"Wir sind Kirche" kritisiert Papst-Entscheidung

"Zeigt rückwärtsgewandte Ausrichtung des Pontifikats von Benedikt XVI."

Wien - Die katholische Basisbewegung "Wir sind Kirche" hat die Aufhebung der Exkommunikation von vier ultrakonservativen Anhängern des verstorbenen Erzbischofs Michel Lefebvre durch Papst Benedikt XVI. kritisiert. "Die Aufhebung der Exkommunikation zeigt die rückwärtsgewandte Ausrichtung des Pontifikats von Benedikt XVI.", teilte die Organisation in einer Aussendung mit.

Sie wies darauf hin, dass die Entscheidung zum 50. Jahrestag der Konzils-Ankündigung von Johannes XXIII. getroffen worden sei. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil öffnete die katholische Kirche ihre Tür gegenüber anderen Religionen und leitete einen Modernisierungsprozess ein. Traditionalistische Kreise, wie jene um Lefebvre, sehen in den Konzilsbeschlüssen dagegen eine Verwässerung der katholischen Lehre.

Versöhnungsbereitschaft

Die Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Anhänger "mag als ein erfreuliches Zeichen für die Versöhnungsbereitschaft des Papstes gesehen werden", schreibt "Wir sind Kirche". "Es bleibt aber ein schaler Geschmack", zumal der Papst nur einen seiner beiden Arme ausgestreckt habe. "Wäre es nicht gerade jetzt an der Zeit, mit der zweiten Hand auch all jene heimzuholen, die mit Lehrverboten und Exkommunikation bestraft wurden, weil sie die gute Nachricht Jesu auch politisch-strukturell für die Armen dieser Welt einsetzen oder Frauen zu Priesterinnen weihen oder für Kondome zum Schutz vor Aids eintreten", fragt die Organisation, die in den 1990er Jahren Unterschriften von hunderttausenden österreichischen Katholiken für die Priesterschaft von Frauen und die Aufhebung des Zölibats gesammelt hat.

"Das Bild, das Bendikt XVI. vermittelt, ist keineswegs zukunftsorientiert, sondern es klebt an der Vergangenheit. Viele engagierte Christen und Christinnen aus allen Teilen der Welt wurden exkommuniziert, weil sie ungewollte Handlungen setzten, um die Kirche 'ins Heute' zu holen. Ihnen gelten die ausgestreckten Arme des Papstes nicht, sie heißt er nach wie vor nicht willkommen", kritisiert die Plattform in ihrer Aussendung. (APA)

 

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