British Library will das Internet archivieren

26. Jänner 2009, 08:27
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Das Internet erschwert die Arbeit der Historiker der Zukunft - Vor einem Jahrzehnt erstellte Daten teilweise schon nicht mehr zugänglich

Während Bücher, die vor hunderten Jahren verfasst wurden, teilweise noch heute lesbar sind, kann auf manche Daten, die vor einem Jahrzehnt digital gespeichert wurden, bereits heute nicht mehr zugegriffen werden. Um der Vergänglichkeit der Daten im digitalen Zeitalter etwas entgegen zu setzen, plant die British Library ein großes Archivierungsprojekt, wie der Observer berichtet. Dabei sollen Webseiten mit der UK-Domain für die Nachwelt archiviert werden, um zu verhindern, dass die Historiker der Zukunft vor einem schwarzen Loch stehen, wenn sie Informationen über unsere Zeit suchen. So, wie wohl viele Familienfotos, die nur digital gespeichert sind, nicht an künftige Generationen weitergegeben werden, so gehe mit den zahlreichen Online-Informationen unser kollektives kulturelles Erbe verloren, warnt Lynne Brindley, die Geschäftsführerin der British Library.

Speicherung

Brindley weist darauf hin, dass entgegen eines weit verbreiteten Glaubens Unternehmen wie Google die Inhalte von Webseiten nicht speichern. Daher liege die Verantwortung bei Archiven und Bibliotheken dafür zu sorgen, dass in Zukunft nicht nur Bücher und Zeitschriften für die Nachwelt aufgehoben werden. Auch E-Mails und Webseiten sollen aufbewahrt werden. "Die Vision eines digitalen Großbritanniens muss das entscheidende Service enthalten, das kollektive digitale Gedächtnis des Landes zu erhalten und gleichzeitig die Inhalte der British Library zu digitalisieren", sagt Brindley. Die Bibliothek will daher ein umfassendes Archiv der Webseiten schaffen, die eine UK-Domain haben. Derzeit gibt es rund acht Millionen solcher Webseiten.

Austausch

Verschiedene Projekte bemühen sich schon jetzt, den alltäglichen Austausch an Informationen festzuhalten, der heutzutage großteils über E-Mails läuft. Britische Regierungsabteilungen archivieren diese Korrespondenzen und digitalen Texte bereits und die British Library fordert auch Einzelpersonen auf, solche Daten freiwillig archivieren zu lassen. Anlässlich der Olympischen Spiele, die 2012 in London stattfinden, hat die Bibliothek ebenfalls ein Archivierungsprojekt geplant. Zu den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 gab es rund 150 Webseiten, die nach dem Ende der Spiele sehr bald vom Netz genommen wurden. Sie sind heute nur noch über die National Library of Australia zugänglich. (pte)

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