Gepiesackte Passagiere im Super-Zug

23. Jänner 2009, 19:31
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Wenigstens für Umweltbewusste halten wir gute Nachricht bereit

Seltsame Geldströme bei Investitionen, der neue Railjet als Mogelpackung, Spekulationsgeschäfte: Was haben wir der ÖBB nicht schon alles vorgehalten! Unsere Enthüllung Anfang Jänner schlägt aber alles: In manchen Zügen ist mit Kannibalismus zu rechnen.

Die beunruhigende Nachricht findet sich am 8. Jänner unter dem Titel „Teures Luxus-Dinner im Super-Zug“. Es wird von „Kosten für das Essen in allen ÖBB-Zügen“ in der Höhe von 87 Millionen Euro berichtet. Bahnchefs fühlen sich „in unselige Zeiten zurückversetzt, in denen die Verkostung der Fernverkehrsgäste massiv subventioniert werden musste.“

Dass die Verköstigung in den Zügen früher anders war, mag stimmen, dass das Ganze teuer kommt auch. Dass Fernverkehrsgäste aber verkostet werden, ist sicher eine verzerrende Darstellung des gastronomischen Bahnuniversiums – obwohl nachvollziehbar ist, dass ein solcher Verkostungsakt finanziell gestützt werden müsste, da die der Bahn zum Fraß vorgeworfenen Fahrgäste sich ja ungern piesacken lassen, die Operation also nicht leicht von der Hand ginge.

Es können einem aber schnell Zweifel an solch einer menschenfreundlichen Exegese kommen, liest man die Kurzmeldungen vom 12. Jänner. Wir berichteten dort von einem Brand im oberösterreichischen Bezirk Perg, dem Feuerwehrmänner, die vom Alarm während eines Festes überrascht worden waren, mehr oder weniger im Smoking ein Ende bereitet hatten: „Knapp drei Stunden dauerte es, bis das Feuer in dicht verdautem Gebiet gelöscht war“. Wahrscheinlich macht der Super-Zug mit dem Luxus-Dinner für Kannibalen dort, in diesem dicht verdautem Gebiet, halt.

Wenigstens für Umweltbewusste halten wir gute Nachricht bereit. Erst schockierten wir am 13. Jänner die Leserschaft zwar mit der Eröffnung, zwei Google-Abfragen könnten sieben Gramm CO2 freisetzen, und solcherart würde die Internetnutzung das Klima schädigen. Dann aber, man muss den Artikel nur zu Ende lesen, löst sich das Problem gleichsam in Wohlgeruch auf. „Der Betrieb eines PCs verbraucht pro Stunde 40 bis 80 Gramm Kohlendioxid“, steht da. So einfach wäre das also, hätten wir recht: PC eingeschaltet lassen, dann wird mehr CO2 verbraucht, als wir durch Googeln produzieren, und überhaupt retten wir so die Welt. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.1.2009)

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