Frei-Stadt: Plastik-Krapfen in der Auslage

23. Jänner 2009, 21:21
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Das fernöstliche Vorbild der Kunststoff-Kulinarik findet auch schon bei höchst wienerischen Betrieben seine Nachahmer

Manchmal ist es ja umgekehrt und dann sind Österreicher die Touristen in Japan. Und bei denen ist es meist so, dass sie erst einmal etwas zum Kichern haben; dass sie sich köstlich über die Restaurants mit ihren Auslagen voll mit Plastikessen amüsieren. Eine Form der kulinarischen Präsentation, die inzwischen auch in dem einen oder anderen fernöstlichen Lokal in Wien Eingang gefunden hat.

Mit gleicher Regelmäßigkeit erkennen die Japanreisenden dann allerdings auch, wie unglaublich praktisch das ist, wenn man nicht im Lokal mit Händen und Füßen gestikulierend sein Essen bestellen muss, sondern einfach mit dem Personal kurz raus geht und auf das Gewünschte zeigt.

Jene, die von diesem Plastik-zeige-Essen gänzlich entzückt sind, pilgern dann auch noch in Tokio zur Kappabashi-dori: Eine Straße, deren Geschäfte sich auf den Verkauf aller nur möglichen Küchenutensilien spezialisiert haben. Bietet dort ein Laden etwa nichts anderes als Essstäbchen aller Art an, so gibt's in anderen Shops ausschließlich besagtes Schaufenster-Essen. Ein im höchsten Maße artifiziell-lukullisches Erlebnis.

Vorteile

Das fernöstliche Vorbild findet übrigens nun schon bei höchst wienerischen Betrieben seine Nachahmer: Auch die traditionelle Café-Konditorei L. Heiner in der Wollzeile weiß bereits die Vorteile der Kunststoff-Kulinarik zu schätzen und präsentiert in ihrer Auslage angezuckerte Plastik-Krapfen. Man erkennt ihre künstliche Herkunft sofort am allzu präzisen Ranftl (also dem traditionellen hellen Ring an der Seite).

Und nicht nur die japanischen Touristen wissen es gewiss zu schätzen, dass sie deuten können - und die Bedeutung des Wortes "Krapfen" auf der Karte ihnen nicht mehr mühselig geradebrecht werden muss. Letztlich eine Geste japanischer Höflichkeit. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 24.1.2009)

  • Auch die traditionelle Café-Konditorei Heiner weiß bereits die Vorteile der Kunststoff-Kulinarik zu schätzen.
    foto: david-freihsl

    Auch die traditionelle Café-Konditorei Heiner weiß bereits die Vorteile der Kunststoff-Kulinarik zu schätzen.

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