauen ein selbstbestimmtes und finanziell unabhängiges Leben führen können.

ModeratorIn: Liebe UserInnen, die Stunde ist leider schon um. Vielen Dank an Frau Heinisch-Hosek und an die UserInnen für die vielen interessanten Fragen!

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bedanke mich für das Interesse und die vielen Fragen.

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