Gemeinsam rudern

23. Jänner 2009, 20:03
5 Postings

Angesichts von Klimawandel, der internationalen Finanzkrise und des internationalen Terrors sitzen wir in einem gemeinsamen Boot

Barack Obama hat in seiner Antrittsrede "eine neue Ära der Verantwortung" eingefordert, aber nicht nur für sich oder die USA, sondern für die Welt. Und recht hat er, denn wir leben in einer globalisierten Welt, was nichts anderes bedeutet als das Entstehen einer weltweiten Schicksalsgemeinschaft.

Das Gerede vom "vollen Boot" ist längst überholt: Angesichts von Klimawandel, der internationalen Finanzkrise und des internationalen Terrors sitzen wir in einem gemeinsamen Boot, mit dem wir entweder imstande sind, zu neuen Ufern aufzubrechen, oder eben gemeinsam unterzugehen. Wenn wir Bootsleute uns nicht immer massiver in die Haare geraten wollen, müssen wir demnach auch endlich dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen in den verschiedenen Erdteilen nicht noch weiter auseinanderklaffen. Zurzeit rechnet man aber damit, dass heuer zu den 923 Millionen Hungernden noch weitere 40 Millionen in Folge der Wirtschaftskrise dazukommen werden. Das straft alle Versprechungen der Industriestaaten, darunter auch Ös-terreich, Lügen, die zugesagt haben, dass diese Probleme bis 2015 halbiert werden.

Österreich steht hier besonders ärmlich da: Nur 0,5 Prozent des BIP hat Österreich im Jahr 2007 als Entwicklungshilfe ausgewiesen. In Wahrheit bestand aber mehr als die Hälfte dieser Mittel aus Schuldennachlässen des IWF und aus Förderungen der österreichischen Exportindustrie, wenn Firmen eine Staatshaftung für Exporte in Entwicklungsländer in Anspruch nahmen.

Heuer sind die Schuldennachlässe ausgelaufen, was bedeutet, dass die bisherige Art "kreativer Buchhaltung" nicht mehr zu Verfügung steht. Andererseits hat sich Österreich verpflichtet, ab 2010 mindestens 0,51 Prozent des BIP zu leisten. Will sich Österreich international nicht völlig lächerlich machen, ist energisches Handeln angesagt. Als erster Schritt sollten im Budget 2009 die Mittel für die ADA (Austrian Development Agency) verdoppelt werden, dann muss ein neues Konzept für die Folgejahre aufgestellt werden, denn für das Jahr 2015 hat Österreich 0,7 Prozent des BIP versprochen.

Natürlich ist in Zeiten wie diesen Sparen angesagt, aber das muss auch "Sparen an der richtigen Stelle" heißen. Forschung und Entwicklung, aber auch das Einhalten von internationalen Zusagen sind Dinge, die uns nicht bremsen, sondern weiterbringen. Zumal eine intelligent organisierte Entwicklungszusammenarbeit auch Aufträge für die heimische Wirtschaft und das Erschließen neuer Märkte bedeutet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.1.2009)

Zur Person

Franz Fischler, promovierter Agronom, war Landwirtschafts-minister und EU-Agrarkommissar. Derzeit ist er Präsident des Ökosozialen Forums.

Share if you care.