Portrait: Grausamer Kriegsherr und studierter Psychologe

23. Jänner 2009, 16:18
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Mediengewandter Rebellen-General Laurent Nkunda sieht sich als Beschützer der Tutsi

Nairobi/Goma - Der polyglotte und mediengewandte Rebellen-General Laurent Nkunda sieht sich selbst mit Vorliebe als Beschützer der kongolesischen Tutsi. Kritiker zeichnen dagegen das Bild eines grausamen Warlords, dessen Rebellenarmee verantwortlich ist für schreckliche Verbrechen an der Zivilbevölkerung im Ostkongo.

Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch werfen Nkunda und seinen Kämpfern Folter, Vergewaltigungen und Morde vor und fordern, den Rebellengeneral vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Rechenschaft zu ziehen.

Festnahme in Ruanda

Der 41-Jährige, der seine Augen gerne hinter verspiegelten Sonnenbrillen versteckt hielt und im Ostkongo für Furcht und Schrecken sorgte, drohte mit dem Marsch auf Kinshasa, wollte den Kongo mit seiner Rebellenarmee "befreien". Nun wurde der Berufssoldat mit abgeschlossenem Psychologiestudium ausgerechnet in Ruanda verhaftet, wo er sich bisher stets sicher und willkommen fühlte.

Der ethnische Konflikt zwischen Hutu und Tutsi zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben Nkundas, der zur Volksgruppe der Tutsi gehört. Obwohl er aus dem Kongo stammt, kämpfte er in der Ruandesischen Patriotischen Front, die 1994 das Hutu-Regime in Ruanda stürzte und nach 100 Tagen dem blutigen Völkermord an etwa 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu des zentralafrikanischen Kleinstaates ein Ende setzte. Auch im Kongo kämpfte er gegen Hutu-Milizen, die nach 1994 in den Nachbarstaat geflohen waren.

Ohne ihn werde es keinen Frieden geben, drohte Nkunda, als die Regierungen des Kongo und Ruandas unter UN-Vermittlungen im vorigen Jahr Gespräche über eine politische Lösung des Konflikts im Ostkongo begannen. Doch im Jänner lehnten sich selbst Teile seiner CNDP-Mitstreiter gegen den Rebellen-General auf. Nun ließ ihn auch Ruanda fallen. Im Fall einer Auslieferung an den Kongo droht ihm dort ein Verfahren wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen. (APA/dpa)

 

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    Rebellenchef Laurent Nkunda wurde verhaftet

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