Karzai: US-Truppen töteten 16 Zivilisten

28. Jänner 2009, 17:24
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Präsident droht NATO im Streit um zivile Opfer mit "Entscheidung des Volkes"

Kabul - Im Streit um zivile Opfer bei Operationen ausländischer Streitkräfte hat die afghanische Regierung den Ton gegenüber den internationalen Truppen verschärft. Sollte die NATO nicht bis zum 10. Februar auf eine von der afghanischen Regierung vorgeschlagene Vereinbarung reagieren, werde man eine "nationale Entscheidung" des Volkes über die künftige Rolle der ausländischen Streitkräfte herbeiführen, sagte am Mittwoch der Sprecher von Präsident Hamid Karzai, Humayun Hamidsada.

Die Regierung habe der Allianz am 10. Jänner einen Elf-Punkte-Katalog zur Vermeidung ziviler Opfer vorgelegt. Er sehe unter anderem vor, dass Hausdurchsuchungen nur noch von afghanischen Sicherheitskräften vorgenommen werden dürfen.

Sollte die NATO nicht binnen eines Monats antworten, werde die Regierung eine nationale Entscheidung durch das Volk herbeiführen, sagte Hamidsada. Wie das geschehen solle, erklärte er nicht. NATO-Sprecher John Coppard sagte am Mittwoch, das Bündnis habe einen Entwurf einer Vereinbarung erhalten, der aber nicht an ein Ultimatum geknüpft gewesen sei. Man prüfe den Entwurf und werde zu gegebener Zeit antworten. Es handle sich um ein "komplexes Thema". Zivile Opfer bei ausländischen Militäroperationen sorgen für wachsenden Unmut in der afghanischen Bevölkerung. Karzai will bei der für Herbst geplanten Präsidentenwahl erneut kandidieren. Die NATO führt die Internationale Schutztruppe ISAF in Afghanistan.

US-Stellungnahme

Die US-Truppen erklärten in einer Stellungnahme, der Einsatz in der Provinz Laghman vom Samstag habe sich gegen einen Taliban-Kommandanten gerichtet. Dabei seien die Soldaten von zahlreichen Aufständischen beschossen worden. Unter den Toten sei eine Frau, die einen Granatwerfer bei sich gehabt habe.

Gouverneurssprecher Sayed Ahmad Safi sagte dagegen, nach Geheimdienstangaben seien elf Zivilpersonen getötet worden, darunter drei Kinder und zwei Frauen. Zwei der Toten seien Aufständische. Der Einsatz fand in Mehtar Lam statt, etwa 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kabul. Amerikanische und afghanische Ermittler reisten nach Mehtar Lam, um das Geschehen aufzuklären, wie ein Sprecher des Provinzgouverneurs erklärte.

Der Tod von Zivilpersonen bei den Einsätzen der ausländischen Soldaten in Afghanistan hat die Beziehungen zwischen Afghanistan, den USA und der NATO wiederholt belastet. Karzai bat die ausländischen Streitkräfte bereits mehrfach, Luftangriffe auf zivile Gebiete einzustellen und Zivilpersonen nach Möglichkeit zu schonen. (APA/AP/dpa)

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    Laut Präsident Hamid Karzai wurden beim US-Angriff in Afghanistan 16 Zivilpersonen getötet.

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