Morales feiert Sieg der neuen Verfassung

26. Jänner 2009 17:33
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    Foto: epa

    Auf dem Murillo-Platz in La Paz wurde das Ergebnis gefeiert.

Präsident will "Kolonialstaat begraben" – Auszählung zeigt aber knappen Ausgang - mit Video

La Paz/Mexiko-Stadt - Sollte es ein Sieg werden, fällt er viel knapper aus, als Evo Morales und seine Anhänger es sich dachten. Der Ausgang des Referendums über die neue bolivianische Verfassung war am Montag lange offen, Nachwahlbefragungen ließen an 60 Prozent Zustimmung glauben, doch bei der Auszählung kippte die Mehrheit langsam wieder.

411 Artikel hat die neue Verfassung, die ein zentrales Wahlversprechen des seit drei Jahren amtierenden, ersten indigenen Staatschefs des Andenlandes ist. Die ursprünglich sozialistisch-staatswirtschaftliche Regierungsvorlage war im Oktober im Parlament als Zugeständnis an die Opposition deutlich verwässert worden.

Dennoch bringt die Verfassung einige Neuheiten wie etwa die Anerkennung Boliviens als multiethnischer, plurinationaler Staat, die Abschaffung des Katholizismus als Staatsreligion - weshalb die Kirche sich kritisch geäußert hatte - sowie regionale Autonomiestatute, die von den oppositionellen Präfekten gefordert worden waren. Der Staatschef kann künftig nur noch einmal wiedergewählt werden, der Staat wird eine größere Rolle in der Wirtschaft spielen, und Großgrundbesitz über 5000 Hektar wird verboten; die rechtsstehende Opposition hatte erreicht, dass dies zumindest für produktive Ländereien nicht rückwirkend gilt.

Provinzen geteilt

In vier der neun Provinzen - in Tarija, Beni, Pando und im Wirtschaftszentrum Boliviens, Santa Cruz - stimmten die Bürger deutlich gegen die Verfassung. In Chuquisaca lag das "Nein" knapp vorne. Der Wahltag war weitgehend ruhig verlaufen.

Es ist ein weiterer Sieg für Morales, der erst vor einem halben Jahr in einem von der Opposition angestrengten Abberufungsreferendum von 67 Prozent der Bevölkerung im Amt bestätigt worden war. Morales feierte am Abend im Präsidentenpalast vor Tausenden von begeisterten Anhängern die "Neugründung Boliviens mit gleichen Chancen für alle Bürger". "Der Kolonialstaat, der Neoliberalismus und der Großgrundbesitz wurden vom Volk begraben" , sagte er.

Dass dieses Ergebnis zu einer Befriedung Boliviens beiträgt, ist dennoch nicht zu erwarten. Die Opposition in den Provinzen sah sich dadurch ebenfalls bestätigt und forderte Morales zu einem nationalen Pakt auf, um die Spaltung Boliviens zu verhindern. "Hunderttausende Bolivianer lehnen dieses illegale Projekt ab, das Bolivien spalten will" , sagt der Präfekt von Santa Cruz, Ruben Costas, vor einer jubelnden Menge.

Der Präfekt von Tarija, Mario Cossio, forderte die Regierung auf, den verfassungsgebenden Prozess nochmals von vorne zu beginnen. Die Gouverneurin von Chuquisaca, Sabina Cuéllar, rief sogar dazu auf, die Verfassung in ihrer Provinz nicht umzusetzen. Im Dezember steht im südamerikanischen Armenhaus bereits die nächste politische Schlacht bevor: allgemeine Neuwahlen unter der neuen Verfassung. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2009)

 

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Nowotila
06.02.2009 12:43
"Es ist ein weiterer Sieg für Morales, der erst vor einem halben Jahr in einem von der Opposition angestrengten Abberufungsreferendum []im Amt bestätigt worden war"

Das ist schlichtweg falsch.
Morales hat dieses Referendum beantragt.

Warum wird hier nachweislich falsch berichtet?

Frau Weiß versucht aus einem Sieg von Morales eine Niederlage herbeizuschreiben.

Morales hat das Referendum beantragt um zu zeigen, wer die Mehrheit im Land hat.

Kratzmich
28.01.2009 00:43
"m Dezember steht im südamerikanischen Armenhaus bereits die nächste politische Schlacht bevor"

Auf welcher Seite Frau Weiß bei dieser Schlacht steht, dürften wir alle wissen: Auf der der Großgrundbesitzer, die mit Fahnen durch die Gegend fahren, die bei uns unter das Wiederbetätigungsverbot fallen.

Ernst Guevara
27.01.2009 09:43
dass die rechten ein problem mit demokratischen entscheidungen haben, war ja zu erwarten

ebenso war es abzusehen, dass sandra weiss der antidemokratischen opposition beifall klatscht und sie es gar nicht erwarten kann, dass es zum bürgerkrieg oder putsch kommt. als in venezuela die rechten geputscht haben, war sandra weiss auch sehr begeistert. es empfiehlt sich aber für eine seriöse und unaufgeregte befassung mit dem thema, auf verschiedene stimmen zu hören und einen differenzierten blick auf bolivien zu werfen:

Upside Down World: From Bolivia’s Streets: What Voters Think About the New Constitution
http://tinyurl.com/apretf

Brezhoneg
27.01.2009 08:46
59,5%

Nach Auszählung von 66% der Stimmen entfallen 59,5% auf das Sí. Überhaupt, was soll ein derart unobjektiver Artikel? Und warum muss Frau Weiß Desinformation betreiben - das erwähnte Abberufungsreferendum wurde von Morales selbst vorgeschlagen...
Ist es nicht möglich, dass hier im Standard wenigstens die Basisfakten eines solchens Volksentscheids unverfälscht und vollständig dargestellt werden. Allein die Wahlbeteiligung von über 90% wäre zumindest zu erwähnen gewesen. Passt aber wohl alles nicht ins Weltbild von Frau Weiss... Schade.

