Ein Witz, schlecht erzählt

23. Jänner 2009, 18:15
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Auch der beste Witz kann dem Erzähler keinen Stammtischlorbeer einbringen, wenn er ihn schlecht erzählt

Auch der beste Witz kann dem Erzähler keinen Stammtischlorbeer einbringen, wenn er ihn schlecht erzählt. Das gilt für einen ephemeren Kärntner Landeshauptmann ebenso wie für den Postboten am medialen Stammtisch der Nation. Nomen est omen, kehrte dieser am Montag den Humanisten heraus, als er jenen beschied: Und Sie heißen Dörfler, Gerhard Dörfler. Also einer vom Dorf, wo es bekanntlich bisweilen den berühmten Trottel gibt. Zur Abmilderung dieser rustikalen Insinuation schickte Jeannée gleich die Schmeichelei nach: ... womit ich natürlich nicht gesagt haben will, dass Sie einer sind, das nicht, was das einleitende Dictum Nomen est omen ad absurdum führte. Das sollte vermutlich der Witz sein, aber wie gesagt - schlecht erzählt. Und umso schlechter, als Jeannée nach Begründung, warum er nicht gesagt haben will, dass besagter Dörfler der berühmte Trottel vom Dorf sei, neuerlich ins Grübeln gekommen ist über einen Landeshauptmann, der nach Jörg Haider demnächst in Kärnten die Wahlen gewinnen will, Dörfler, Gerhard Dörfler heißt, also einer vom Dorf ist, wo es bekanntlich bisweilen den berühmten Trottel gibt. Lei-Lei.

Das Ergebnis dieser tiefen Grübelei ließe sich am besten in den klassischen Worten des Dörflers zusammenfassen: "Anscheinend hab ich den Witz schlecht erzählt, weil ihn niemand verstanden hat." Denn drei Tage später musste Jeannée vor der Masse der "Krone"-Leser zu Kreuze kriechen, die sich unter dem Begriff Trottel vom Dorf mit vereinnahmt und also unangenehm berührt fanden, obwohl das schmückende Beiwort berühmt vor dem Trottel vom Dorf klargemacht haben musste, dass sie nicht gemeint sein konnten. Tenor unzähliger E-Mails, Briefe und Telefonanrufe: Den von mir apostrophierten "Dorftrottel" gebe es schon lange nicht mehr und ergo sei meine Formulierung eine pauschale und unqualifizierte Beleidigung unserer Dörfler.

Wieso es eine pauschale und unqualifizierte Beleidigung unserer Dörfler im Allgemeinen darstellen sollte, wenn Jeannée von einem einzigen, ganz bestimmten Dörfler nicht gesagt haben will, dass er der berühmte Trottel vom Dorf sei, bleibt ein Geheimnis der "Krone"-Community, das sich höchstens ein wenig erhellt, wenn man bedenkt, dass sich die Berühmtheit dieses individuell markierten Dörflers in Grenzen hält, die über dörfliche nicht weit hinausgehen.

Statt wenigstens mit dem Vorschlag einer möglichen Auferstehung des Dorftrottels und seiner Ausbreitung in die Stadt am Beispiel von BZÖ und FPÖ gegenzuhalten, knickte Jeannée vor den Propagandisten dorftrottelreiner Dörfer und deren Kritik ein, die ich schuldbewusst zur Kenntnis nehme und mich dafür ausdrücklich entschuldige. So weit kommt es, wenn man einen Witz so schlecht erzählt, dass ihn niemand versteht.

Die Entschuldigung floss ihm umso leichter aus dem Computer, als mir die Zeilen eines von Euch die Chance bieten, ohne Gesichtsverlust aus meinem Fauxpas herauszukommen. Das hoffte er wenigstens. Zwar ist nichts verlorener als das Gesicht eines schlechten Witzeerzählers, aber immerhin lieferten die Zeilen eines von Euch eine feinsinnige Differenzierung der Begriffe Dorftrottel und Depp einerseits, Landeshauptmann andererseits, die in der künftigen Geschichte dieses Landes noch große Bedeutung erlangen könnte.

"Man kann einen gewählten Landeshauptmann für ein unpassendes Witzchen vielleicht einen Deppen nennen, aber ihn aus seinem Namen ableitend zum Dorftrottel zu erklären, geht entschieden zu weit. Weil ein Depp die umgangssprachliche und verniedlichende Bezeichnung für einen einfältigen Menschen ist, während man unter einem Trottel jemanden mit eingeschränkter Intelligenz versteht."

Es wird jenen bestimmten Dörfler, von dem der Impuls zu dieser sublimen Kritik des Dorftrottels ausging, zweifellos froh stimmen, dass die Urheber unzähliger E-Mails, Briefe und Telefonanrufe an die "Krone" kaum ein Problem damit hätten, ihn als Deppen dargestellt zu wissen, weiß er doch, dass diese seine Berufung auch aus berufenem Munde kommt: Wer so fein zu unterscheiden vermag zwischen der verniedlichenden Bezeichnung für einen einfältigen Menschen und einem Landeshauptmann mit eingeschränkter Intelligenz beweist ein Ausmaß an staatsbürgerlichem Durchblick, das sofort mit dem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht belohnt werden müsste, gäbe es dieses nicht schon. Die Folgen davon - Depp hin, Dorftrottel her - sehen wir demnächst. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 24./25.1.2009)

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