Regierung drängt Ruanda zur Auslieferung Nkundas

24. Jänner 2009, 17:45
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Regierungssprecher: "Er beging Verbrechen im Kongo" - Kagame: Unruhestifter entwaffnet

Kinshasa/Kigali - Die kongolesische Regierung hat Ruanda zur Auslieferung des verhafteten Rebellenführers Laurent Nkunda aufgefordert. Auf eine entsprechende Entscheidung warte man im Kongo, sagte Regierungssprecher Lambert Mende am Samstag. "Er ist Kongolese, und er beging Verbrechen im Kongo", betonte Mende. Die ruandische Regierung hat bisher keine Angaben darüber gemacht, ob sie ihren einstigen Verbündeten Nkunda ausliefern will.

Nkunda, der dem Volk der Tutsi angehört, war lange Zeit ein enger Verbündeter der ruandischen Regierung. Während des Völkermords in Ruanda 1994 half er dabei, die Hutu-Regierung in Kigali zu stürzen. Im August vergangenen Jahres leiteten seine Tutsi-Rebellen eine Offensive gegen die kongolesischen Regierungstruppen ein und lösten damit eine Massenflucht aus. Schätzungen zufolge wurden rund 250.000 Menschen zu Vertriebenen. Die Vereinten Nationen nahmen nach Berichten über zahlreiche Gräueltaten Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen auf.

Stellvertreterkrieg

Nkunda führte die Rebellengruppe "Nationalkongress für die Verteidigung des Volkes" (CNDP), die in erster Linie die im Kongo lebenden Hutu-Milizen bekämpfte. Nach Angaben der kongolesischen Regierung führte Nkunda einen Stellvertreterkrieg, um Ruanda Zugang zu den reichen Bodenschätzen und Rohstoffvorkommen des Ostkongo zu sichern. Zuletzt spalteten sich jedoch mehrere Kommandanten von der CNDP ab und liefen mit ihren Einheiten zur Regierungsarmee über.

Der ruandesische Präsident Paul Kagame äußerte sich am Freitagabend erstmals zur Militäraktion, in deren Zuge Nkunda festgenommen worden war. Es sei darum gegangen, die Unruhestifter im Ostkongo zu entwaffnen, begründete Kagame das gemeinsame Vorgehen der ruandesischen und kongolesischen Truppen gegen Kagames Rebellen. "Diese Bemühungen haben gute Ergebnisse gebracht. Ich war noch nie so zuversichtlich", sagte Kagame. (APA/AP/AFP)

 

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