Nowotila
27.01.2009 09:08
Die Artikel von S. Weiß, die auch für den Springerkonzern schreibt,

sind an Tendenziösität kaum zu überbieten.
Das war schon schon beim Putsch der Rechten in Venezuela sol
Ist Ihnen das neu?

Meine Meinung zu diesem Thema:
27.01.2009 00:37
Ein schönes ERgebnis für Morales

Das weder der Qualitätsceitung noch der rechtslastigen Sandra gefällt ;-))))

Träume sind Schäume
26.01.2009 19:26
Ich trau das fast gar nicht zuzugeben

Auf dem Papier sind die Ideen dieser Verfassungsänderung ja teilweise nicht so unvernünftig.
Wenn Morales sich fair daran hält, könnte es dem Land mit den sozialen Problemen helfen ohne gleich die Wirtschaft kaputtzumachen.

Dieser Mensch sollte sich lieber Präsident Lula in Brasilien zum Vorbild einer sozial gerechten Gesellschaft machen, anstaat sich mit den offensichtlichen Versagern in Venezuela und Kuba zu verbrüdern.

Gary Grantscherbn
27.01.2009 00:08

Jessas, wie können Sie hier nur gegen Chavez und Fidel anschreiben?

*space
26.01.2009 23:15

Und Sie meinen ausgerechnet Sie verfügen über Wirtschaftskompetenz? Antwort unnötig!

Kratzmich
26.01.2009 23:21

Seine Frau arbeitet sicher wieder in der bolivianischen Botschaft und das spricht für seine Kompetenz.

Träume sind Schäume
27.01.2009 03:42
Ich bin entäuscht, das können's doch besser


Wie wär's eher mit einer altehrwüdigen Großgrundbesitzerdynastie, so ein Feindbild kommt malerischer rüber.

Sie müssen kreativer denken ;)

Nowotila
27.01.2009 09:09

Die posten nicht, die lassen posten.

Kratzmich
27.01.2009 18:51

Eben.

uebel
26.01.2009 18:53
"Der Ausgang des Referendums über die neue bolivianische Verfassung war am Montag lange offen, Nachwahlbefragungen ließen an 60 Prozent Zustimmung glauben, doch bei der Auszählung kippte die Mehrheit langsam wieder."

Alle Exit-Poll sind sich einig, dass ca. 60% der Bolivianer für die Verfassung gestimmt haben. Bisher wurden erst 24% ausgezählt und die ersten Stimmen, die ausgezählt werden sind meistens die in den urbanen Gebieten. Die MAS ist aber im ländlichen Bereich stärker. Aus diesem Grund hat das Si derzeit ca. nur 51,6%

"Es ist ein weiterer Sieg für Morales, der erst vor einem halben Jahr in einem von der Opposition angestrengten Abberufungsreferendum von 67 Prozent der Bevölkerung im Amt bestätigt worden war"

Es war der Vorschlag von Evo Morales und nicht der Opposition! Die Opposition hat dann später nur mit der MAS zu diesem Referendum zugestimmt.

GG22
26.01.2009 18:19
"ließen an 60 Prozent Zustimmung glauben, doch bei der Auszählung kippte die Mehrheit langsam wieder."

Sandra Weiß, objektiv, wie immer.

so macht man aus einer 60% Mehrheit einen Sieg der Verlierer.

hatsch ma ham!
26.01.2009 16:11

prinzipiell zu begrüßen und ein bißchen schadenfreude ist schon da wenn sich die jahrelang unterdrückten mal durchsetzen. aber ob die das viel besser und langfristig gesehen auch fair machen ist fraglich...

catfish eyes
26.01.2009 16:10
katholische Kirche

wie immer gegen die Armen auf der Seite des Kapitals

ibinswieda
26.01.2009 21:22
das ist nur Gerecht

Jesus war auf seite der armen, deshalb ist "sein stellvertreter" auf seite der reichen.
schwacher witz, geb ich zu

Träume sind Schäume
26.01.2009 21:00
Schon mal vom Jesuitenstaat in der Gegend gehört?

Lesen bildet.

Watschnbaum pflanzen
27.01.2009 00:13
Sie haben Recht!

Obige Aussage von catfish eyes ist nicht zu 100% richtig, nur zu 99,5%.

Warentester
26.01.2009 23:55

Ja, jetzt raten sie mal was einer der Hauptgründe war, dass die Jesuiten damals von der Amtskirche verboten und aufglöst worden sind...

Freie Welt
26.01.2009 17:35
"wie immer"

ist allerdings schlichtweg falsch.
Lassen Sie die Kirche im Dorf.

Schljapnikow der IV
26.01.2009 20:41

sagen wir "fast immer"

Corello
 
26.01.2009 16:09
Die Usmetzung macht den Unterschied

Meinem bescheidenen Wissen nach war die alte Verfassung nicht unbedingt schlechter als die neue.

Wie in vielen anderen Fällen wurde sie nur ständig gebrochen und unterwandert.

Bin neugierig, wie es sich mit der neuen Verfassung verhalten wird...

RechteSindWieLuftballons-PPFFFFffffff
26.01.2009 15:48
Nichts Neues

Richtige PatriotInnen sind immer nur auf den eigenen Vorteil aus

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