Von Aquileia nach Slowenien

26. Jänner 2009, 19:24
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Gorizia dämmert ein wenig vor sich hin - In Bilje hilft die Königin des Postamts weiter

Von Aquileia ging es in zwei Tagen nach Gorizia. Gorizia ist eine charmante, etwas heruntergekommene Stadt, die bis vor 20 Jahren von ihrer Lage an der Grenze zu Jugoslawien gelebt hat.

Ständig kamen Menschen aus ganz Nord-Jugoslawien zum Einkaufen, hier gab es all' die Güter, die man dort vermisste. Dann bröckelten die Mauern, es fielen die Grenzen und heute ist Slowenien Mitglied der EU und des Schengen-Raumes und es gibt dort alles, häufig billiger und besser.

Gorizia ist von dieser rasanten Entwicklung überrumpelt worden, und so dämmert es jetzt ein wenig vor sich hin. Zahlreiche Häuser stehen leer und verfallen, und trotz seiner einmaligen Lage zwischen Bergen und Meer ziehen die Menschen fort. Ich nehme mir zwei Tage, die Stadt zu erkunden, streife lange durch die schönen Strassen und Gassen.

Die Dorfkönigin mit den flinken Händen

Dann auf nach Slowenien! Ich komme erst nach dem Mittagessen los. Es gibt keine Grenzen zu passieren, ich bin einfach plötzlich da. Ein paar Stunden über eine kleine Straße, Feldwege schließlich, aber dann hat die Pension in Bilje, mit der ich gerechnet hatte, geschlossen. Die Dörfer liegen recht weit auseinander und um allzu langes nächtliches Umherirren zu vermeiden, gehe ich ins Postamt und frage nach einer Pension in der Nähe. Die freundliche, füllige Dame am Schalter - eindeutig die Königin des Postamtes, wenn nicht gar des ganzen Dorfes - nimmt die Angelegenheit in ihre flinken Hände und beginnt zu telefonieren. Die erste Pension ist geschlossen, die andere voll und im Postamt wächst die Schlange mit Kunden und ihren Briefen, Zahlungen und Paketen.

Strammer Marsch statt Autofahrt

Schließlich ist also in Rence, sieben Kilometer weiter, ein Zimmer gefunden - und jetzt muss ich mich so freundlich wie möglich gegen die längst beschlossene Tatsache wehren, dass mich der Postbote nach Rence fährt. "Es wird doch schon dunkel!". Nach einer guten Stunde strammen Marsches komme ich schließlich in Rence an.

Alles, außer Zitronen

Nach einem endlich wieder einmal reichlichen Frühstück (ich frage mich immer wieder, wie die Italiener ihre Tage nur mit einem Kaffee und einer Brioche im Bauch überstehen) geht es weiter nach Dornberk, dann meist auf wenig befahrenen Nebenstraßen, an kahlen Weinreben und Obstbäumen entlang nach Branik und schließlich nach Gabrije. Ein winziges Dorf mit neunzig Seelen, Übernachtung bei der Familie Turk. Beim gemeinsamen Abendessen schwärmt mein Gastgeber, Zwago Turk, von der Schönheit und Fruchtbarkeit der Gegend, die inmitten der "Slowenischen Weinstraße" liegt. "Hier wächst alles, bis auf Zitronen!" (Markus Zohner)

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    foto: markus zohner
  • Die Grenzen in Europa sind heute kaum noch spürbar.
    foto: markus zohner

    Die Grenzen in Europa sind heute kaum noch spürbar.

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