WAZ verteidigt Konzept und Stellenabbau

23. Jänner 2009, 19:34
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Manager wollen 30 Millionen Euro Kosten einsparen

Die deutsche WAZ-Mediengruppe, die auch stark in Österreich vertreten ist, hält an ihrem Konzept zur Zusammenführung der Zentralredaktionen des nordrhein-westfälischen Zeitungskonzerns fest. "Wir wollen Einsparungen plus Qualitätssteigerung erreichen", umriss Bodo Hombach, einer der Geschäftsführer der Gruppe, am Freitag in Essen. Die Alternative wäre gewesen, die überregionalen Teile stärker mit Material von Nachrichtenagenturen zu bestücken oder Zeitungstitel einzustellen.

Die Manager wollen 30 Mio. Euro Kosten einsparen. Doch nicht nur betriebswirtschaftliche Gründe hätten zu dem Plan geführt. Die Gruppe nehme die "Verantwortung für Medienvielfalt ernst", sagte Geschäftsführer Christian Nienhaus, der im Juli von der Zeitungsgruppe "Bild" zur WAZ gekommen war.

Gemeinsame Redaktion

Die überregionalen Teile der drei großen Zeitungstitel der WAZ-Gruppe in Nordrhein-Westfalen, die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), die "Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung" und die "Westfälische Rundschau", sollen von einer gemeinsamen Redaktion produziert werden. Bis auf die WAZ schreiben sie so hohe Verluste wie nie. Bisher hat jede der Zeitungen eine eigenständige Vollredaktion.

Das Konzept sieht nach Angaben der Gewerkschaft Verdi vor, 261 der 900 Stellen zu streichen, was so sozialverträglich wie möglich geschehen solle. Die Lenker des Medienhauses zeigten sich offen für Ideen der Arbeitnehmervertreter. Die Betriebsräte haben eigene Vorschläge erarbeitet, die nun diskutiert werden. "Wir sind bereit, als Chefredaktion genau hinzuschauen", sagte WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz.

Doppelarbeit vermeiden

Ziel sei es, Doppelarbeit zu vermeiden, mehr selbst zu recherchieren und die Nähe zum Kunden auszubauen. Deshalb werde auch der Agenturanteil drastisch zurückgefahren, sagte Reitz. Den vor zwei Monaten ausgelaufenen Vertrag mit dpa (Deutsche Presse Agentur) verlängerte die Gruppe nicht. "Wir hatten keinen Fall bisher, wo wir auf dpa angewiesen gewesen wären", sagte Reitz. Die dpa gehört fast 200 Verlagen und Rundfunkhäusern.

Trotz Sparkurs bleibe Wachstum für die WAZ ein Thema, sagte Hombach. Die Mediengruppe prüfe, sich "in den Bereichen, von denen wir was verstehen, breiter aufzustellen". "Wir sind bei Investitionen etwas vorsichtiger als andere." Bis Jahresende könnte dennoch etwas passieren. "Wir sind nach wie vor handlungsfähig", sagte Hombach.

Nienhaus sagte, eine Prognose für 2009 sei sehr schlecht möglich. Die Schwäche am Automarkt wirke sich auf das Anzeigengeschäft aus, ebenso die Probleme im Einzelhandel. "Wir hoffen, dass sich das Mitte, Ende des Jahres wieder belebt." (APA/Reuters)

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