Planspiele um Osteuropa-Masterplan

23. Jänner 2009, 19:54
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100 Milliarden Euro könnte die Unterstützung der Banken ausmachen, um den Kreditfluss in Osteuropa aufrecht zu halten

Wer zahlen und wie das Geld verteilt werden würde, ist derzeit völlig unklar.

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Wien - Die Forderungen heimischer Banken nach einem Hilfsplan für Osteuropa sind offenbar nicht aus einem Guss. Raiffeisen soll am massivsten auf internationale Unterstützung pochen, während andere Banken mit den in Verhandlung befindlichen Staatszuschüssen von 2,7 Mrd. Euro das Auslangen finden würden, heißt es in der Branche.

Dem Vernehmen nach denkt Raiffeisen International an einen Bankenfonds mit einem Volumen von 100 Mrd. Euro, der auf die in der Region aktiven Institute verteilt werden soll. RI-Chef Herbert Stepic wollte sich dazu am Freitag nicht äußern. Allerdings hatte er in einem Standard-Interview vor einem Monat von 40 bis 50 Mrd. Euro nur für Südosteuropa gesprochen. "In einer ersten Phase sollte das für EU- und EU-Beitrittsländer gelten, aus sicherheitspolitischer Sicht müsste man Länder wie die Ukraine einbeziehen" , hatte Stepic erklärt. Die Mittel sollten den Geldinstituten zur Verfügung gestellt werden, um den Kreditfluss in der Region aufrecht zu halten. Angeblich entfiele der Großteil des Pakets auf Raiffeisen.

Beratungen in Wien

Wer das Geld zur Stabilisierung aufbringen soll, darüber gibt es keine verlässlichen Informationen. Die Banken sollen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank ersucht haben, die Zusammenstellung des Kapitals zu koordinieren. Maßgeblich beteiligt seien neben Österreich auch Frankreich und Deutschland. Involviert sollen auch die osteuropäischen Regierungen sowie die Europäische Investitionsbank und die Osteuropabank EBRD sein.

Vertreter dieser Institutionen sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) berieten dazu am Freitag auf Expertenebene im Wiener Finanzministerium über die Lage in der Region. Das Treffen habe aber eher Workshop-Charakter gehabt und sei schon seit längerem geplant gewesen, hieß es von einem Beteiligten: Entscheidungen wurden keine getroffen.

Die heimischen Banken machen sich angesichts der sich verschlechternden konjunkturellen Lage in Osteuropa zusehends Sorgen. Heuer dürfte das Wachstum von noch sechs Prozent 2008 gegen null tendieren, wie die EBRD diese Woche prognostizierte. Das Problem liegt in der hohen Verschuldung der privaten Haushalte und der Instabilität der Volkswirtschaften. Hohe Handelsbilanzdefizite und - je nach Land unterschiedlich - Budgetlöcher machen die aufstrebenden Märkte verwundbar. Das hat die Währungen von Polen über Rumänien bis Russland massiv unter Druck gesetzt und Hilfspakete für Lettland, Ungarn und die Ukraine erforderlich gemacht.

Gut dotierter Goodwill

Die Abwertungen wiederum verteuern den Schuldendienst bei Fremdwährungskrediten, die in der Region sehr beliebt sind. Das lässt höhere Ausfallsraten befürchten, die auf die Gewinne drücken. Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, drohen den Banken überdies Abschreibungen auf ihre Beteiligungsansätze. Viele der Osttöchter wurden von Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen zu recht hohen Preisen übernommen. In den Bilanzen schlummert somit ein ansehnlicher Goodwill - das ist die Differenz zwischen dem Substanzwert (wie Immobilien) und dem Kaufpreis. Wenn diese Ansätze aufgrund schlechterer Ertragsaussichten nicht mehr zu rechtfertigen sind (die Überprüfung heißt Impairment Test), stehen Wertberichtigungen an.

Die Erste Bank hat laut einer Analyse von Sal. Oppenheim allein bei ihrer rumänischen Tochter BCR einen Goodwill von 2,6 Mrd. Euro in den Büchern stehen, in Tschechien sind es 543 Mio. Euro. Deutlich darunter liegen die Raiffeisen-Werte, allerdings betreffen sie unsicherere Staaten: Die Bank Aval in der Ukraine - das Land gilt als größter Wackelkandidat in der Region - steht mit einem Goodwill von 418 Mio. in der Bilanz, die russische Impexbank mit 313 Mio. Euro. Beide Banken sehen derzeit keinen Abschreibungsbedarf bei ihren Osttöchtern. (as, mue, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.1.2009)

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