Armee nimmt letzte Rebellenhochburg ein

25. Jänner 2009, 23:11
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Laut Angaben des Armeechefs - Der Bürgerkrieg steht möglicherweise kurz vor seinem Ende - Es gibt jedoch keine neutralen Berichte - mit Video

Colombo - Der seit über einem Vierteljahrhundert andauernde Bürgerkrieg in Sri Lanka steht möglicherweise kurz vor seinem Ende. Regierungstruppen vermeldeten am Sonntag die Einnahme der letzten Hochburg der tamilischen Rebellen im Norden der Insel. Die Armee habe die Stadt Mullaittivu eingenommen, sagte Armeechef Sarath Fonseka in einer TV-Ansprache. „Wir kontrollieren Mullaittivu zur Gänze". Der Bürgerkrieg sei damit zu 95 Prozent beendet.

Die Armee hatte zuvor von heftigen Kämpfen berichtet. 50.000 Soldaten hätten die Rebellen in der Stadt umzingelt. In kleinen Gruppen und mit Booten erreichten die Regierungstruppen schließlich den Westen von Mullaittivu, wie ein Militärvertreter am Sonntag berichtete. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatten zuvor einen Damm gesprengt und die Gegend um die Stadt herum geflutet, um die sri-lankische Armee aufzuhalten. Unabhängige Berichte über die Kämpfe gab es allerdings keine: Die BBC meldete, dass keine Journalisten in das Kriegsgebiet reisen durften.

Schutzschild

Einen sofortigen Zugang in die Stadt forderten Hilfsorganisationen, damit Lebensmittel und Medikamente zu den Menschen gebracht werden können. Ihren Angaben zufolge waren rund 300.000 Menschen in Mullaittivu gefangen und wurden während der Kämpfe von den LTTE-Kämpfern als Schutzschild benutzt. Das Verteidigungsministerium in Colombo betonte, dass alle Zivilisten aus der Stadt gebracht worden seien.

Die im Dschungel gelegene Stadt Mullaittivu war der letzte Rückzugsort der tamilischen Kämpfer. Die Rebellen unterhalten im Dschungel und den Lagunen rund um den Ort herum ihre wichtigsten militärischen Einrichtungen. Sie kontrollierten das Gebiet seit 1996 und nutzen die nahegelegene Küste für den Waffenschmuggel.

Bei ihrer monatelangen Großoffensive drängte die Armee die Rebellen nach und nach zurück. Anfang Januar war bereits die Rebellenhochburg Kilinochchi in die Hände des Militärs gefallen. Auch weitere Orte, die jahrelang unter der Kontrolle von Rebellenführer Velupillai Prabhakaran und seinen Anhängern standen, wurden von den Truppen erobert.

Kampf seit 1983

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse hatte in seiner Neujahrs-Ansprache 2009 zu einem Jahr des „heldenhaften Sieges" über die Befreiungstiger erklärt. Die LTTE kämpft für einen eigenen Staat im Norden und Osten Sri Lankas und hatte weite Teile des Landes (siehe Grafik) unter ihre Kontrolle gebracht. Die 1976 gegründete Separatistengruppe begann ihren Guerillakrieg gegen die Regierung in Colombo im Jahr 1983.

Dabei nahm sie auf dem Land wie in Städten auch hochrangige Politiker und Militärs ins Visier. 1993 starb etwa Staatspräsident Ranasinghe Premadasa bei einem Bombenanschlag tamilischer Rebellen. Zwei Jahre zuvor tötete eine tamilische Selbstmordattentäterin den indischen Oppositionsführer und Ex-Premier Rajiv Gandhi.
Bisher sollen bei den von Feuerpausen unterbrochenen Unruhen und Kämpfen mehr als 75.000 Menschen getötet worden sein. Ein 2002 geschlossener Waffenstillstand ist hinfällig.

Im früheren Ceylon, das zunächst von den Portugiesen, dann den Niederländern und ab Ende des 18. Jahrhunderts von den Briten kolonisiert wurde, stellen die großteils buddhistischen Singhalesen mit mehr als 70 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe. Die mehrheitlich hinduistischen Tamilen sind mit 18 Prozent die größte Minderheit. (AFP, dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2009)

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    Der seit 25 Jahren andauernde Bürgerkrieg in Sri Lanka könnte nach Meinung des Armeechefs der srilankischen Regierungstruppen bald vorbei sein.

    Foto: Soldaten bewachen einen UN-Transport im Mullaitivu-Bezirk. 

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    Die sri-lankische Armee auf dem Vormarsch. Das Archivfoto zeigt einen Angriff von Regierungstruppen auf Stellungen der Rebellen. Bisher starben in dem Bürgerkrieg rund 75.000 Menschen.

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