Barack Obama, der Blackberry und die FOBOs

23. Jänner 2009, 19:55
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Der Präsident darf sein Handy doch behalten

Vielleicht war es John Podesta, dem es gelang, den Secret Service doch noch zu erweichen. Der Veteran aus Bill Clintons besseren Tagen, ein Fleißarbeiter, der Barack Obamas Übergang vom Wahlsieg zum Weißen Haus organisierte, brachte es so unorthodox auf den Punkt, wie man es einem Büromenschen seines Schlages gar nicht zugetraut hätte.

"Lasst dem Mann doch seinen Blackberry", bat Podesta. Geheimhaltung hin, Geheimhaltung her, aber ohne die virtuelle Verbindung zur Außenwelt vereinsame er doch nur unter der Glocke der Machtzentrale. "Dann wird er noch zum Löwen im Käfig, der ruhelos um den West Wing streift".

Das soll er nicht werden, findet nicht nur John Podesta. Die Amerikaner schätzen ihren neuen Präsidenten ja gerade, weil er den Kontakt zum Normalbürger sucht, auch in Washington. Die E-Mails, die er seinem alten Freundeskreis schreibt und von selbigem empfängt, helfen ihm, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

Kontakt nach Chicago

Keiner, wissen die Experten, ist dagegen gefeit, im Oval Office, der Welt der gepanzerten Cadillac-Limousinen, der Personenschützer und "Hail the Chief"-Hymnen den Draht zur Wirklichkeit zu verlieren. Also gilt es, das eine oder andere Korrektiv einzubauen. Im Falle Obamas ist es - der Blackberry. Jenes Handy, von dem man auch E-Mails versenden kann. Was gleichbedeutend ist mit dem Kontakt zu Chicago, der Stadt, aus der der Ex-Senator nach Washington zog und die weitaus robuster, lebensnäher ist als die steife Hauptstadt mit ihren Unmassen von Anzugträgern.

Wie es technisch laufen soll, werden Laien wohl nur im Ansatz verstehen. Von besserer Verschlüsselung ist die Rede, von verstärktem Schutz gegen Hacker. Und von einer weißen Liste, die nur Nachrichten jener Absender zum Postfach durchlässt, die in Obamas Adressbuch stehen. Alles andere, heißt es, prallt von vornherein ab. Wer auf der Liste steht? Staatsgeheimnis!

Klar, man kann es sich denken. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu erraten, dass die Technikfreaks des Wahlkampfteams einen Platz sicher haben: der Stratege David Axelrod, der Pressesprecher Robert Gibbs und der persönliche Beschützer und Berater Reggie Love. Dazu die alten Vertrauten aus Chicago, Marty Nesbitt, Valerie Jarrett und Eric Whitaker. Wahrscheinlich auch Charles Ogletree, Professor der Harvard Law School, an der beide Obamas studierten, ein FOBO, ein "Friend Of Barack Obama". Barack, vermutet der Gelehrte, wird sich mit den FOBOs wohl nicht nur über Sorgen politischer Natur austauschen, sondern auch darüber, wie die Chicagoer Sportclubs spielen.

Gibbs, der neue Präsidentensprecher, ein Südstaatler mit feinem Sinn für Humor, ließ gleich beim ersten Amtsauftritt durchblicken, wie man sich die präsidiale Korrespondenz vorstellen muss. Thematisch umfasst sie das ganze Spektrum, vom Konjunkturpaket bis zur Baseball-Liga. Gibbs musste sich schon des Öfteren fragen lassen, wieso sein Footballteam schon wieder so miserabel spielte. Diesen Spaß, dieses Ventil, findet John Podesta, sollte man dem neuen Hoffnungsträger lieber nicht nehmen. "Ein Obama, der nicht online ist, ist nicht nur schlecht für Barack. Er ist schlecht für uns alle." (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2008)

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