Dominanz nach Debakel

25. Jänner 2009, 13:09
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Dreifach-Sieg der Österreicherinnen im RTL von Cortina - Kathrin Zettel gewann vor Michaela Kirchgasser und Elisabeth Görgl

Cortina d'Ampezzo - Eine bessere Antwort auf das Abfahrts-Debakel vom Samstag hätten Österreichs Ski-Damen in Cortina nicht geben können. 24 Stunden nach dem schlechtesten Abfahrtsresultat seit über 14 Jahren führte Kathrin Zettel unter der Tofana gleich einen ÖSV-Dreifachsieg im Riesentorlauf an. Die Niederösterreicherin gewann bei ihrem dritten Saisonsieg mit dem Gewaltvorsprung von 1,39 Sekunden vor Michaela Kirchgasser und schon 1,71 vor Elisabeth Görgl, die mit einem Sturz eine überlegene Halbzeitführung noch verspielte.

Während die Speed-Damen noch über die Abfahrtspleite (Nach 121 Rennen erstmals nicht in den Top-Ten) rätselten, fanden Zettel und Co. am Sonntag das richtige Feingefühl für das Rennfahren auf dem aggressiven Cortina-Schnee. Sie ließen den Rest der Welt hinter sich und rissen auch die Schlagzeilen an sich, nachdem es für Österreichs Slalom-Herren in Kitzbühel nicht für einen Podestplatz gereicht hatte. Es war der 48. Dreifachsieg für die ÖSV-Damen, der erste seit dem Levi-Slalom im November 2006 und der erste im Riesentorlauf seit Semmering 2006, wo Zettel vor Nicole Hosp und Marlies Schild gewonnen hatte.

Görgl trotz Sturz am Podest

Selbst Elisabeth Görgl hatte ein Lächeln im Gesicht, obwohl sie den greifbar nahen Sieg mit einem Sturz am viertletzten Tor begrub, das zuvor schon anderen Läuferinnen wie Anja Pärson zum Verhängnis geworden war. Die 28-jährige Steirerin erfing sich aber irgendwie wieder, tauchte ins Ziel an und wurde noch mit Platz drei belohnt.

"Ich habe zu viel riskiert, einen Schlag übersehen. Irgendwie habe ich mich noch aufgerappelt und bin mit rudernden Armen ins Ziel gekommen", erzählte die Kapfenbergerin, nachdem ihr der dritte Weltcupsieg entglitten war. "Natürlich hätte ich lieber gewonnen. Aber ich bin happy, weil ich eine saubere Fahrt hatte und endlich so gefahren bin, wie im Training", so Görgl.

Vielleicht wäre es im Kampf um den Sieg auch ohne dieses Missgeschick noch knapp geworden, denn während Kirchgasser sicher hinter ihr geblieben wäre, zeigte die Halbzeit-Dritte Zettel auf dem Kurs des Finnland-Trainers Slivnik ("Sag Danke zu mir Kathrin!") eine brillante Leistung. Die Niederösterreicherin, die zuvor in Sölden auf Gletschereis und am Semmering auf Kompaktschnee zwei Heimsiege gelandet hatte, siegte zur eigenen Überraschung nun auch auf "bissigem" Weichschnee.

Rote Zettel

Und sie übernahm damit nicht nur wieder die Führung im RTL-Weltcup, sondern machte sich mit Saisonsieg Nummer drei endgültig zur WM-Favoritin. "Das rote Trikot will ich mir nicht mehr so schnell entreißen lassen. Die Favoritenrolle ändert nichts", blieb Zettel cool.

Selten noch setzte ein Sieg so auf einer Niederlage auf wie das allererste Cortina-Triple der ÖSV-Damen. Denn was in der Abfahrt daneben gegangen war, machten Zettel und Co. am Sonntag richtig. "Wir haben uns Samstag beim Training in Hinterreith die Abfahrt angesehen und sofort gemerkt, dass der Schnee in Cortina weich ist und man gefühlvoll fahren muss", bestätigte Zettel.

Dennoch war die Göstlingerin selbst über ihren fünften Weltcup- und Riesentorlauf-Sieg am meisten überrascht, vor allem über ihren Riesen-Vorsprung. "Weil ich auf einem solch aggressiven und schnittigen Schnee normalerweise nicht so gut bin und auch der leichte Hang hier eher gegen mich sprach." Mit ihrer Taktik, manche Passagen "runder" zu fahren um nicht zu viel Druck aufzubauen, hatte sie aber das goldrichtige Rezept gefunden. "Ich habe mit diesem Sieg wirklich eine Riesenfreude", gestand Zettel.

Ungehemmte Kirchgasser

Auch Kirchgasser profitierte von Görgls Sturz, freute sich aber ungehemmt über ihr Podiums-Comeback. "Ich habe mitten in der Saison einen Neustart durchgeführt und mit Mentaltraining begonnen. Jetzt fahre ich wieder schön Ski und es läuft bei mir immer besser. Ich hoffe, dass ich bei der WM mein bestes Rennen zeigen kann", gab sich die Salzburgerin endlich wieder zuversichtlich. Das Abfahrtsdebakel habe auch sie im Hinterkopf gehabt. "Aber dieses Ergebnis jetzt macht den gestrigen Tag wieder gut!"

Im Damen-Weltcup baute Lindsey Vonn (USA) als RTL-Zehnte mit 882 Punkten ihre Führung etwas aus, weil die Deutsche Maria Riesch (810) schon im ersten Durchgang ausgeschieden war. Zettel ist mit 751 Punkten wieder Vierte. (APA)

  • Strahlende ÖSV-Damen: Görgl, Zettel und Kirchgasser (v.r.n.l.)
    epa/ettore ferrari

    Strahlende ÖSV-Damen: Görgl, Zettel und Kirchgasser (v.r.n.l.)

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